Kroatien weiß auch nach 35 Jahren noch nicht, wo sich die sterblichen Überreste von Dr. Ivan Šreter befinden, dem kroatischen Arzt und Friedensstifter, der am 18. August 1991 entführt wurde. Genau am Jahrestag seines Verschwindens, dem 18. August 2026, beginnt Regisseur Dražen Bušić mit den Dreharbeiten zum 30-minütigen Spielfilm 'Jezik na smrt', der Šreters Entführung und die letzten Tage seiner Gefangenschaft thematisiert, wie Narodno.hr berichtet.
Die Rolle des Dr. Ivan Šreter übernimmt der Schauspieler Boris Svrtan. Die Dreharbeiten finden an authentischen Schauplätzen in der Region Pakrac und Lipik statt. Kroatische Staatsquellen geben an, dass Šreter inhaftiert und gefoltert wurde, aber seine sterblichen Überreste wurden bis heute nicht gefunden.
Gescheiterter Gefangenenaustausch und die Frage der Verantwortung
Ein besonders schwerwiegender Teil des Falls betrifft den versuchten Gefangenenaustausch. Aus dem Bericht von Slavko Degoricija, der damals kroatischer Beamter war und im Buch 'Nije bilo uzalud' (Es war nicht umsonst) veröffentlicht wurde, geht hervor, dass mit Milorad Pupovac eine Vereinbarung getroffen wurde, nach der die kroatische Seite zwei Ärzte serbischer Nationalität freilassen sollte, die in Sisak festgenommen worden waren, und Pupovac im Gegenzug bei der Freilassung Šreters helfen sollte.
Die Ärzte wurden freigelassen, aber Šreter kehrte nicht zurück. Diese Situation wirft seit Jahren politische und gesellschaftliche Fragen auf, aber niemand wurde rechtskräftig für das Scheitern dieses Austauschs verantwortlich gemacht. Wie Narodno.hr berichtet, erfordert dieser Fall Präzision, denn dokumentierte Fakten, Zeugenaussagen und Interpretationen der Verantwortung sind dreierlei Dinge.
Finanzierung und Unterstützung durch Institutionen
Die Filmemacher geben an, dass das Projekt derzeit aus eigenen Mitteln finanziert wird, da einige staatliche Institutionen keine Unterstützung bereitgestellt haben. Institutionen aus Lipik und Pakrac leisten logistische Unterstützung, und die Gespanschaft Požega-Slawonien und Brod-Posavina sowie die Kroatische Ärztekammer sollen einen Teil der Postproduktionskosten mitfinanzieren. Eine Entscheidung des Ministeriums für kroatische Veteranen steht noch aus.
"Dr. Šreter und die Wahrheit über ihn können keinen Tag länger warten", so Bušić.
Der Film könnte Šreters Namen in der Öffentlichkeit wieder aktualisieren, aber nach 35 Jahren reicht Kroatien ein Film allein nicht aus. Es braucht eine Antwort darauf, wo der Mann geblieben ist, der 1991 verschwand, und warum seine Familie und der Staat diese Antwort noch immer nicht haben.