Kroatische Ermittler entwirren ein internationales kriminelles Netzwerk, das aus einer kroatischen Bank durch einen raffinierten Computerangriff auf einen Geldautomaten fast 250.000 Euro gestohlen hat. Der Fall ist besonders interessant, da sich Diebe in Kroatien bisher beim Aufbrechen von Geldautomaten hauptsächlich auf Explosionen verließen und nicht auf so fortschrittliche Hacker-Methoden.
Das Verschwinden des Geldes wurde von der Bank Anfang März 2025 gemeldet. Die darauf folgende Untersuchung ergab, dass jemand an dem Geldautomaten spezielle elektronische Geräte zum Hacken angebracht und genau darüber das Geld abgehoben hatte. Es ist noch nicht endgültig geklärt, ob es sich um einen sogenannten "Host-Spoofing"-Angriff oder um die "Black-Box"-Methode handelte.
Wie wurden die Diebe entlarvt?
Eine entscheidende Spur wurde während der polizeilichen Spurensicherung gefunden. Im Geldautomaten selbst entdeckten die Ermittler ein elektronisches Gerät, das an dessen Installationen angeschlossen war. Ein weiterer Teil der Ausrüstung, von dem angenommen wird, dass er ebenfalls bei dem Angriff verwendet wurde, wurde weggeworfen in einem nahegelegenen Mülleimer gefunden.
Danach begannen die Ermittler mit der Analyse der Videoüberwachungsaufnahmen und stellten bald über Europol und Interpol internationale Polizeizusammenarbeit her. Da offensichtlich war, dass es sich um ein organisiertes internationales Netzwerk handelte, führte diese Zusammenarbeit zu nützlichen Informationen. Auch die in dem Geldautomaten installierten Geräte wurden untersucht.
Venezolaner festgenommen, Landsmänner werden gesucht
Nach Informationen von Index.hr wurde in Kroatien bisher nur ein Mitglied dieser kriminellen Kette festgenommen. Es handelt sich um eine Person mit venezolanischer Staatsbürgerschaft. Die Ermittlungen umfassen mehrere seiner Landsleute, aber es ist noch nicht bestätigt, ob das gestohlene Geld bereits gefunden wurde.
Zwei mögliche Angriffsmethoden: "Host-Spoofing" und "Black Box"
Die Ermittler haben noch nicht festgestellt, welche der beiden raffinierten Methoden verwendet wurde. Beim Host-Spoofing schaltet sich der Angreifer in die Kommunikation zwischen dem Geldautomaten und dem zentralen System der Bank ein, das die Auszahlung genehmigt. Er fängt die Antwort der Bank ab, verändert sie oder ersetzt sie. Zum Beispiel kann er eine Nachricht über die Ablehnung einer Transaktion in eine falsche Genehmigung umwandeln, oder sein Gerät kann sich als Banksystem ausgeben und Befehle zur Auszahlung senden. Der Geldautomat "glaubt" dann, dass die Transaktion ordnungsgemäß genehmigt wurde, obwohl die Bank keine Zustimmung gegeben hat.
Andererseits zielt der Black-Box-Angriff, der zur Gruppe der sogenannten "Jackpotting"-Angriffe gehört, darauf ab, den Geldautomaten zu zwingen, einen großen Teil oder das gesamte Geld aus den Kassetten auszugeben. Die Angreifer öffnen oder beschädigen physisch das Gehäuse des Geldautomaten, um an die Kabel zu gelangen, die mit dem Modul zur Ausgabe von Banknoten verbunden sind. Daran schließen sie ihr eigenes Gerät an, die sogenannte Black Box, die direkt Befehle zur Ausgabe von Bargeld sendet und dabei das übliche Autorisierungssystem der Bank vollständig umgeht.
Beide Methoden unterscheiden sich erheblich vom Skimming, dessen Hauptziel der Diebstahl von Kartendaten und PIN ist, nicht die direkte Auslösung einer unbefugten Geldauszahlung.