Die Innenminister der Europäischen Union sind am Dienstag zu einem Dringlichkeitstreffen in Brüssel zusammengekommen, um über die Migrantenkrise in der spanischen Enklave Ceuta zu beraten. Nach tagelangen öffentlichen Anschuldigungen und Spaltungen endete das Treffen mit einer Demonstration von Einheit und Unterstützung für Madrid. Auch der kroatische Minister Davor Božinović äußerte seine Sicht der Lage.
Božinović betonte, dass Kroatien die Frage der Migration mit besonderem Ernst behandle. "Kroatien spricht aus zehnjähriger Erfahrung über Migration", erklärte der Minister, wie die Nachrichtenagentur Hina berichtet.
Von Spaltung zu Einheit in drei Stunden
Das dreistündige Treffen in Brüssel wurde einberufen, nachdem am Freitag Zehntausende Migranten in Ceuta, die spanische Stadt auf dem afrikanischen Kontinent, eingedrungen waren. Nach Angaben der spanischen Seite kehrten von insgesamt 72.000 Menschen, die in die Enklave gelangten, 70.000 inzwischen nach Marokko zurück. Die Zeitung Večernji list nennt etwas andere Schätzungen, wonach am Freitag zwischen 50.000 und 60.000 Migranten die Schutzbarrieren überwanden und in die Stadt schwammen.
Der EU-Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte, dass Schlepper und Menschenhändler den Zustrom ausgenutzt hätten. Der französische Innenminister Laurent Nuñez räumte ein, dass die Spaltungen der vergangenen Tage schädlich gewesen seien. "Die Spaltungen, die wir am Wochenende gehört haben, waren nicht willkommen und wurden von ausländischen Ländern ausgenutzt. Aber was ich heute Morgen gehört habe, hat mich überzeugt", sagte Nuñez.
Spanien weist Kritik zurück und fordert Aufhebung der Aussetzungen
Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska bezeichnete das Treffen als "völlig konstruktiv" und wies die Vermutung zurück, dass die Krise die Position seines Landes geschwächt habe. "Spanien ist als starker, verlässlicher Partner hervorgegangen. Dies ist keine Frage, die von Testosteron abhängt", sagte er. Er forderte Italien außerdem auf, die Aussetzung der Luft- und Seeverbindungen mit Spanien aufzuheben, die er als ungerechtfertigt bezeichnete.
Die Krise löste in ganz Europa heftige Reaktionen aus. Insgesamt 22 Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten unterzeichneten einen Brief, in dem entschlossenere Maßnahmen gegen illegale Einreisen gefordert werden. Der spanische Premierminister Pedro Sánchez antwortete mit einem Appell an "Verständnis" und wies Versuche zurück, sein Land zum Sündenbock für Probleme an der Außengrenze der Union zu machen.
Aufruf zu besserer Koordinierung und Stärkung von Frontex
Der irische Justizminister Jim O'Callaghan, der das Treffen leitete, betonte, dass die Außengrenzen der EU eine gemeinsame Verantwortung seien. "Die Außengrenzen der EU sind unsere gemeinsame Verantwortung, und Migration erfordert eine geeinte europäische Antwort", erklärte er. Die Minister waren sich einig, dass ein besseres Frühwarnsystem, eine engere Koordinierung zwischen den Hauptstädten und eine stärkere Zusammenarbeit mit Drittländern erforderlich seien, um Abfahrten zu verhindern.
Die Europäische Kommission soll im September 2026 weitere Maßnahmen prüfen, nachdem die Ursachen des Massenzustroms und die mögliche Rolle sozialer Medien bei dessen Organisation untersucht wurden. Zu den diskutierten Optionen gehört auch die Stärkung der Rolle der Agentur für Grenz- und Küstenwache Frontex.
Eine besonders heikle Frage bleibt die Rolle Marokkos, auf dessen Zusammenarbeit sich Spanien bei der Überwachung der Abfahrten in Richtung Ceuta stark verlässt. Kommissar Brunner wollte nicht über die Rolle Rabats spekulieren, während Minister Grande-Marlaska die marokkanische Zusammenarbeit bei der Beruhigung der Lage lobte, die an einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2021 erinnerte, als marokkanische Kräfte während eines diplomatischen Streits mit Madrid die Kontrollen lockerten.