Europäische Ermittler sind zunehmend besorgt über den Anstieg krimineller Aktivitäten, bei denen Minderjährige eine Hauptrolle spielen. Im Fokus steht die schwedische Organisation Foxtrot, die seit 2022 für etwa 35 Morde verantwortlich gemacht wird, begleitet von einer Serie von Anschlägen mit Sprengsätzen und Handgranaten auf verschiedene Ziele in ganz Europa.
Anwerbung über den Bildschirm: Geld für Gewalt
Die Gruppe hat ein Geschäftsmodell perfektioniert, das als 'Gewalt als Dienstleistung' beschrieben wird. Anstatt erfahrene Auftragsmörder zu bezahlen, sucht Foxtrot systematisch Teenager und junge Erwachsene über soziale Plattformen und Kommunikations-Apps. Für gefährliche Aufgaben werden ihnen beträchtliche Geldsummen angeboten, und die Anweisungen erinnern oft an Videospiele. Paradoxerweise werden die meisten dieser jungen Menschen vor oder unmittelbar nach der Tat gefasst, sodass die versprochene Bezahlung oft ausbleibt.
Verurteilter Teenager und falsches Ziel
Eines der drastischsten Beispiele ereignete sich letzte Woche in London, wo das Gericht Old Bailey den norwegischen Teenager Johannes Natland der Verschwörung zum Mord für schuldig befand. Er wurde für ein Attentat in West Yorkshire angeheuert und in einem Hotelzimmer in Huddersfield festgenommen, wo bei ihm zwei Schusswaffen und Munition gefunden wurden. Laut Ermittlungsakten wurde er von einem Jungen kontaktiert, den er in einem Heim für betreute Jugendliche kennengelernt hatte; für die Tat wurden ihm etwa 21.000 Pfund angeboten. Dieser Fall erinnert an das frühere Ereignis mit Atilla Azimov, der für Geld eine unschuldige Person tötete und eine lebenslange Haftstrafe erhielt.
Führer in Teheran und iranische Verbindung
An der Spitze der gesamten Operation steht Rawa Majid, besser bekannt unter dem Spitznamen 'Kurdische Füchsin'. Nach verfügbaren Informationen versteckt er sich derzeit im Iran, in der Hauptstadt Teheran. Analysten glauben, dass nach seiner Verlegung in dieses Land ein Teil der Kapazitäten des Netzwerks darauf umgeleitet wurde, Anschläge auf Personen und Einrichtungen zu verüben, die das iranische Regime als feindlich betrachtet, insbesondere auf israelische und jüdische Interessen in Europa.
Gemeinsame europäische Antwort: Taskforce GRIMM
Als Reaktion auf die Eskalation dieses Phänomens hat Europol eine operative Taskforce namens GRIMM eingerichtet. Daran beteiligt sind 11 Länder: Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich. Beamte betonen, dass Kriminelle gezielt immer jüngere Täter anwerben, da diese eher bereit sind, Risiken einzugehen und weniger über langfristige Konsequenzen nachdenken. Ein großer Teil der rekrutierten Kinder stammt aus äußerst schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen.
Dreistigkeit ohne Grenzen: Falsche Polizisten in Jönköping
Ein separater Vorfall in Schweden verdeutlicht die wachsende Kühnheit krimineller Kreise. Im April klopften in der Stadt Jönköping zwei Personen an die Tür eines Mannes und gaben sich fälschlich als Polizeibeamte aus. Unter Androhung von Gegenständen, die wie Waffen aussahen, warfen sie ihn zu Boden, fesselten seine Hände und entwendeten dann elektronische Geräte, Kleidung und Parfüm aus der Wohnung. Wie SVT Nyheter berichtet, wurden beide inzwischen rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilt.