Während Kroatien sich auf die Feierlichkeiten zum Siegestag vorbereitet, tauchen aus dem Schatten der Geschichte Zahlen auf, die von einem gewaltigen, aber oft nicht ausreichend hervorgehobenen Opfer zeugen. Mehr als 25.000 Frauen nahmen als Verteidigerinnen am Kroatienkrieg teil und machten damit etwa fünf Prozent der gesamten kroatischen Streitkräfte aus. Ihr Beitrag, von der Frontlinie bis zur Logistik und zum Sanitätsdienst, hatte einen hohen Preis: 766 Verteidigerinnen fielen, und fast zweitausend tragen den Status schwerer Kriegsinvaliden.
Ihre bewegenden Zeugnisse teilten die Akademikerin Mirna Šitum, Angehörige der legendären 4. Gardebrigade, und Marija Lišnić, Feldkrankenschwester der 106. Brigade, mit dem HRT. Ihre Geschichten zeichnen nicht nur persönlichen Mut, sondern auch die unauslöschliche Spur, die Frauen bei der Schaffung des modernen kroatischen Staates hinterlassen haben.
Von der Notaufnahme in Split zu den Minenfeldern Südkroatiens
Mirna Šitum trat als junge Ärztin in den Krieg ein und wandte das in der Notaufnahme in Split erworbene Wissen schnell an den schwierigsten Fronten an. Als Kommandantin des Sanitätszuges im Bataillon und später als Leiterin des Sanitätsdienstes der Brigade organisierte sie Feldlazarette entlang der Rückzugslinie in ganz Südkroatien. Ihre Erinnerungen sind nicht an ein einzelnes Ereignis gebunden, sondern an kollektives Leid.
"In mir sind tief die Erinnerungen an jeden Verwundeten gespeichert, der überlebt hat, an Gefallene, die sie aus Minenfeldern geborgen hat, und an Gefangene, die sie nach Austausch empfangen haben", erinnerte sich Šitum. Sie betonte, dass das Opfer nicht nur auf die in Uniform beschränkt war. "Das Opfer der Frauen war gewaltig, nicht nur derer, die an der Front, in der Logistik und im Sanitätsdienst waren, sondern auch der zivilen Frauen, die während des Krieges für Kinder, Alte und Hilfsbedürftige sorgten", hob sie hervor.
Das Überrollen des roten Fićo als Auslöser für den Kriegseintritt
Marija Lišnić wurde durch eine schockierende Szene aus Osijek zur Meldung bei der Nationalgarde bewogen. Am 27. Juni 1991 verließen Panzer der JNA die Weiße Kaserne und überrollten den roten Fićo, ein Symbol des Widerstands. "Wir fühlten Angst, Wut und Ohnmacht. Das war der Auslöser für meine Brüder, mich und viele unserer Freunde. Wir konnten das Unrecht und die ständige Einschüchterung durch die JNA nicht ertragen", erzählte Lišnić.
Im Sanitätsdienst der 106. Brigade durchlief sie nur eine kurze Grundausbildung, bevor sie ins Feld geschickt wurde. Besonders in Erinnerung blieb ihr der Einsatz, um 1991 einen verwundeten Gardisten in Ivanovac zu holen. Sie überquerte ein Feld, das Scharfschützenfeuer ausgesetzt war und sich erst später als vermint herausstellte, und dann bedrohte sie ein bewaffneter Mann, der verlangte, dass sie die Leiche seines gefallenen Kameraden in den Krankenwagen aufnimmt.
Stolz und Erinnerung, die nicht verblasst
Die Feierlichkeiten zum Siegestag wecken bei beiden Gesprächspartnerinnen tiefe Emotionen. Šitum betont Stolz und Freude, aber auch die unvermeidlichen Erinnerungen an die zahlreichen Opfer. Lišnić fasst ihr Gefühl in ihrer Beziehung zum Vaterland zusammen: "Solange ich bei dem Text ‚es ist kein gewöhnlicher Stoff' eine Gänsehaut bekomme, werde ich wissen, dass ich das Richtige getan habe", sagte sie und fügte hinzu, dass sie außerordentlichen Stolz empfinde, Teil der kroatischen Geschichte gewesen zu sein.
Der Kampf um die Erinnerung geht weiter
Damit die Rolle der Frauen würdig festgehalten wird, sammelt der Verband der Verteidigerinnen der Gespanschaft Osijek-Baranja, dessen Vertreterin Lišnić ist, fleißig Daten über gefallene und vermisste Kameradinnen. Nach ihren Erkenntnissen gelten noch 33 Verteidigerinnen als vermisst im Kroatienkrieg. Ihre Mission ist es, sicherzustellen, dass das gewaltige Opfer dieser Frauen niemals in Vergessenheit gerät.