Hajduk hat die neue HNL-Saison mit einer 1:2-Niederlage gegen Varaždin eröffnet, und in den letzten Minuten der Partie vergab Kapitän Marko Livaja einen Strafstoß zum Ausgleich. Seinen Schuss parierte Torhüter Josip Silić, was den nächsten Auswärtsausrutscher der Mannschaft aus Split besiegelte und eine Lawine der Kritik an Trainer Gonzalo Garcia und der Situation im Klub auslöste.
Vejić: Livaja degradiert, Taktik unverständlich
Der ehemalige Hajduk- und kroatische Nationalspieler Hrvoje Vejić nahm in der MAXSport-Sendung Studio SuperSport HNL kein Blatt vor den Mund. Er äußerte sich zur Behandlung von Marko Livaja durch Trainer Garcia.
"Ich sehe nicht, dass Hajduk eine Mannschaft hat, die sich aufraffen wird. Du hast den Kapitän der Mannschaft völlig degradiert. Einen Spieler, der eine absolute Legende des Klubs ist, der Zahlen geliefert hat, die niemand je erreichen wird. Du hast ihn degradiert, weil er ein Stürmer ist, der nicht in die Defensive arbeitet. Schrecklich", sagte Vejić.
Er fügte hinzu, dass er die taktischen Ideen des spanischen Trainers nicht versteht: "Dann stellen wir einen Spieler, der als bester Flügelspieler geholt wurde, als Mittelstürmer auf, weil er gut verteidigt. Für die zentrale Verteidigung holen wir einen Spieler, der super ist, aber nicht verteidigen kann. Den linken Außenverteidiger mit der besten Flanke der Liga stellen wir ins defensive Mittelfeld, wo er keine Ahnung hat, was er tut. Ist das diese Philosophie?"
Dass Hajduks Spiel völlig vorhersehbar ist, bestätigt auch die Tatsache, dass es für Gegner ein "offenes Buch" ist. Ein konkretes Beispiel ist der linke Außenverteidiger Hrgović, der sich beim Spielaufbau regelmäßig in die Mitte zieht, während die Abwehr mit drei Spielern in der letzten Linie bleibt und alles zu langsam abläuft.
Lončarević und Olivari: "Die Mannschaft existiert nicht"
Im Podcast VAR soba der Sportskih novosti analysierten Trainer Ilija Lončarević und Kommentator Davorin Olivari die Lage in Poljud. Lončarević betonte, dass kein Ausweg aus der Krise zu sehen sei.
"Immer noch ist kein Licht am Ende des Hajduk-Tunnels zu sehen, und ich bin nicht sicher, was die Klubführung überhaupt tut oder ob sie einfach alles treiben lässt. Hajduk steckt seit langem in einer schwierigen und ungewissen Situation, und sie wird sich nicht von selbst verbessern", sagte Lončarević.
Olivari war noch deutlicher: "Gonzalo Garcia wirkt manchmal sehr seltsam auf mich, seine Erklärungen sind alanfordesk. ‚Wenn wir keine dummen Tore kassiert hätten, hätten wir gewonnen.' Ach was. Noch schlimmer ist, dass ich den Eindruck habe, dass Garcia die Mannschaft verloren hat, und alles, was auf dem Platz passiert, ist sein Problem."
Lončarević fuhr fort zum fehlenden Kollektiv: "Die Spieler kämpfen individuell, aber nicht als Mannschaft. Und das bedeutet, dass die Mannschaft nicht existiert. Hajduk hat keine Mannschaft, und es scheint auch keine Kabine zu haben."
Der Fall Livaja und die hohe Abfindung
Er sprach auch die Situation mit dem Kapitän und die Abfindung an, die den Trainer angeblich schützt. "Dieser Fall hätte längst gelöst werden müssen. Livaja ist der beste Spieler und muss spielen oder gehen. Eine solche Situation ist eine zu große Belastung für den Klub", so Lončarević. Er erinnerte auch an Livajas jüngste Botschaft: "Marko hat selbst kürzlich gesagt, dass er als Kapitän entscheiden muss, was passiert, weil das keinen Sinn ergibt."
Lončarević fügte seine Sicht auf Garcias Amtszeit hinzu: "Ich bin kein Mensch, der Ausländer nicht mag, im Gegenteil, Garcia war mir letzten Sommer in den Europapokalspielen sehr positiv, aber wohin sind wir später gekommen. Über eine Entlassung wurde schon in der letzten Saison gesprochen, aber nach allem, was geschrieben wurde, kam es nur wegen der hohen Abfindung von Garcia nicht dazu. Meine Frage ist: Womit hat er eine solche Abfindung verdient, dass er den Klub an den Eiern halten kann?"
Olivari erläuterte seine Aussage über den Verlust der Mannschaft: "Als ich sagte, dass Garcia die Mannschaft verloren hat, meinte ich eher, dass die Spieler nicht wissen, was sie tun sollen, dass der Trainer auf diese Weise die Fäden verloren hat."
Desaströse Auswärtsbilanz
Hajduks Problem auswärts ist besonders alarmierend. Seit Garcias Amtszeit hat die Mannschaft 48 Spiele bestritten, mit 25 Siegen, 10 Unentschieden und 13 Niederlagen. In 26 Auswärtsspielen gab es jedoch nur 10 Siege, sieben Unentschieden und sogar neun Niederlagen, wobei man meist gegen schwächere Gegner wie Zira, die unterklassige Cibalia, Vukovar und Osijek gewann.
Im Jahr 2026 ist die Bilanz noch düsterer: In 13 Spielen gab es nur drei Siege (gegen Osijek, Vukovar und Istra), vier Unentschieden und sechs Niederlagen. In dieser Saison wurden alle drei Auswärtsspiele verloren, gegen Žilina, Pafos und Varaždin, mit acht Gegentoren.
Das Paradoxon ist, dass Hajduk in Poljud, wo sie im Schnitt 20.000 Zuschauer sehen, besser aussieht. Dort besiegten sie sowohl Žilina als auch Pafos mit 2:0. "Wenn sie in Poljud diese Gegner dominieren können, warum gelingt ihnen nicht zumindest etwas Ähnliches in den Rückspielen?", ist die Frage, die sich stellt.
Trainer Garcia hatte in etwas mehr als einem Jahr, mit drei Vorbereitungsphasen und drei Transferperioden, in Zusammenarbeit mit drei verschiedenen Sportdirektoren, die Aufgabe, eine Mannschaft zu formen. Doch auswärts fehlen Aggressivität, Laufstärke und Abschlussqualität, und das Spiel reduziert sich auf fruchtlosen Ballbesitz und langsame Angriffe, die Gegner leicht mit Kontern bestrafen. Das nächste Auswärtsspiel führt sie zum Trainer von Žalgiris, Andrius Skerli, was ein neuer Test für das angeknackste Selbstvertrauen sein wird.