Auch drei Jahrzehnte nach der militärisch-polizeilichen Operation 'Oluja' reißen die Narrative darüber nicht ab. Während sie auf der einen Seite beharrlich von Milorad Dodik, Aleksandar Vučić und der Belgrader Propagandamaschinerie wiederholt werden, entsteht das Problem, wie der Autor Slaven Raguž in seiner Kolumne auf dem Portal Crodex.net schreibt, wenn diese Konstruktionen auch von einzelnen Medien und öffentlichen Amtsträgern in Kroatien übernommen werden. Sie bezeichnen dann die kroatische Befreiungsoperation als 'Aggression der kroatischen Armee und des Kroatischen Verteidigungsrates', und den organisierten Rückzug stellen sie als 'Vertreibung von 250.000 Zivilisten' dar.
Raguž betont, dass es heute, anders als zu Zeiten Jugoslawiens, Dokumente, Zeugen, Befehle, Aufnahmen und Aussagen der serbischen Militär- und Politfunktionäre selbst gibt, die eine andere Wahrheit bezeugen. 'Ja, der Abzug der Bevölkerung und der Armee war geplant. Aber nicht in Zagreb, sondern in den Strukturen der aufständischen Serben und Belgrads!', betont der Autor.
Zeugnisse von der anderen Seite
Als entscheidende Beweise führt er Dokumente und Aussagen von Momčilo Perišić, dem damaligen Chef des Generalstabs der Jugoslawischen Armee, an. Diese wurden von Milislav Sekulić, einem General der Armee der sogenannten SAO Krajina und Autor des Buches mit dem bezeichnenden Titel 'Knin fiel in Belgrad', zitiert. Diesen Quellen zufolge waren die wahren Gründe für die Entscheidung zum Rückzug Massendesertionen, Befehlsverweigerung sowie Soldaten, die ihre Uniformen auszogen und sich in Zivilkleidung umzogen, weil sie nicht kämpfen wollten.
Besonders entlarvend ist die Aussage von Slobodan Milošević, der in einem Interview mit der Agentur AP auf die Vorwürfe, warum er die Armee der Republika Srpska nicht geschickt habe, antwortete: 'Ihr werdet fliehen, und ich werde Kinder schicken, die eure Flüchtlinge aufgenommen haben, um vor euren Häusern zu sterben.'
Mythen können den Charakter der 'Oluja' nicht auslöschen
Der Autor des Textes erinnert daran, dass die Anklagebehörde in Den Haag nicht in der Lage war, die Existenz eines gemeinsamen kriminellen Unternehmens, also eines kroatischen Plans zur ethnischen Säuberung, nachzuweisen. 'Es gab keinen 'Pogrom'. Es gab den Zusammenbruch eines Parastaates, der durch Aufstand, Vertreibung der nichtserbischen Bevölkerung und Besetzung kroatischen Territoriums geschaffen wurde', schreibt Raguž.
Er kommt zu dem Schluss, dass die serbische Armee militärisch besiegt wurde und Knin nicht 'gesäubert', sondern befreit wurde. 'Die Oluja war ein Sieg. Kroatien war das Opfer von Aggression. Und die Niederlage der großserbischen Politik wird nicht zum Sieg, nur weil die Lüge 250.000 Mal wiederholt wird', heißt es in dem am 4. August 2026 veröffentlichten Text.