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Mindestens 72 Tote bei Massenansturm in Ceuta

Humanitäre Krise in der spanischen Enklave löst politische Erschütterungen in Europa aus, unter den Migranten befinden sich auch sudanesische Kindersoldaten, die von kolumbianischen Söldnern ausgebildet wurden

Foto: Telegram
Kurz gesagt
  • Mindestens 72 Migranten starben beim Massengrenzübertritt in die spanische Enklave Ceuta am 30. und 31. Juli 2026.
  • Schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten, überwiegend junge Männer, überrannten Ceuta und erhöhten die Bevölkerung vorübergehend um mehr als die Hälfte.
  • Unter den Migranten befinden sich auch Sudanesen, die vor dem Krieg fliehen, darunter Kindersoldaten, die von kolumbianischen Söldnern im Zusammenhang mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgebildet wurden.
  • Die Krise hat politische Konflikte in Spanien ausgelöst, und die USA haben die Reisewarnung für Ceuta auf Stufe 3 angehoben.

Bei einem chaotischen Versuch eines Massengrenzübertritts in die spanische Enklave Ceuta sind mindestens 72 Migranten ums Leben gekommen. Die jüngste europäische Grenzkrise hat sich damit zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Die spanischen Behörden haben am Sonntag, dem 2. August 2026, die Suche nach weiteren Opfern in den Gewässern vor Ceuta fortgesetzt, nachdem schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten, überwiegend junge Männer, das kleine spanische Territorium in Nordafrika überrannt hatten, wie Fox News berichtet.

Nach Angaben von Beamten ertranken viele Opfer während der Überfahrt, andere starben bei einem Massenansturm in der Nähe des Wellenbrechers. Der Massenübertritt erfolgte über mehrere Tage und erhöhte die Bevölkerung von Ceuta, die normalerweise etwa 84.000 Einwohner zählt, vorübergehend um mehr als die Hälfte. Bis Sonntag waren viele Migranten ins benachbarte Marokko zurückgekehrt, während andere in der Stadt blieben oder versuchten, den Behörden zu entgehen.

Politische Spannungen und Reaktionen

Die Todesfälle haben den politischen Kampf um die Einwanderung in Spanien und ganz Europa intensiviert. Der Führer der spanischen nationalistischen Partei Vox, Santiago Abascal, besuchte Ceuta am Samstag, dem 1. August 2026, und kritisierte die Regierung scharf, indem er den Zustrom von Migranten als "Invasion" bezeichnete und den Behörden vorwarf, die Grenzen des Landes nicht geschützt zu haben. Am selben Tag sah sich der Europaparlamentarier Alvise Pérez bei einer Kundgebung in Ceuta wütenden Demonstranten gegenüber und flüchtete sich in eine nahe gelegene Bar, bevor er von der Polizei evakuiert wurde.

Das US-Außenministerium hat am Samstag, dem 1. August 2026, die Reisewarnung für Ceuta auf Stufe 3 angehoben: "Überdenken Sie Ihre Reise", mit dem Hinweis, dass "der massive und unkontrollierte Zustrom von Migranten aus Marokko nach Ceuta zu unvorhersehbaren und gefährlichen Sicherheitslagen führen kann".

Augenzeugenberichte

Während die politische Debatte eskaliert, zeigen sich die Einheimischen betroffen über den Verlust von Menschenleben. "Es schmerzt mich zutiefst, dass junge Menschen auf dem Meer sterben. Es ist nicht in Ordnung, dass im Jahr 2026 Frauen mit zwei Monate alten Kindern das Meer überqueren, nur um zu sterben", sagte Karima Abenaz, eine französische Staatsbürgerin in Ceuta mit Familie in Marokko, gegenüber Reuters. Sie fügte hinzu: "In Marokko gibt es Essen, es gibt alles, was wir brauchen. Wenn wir keinen anständigen Job haben, sollten wir streiken und unsere Rechte von der Regierung einfordern. Wir sollten nicht auf dem Meer sterben. Das ist nicht in Ordnung."

Mohamad Abdelkader Driss, ein Kellner in Ceuta, sagte der Associated Press, die Schuld liege bei den Behörden: "Wenn man die Grenze öffnet, kommen natürlich alle herein, aber die jungen Männer sind nicht schuld. Die Behörden sind verantwortlich." Unter den Migranten, die sich am Sonntag, dem 2. August, am Stadtstrand von Ceuta versammelten, herrschen schwierige Bedingungen. "Wir sind sehr müde. Essen und Schlafen ist hier sehr schwer. Sie sehen, wie die Situation ist", erklärte Cesse Aliou, ein Migrant aus dem Senegal, während die spanische Armee Wasser verteilte.

Odyssee aus dem Sudan: 6.400 Kilometer bis Europa

Unter den Tausenden von Migranten befinden sich auch solche, die Tausende von Kilometern zurückgelegt haben, um vor dem Krieg zu fliehen. Amadou Abdulkarim, ein 22-jähriger Migrant aus der sudanesischen Region Darfur, legte 6.400 Kilometer bis nach Ceuta zurück. Er reiste zwei Jahre lang durch den Tschad, Niger, die Sahara-Wüste, Mali und Mauretanien, bevor er Marokko erreichte. Am vergangenen Wochenende schwamm er vom Strand von Castillejos nach Ceuta, wobei er sich an einer schwarzen Boje festhielt. Er brauchte fünf Stunden für eine Strecke, die zu Fuß zehn Minuten gedauert hätte, wie El Mundo berichtet.

"Das Leben in meinem Land hat keinen Sinn mehr. Das ist kein Leben. Sie töten uns, wir sterben vor Hunger...", sagte Amadou gegenüber El Mundo. "Es gibt Krieg. Es gibt sehr viel Unsicherheit. Frauen werden vergewaltigt. Wir Jungen werden zwangsweise in den Kampf geführt. Was konnte ich tun? Ich wusste, dass ich auf dem Weg sterben könnte. Aber es war mir egal. Dort war es wahrscheinlicher, denke ich."

Kindersoldaten und kolumbianische Söldner

Der Krieg im Sudan, der seit April 2023 andauert, brach wegen Meinungsverschiedenheiten über die Integration der paramilitärischen Schnellen Eingreiftruppe (RSF) in die nationale Armee während des politischen Übergangs nach dem Sturz von Präsident Omar al-Baschir durch einen Putsch im Jahr 2019 aus. Schätzungsweise 11 bis 12 Millionen Menschen sind aus ihren Häusern geflohen. Laut einer Untersuchung der Nachrichtenagentur Associated Press, die von El Mundo zitiert wird, wurden Dutzende Tausende Kinder von allen Kriegsparteien rekrutiert.

Ein Junge, heute 17 Jahre alt, erzählte, wie er im Alter von 15 Jahren von RSF-Kämpfern auf einem Markt in Omdurman gefangen genommen wurde, wo er Zigaretten verkaufte. Sie fesselten ihn mit Ketten an eine Flugabwehrkanone, die auf einem Pickup montiert war, während sudanesische Kampfflugzeuge angriffen. "Ich hatte sehr viel Angst. Ich wollte nur fliehen und nach Hause gehen", sagte der Junge weinend während des Interviews und fügte hinzu, dass diejenigen, die ihn gefesselt hatten, kolumbianische Söldner waren, die die RSF militärisch unterstützen.

"Es war uns nicht erlaubt zu baden. Stattdessen übergossen sie uns mit Wasser, während wir gefesselt blieben", erzählte er. "Wenn die Flugzeuge [das Gebiet] überflogen, zogen sich die Kolumbianer in ihre Bunker zurück und ließen uns draußen an die Fahrzeuge gefesselt zurück." Laut dem Bericht hat ein mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbundenes Unternehmen diese Söldner rekrutiert, und die UN hat Waffenlieferungen der Golf-Föderation an die RSF verfolgt. Die VAE haben diese Vorwürfe dementiert.

Die Zahl der Toten bleibt umstritten

Obwohl die meisten Quellen, einschließlich Fox News und Klix.ba, mindestens 72 Tote nennen, erwähnte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska eine Zahl von 67 Toten. Die marokkanischen Behörden gaben am Sonntag, dem 2. August, eine Erklärung ab, in der sie kriminelle Banden, die Menschenschmuggel betreiben, und Desinformation für den Massenübertritt verantwortlich machen. "Dies geschieht wegen krimineller Banden, die mit Menschen handeln und extreme Verletzlichkeit ausnutzen", erklärte Minister Grande-Marlaska.

Während die humanitäre Krise eskaliert und die politischen Spannungen zunehmen, bleibt das Schicksal der Tausenden von Migranten, die vor dem überfüllten Aufnahmezentrum CETI in Ceuta warten, wo Amadou auf Platz 359 der Warteliste stand, ungewiss.

Häufige Fragen
Wie viele Migranten starben bei dem Massenansturm in Ceuta? +
Die meisten Quellen nennen mindestens 72 Tote, während der spanische Innenminister eine Zahl von 67 erwähnt. Viele ertranken oder starben bei dem Massenansturm.
Wie sind die sudanesischen Migranten nach Ceuta gelangt? +
Sudanesische Migranten wie Amadou Abdulkarim reisten zwei bis drei Jahre durch mehrere afrikanische Länder (Tschad, Niger, Mali, Mauretanien) und die Sahara-Wüste und schwammen dann vom marokkanischen Strand Castillejos nach Ceuta.
Wer sind die kolumbianischen Söldner im Sudan? +
Laut einer Untersuchung der Associated Press wurden kolumbianische Söldner von einem mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbundenen Unternehmen rekrutiert, um die Schnellen Eingreiftruppen (RSF) im Sudan militärisch zu unterstützen, einschließlich der Ausbildung von Kindersoldaten.
Wie ist die aktuelle Lage in Ceuta nach der Migrantenwelle? +
Bis Sonntag waren viele Migranten nach Marokko zurückgekehrt, während andere in der Stadt blieben. Das US-Außenministerium hat die Reisewarnung auf Stufe 3 angehoben, und die politischen Spannungen in Spanien und Europa haben zugenommen.

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