Neverin erobert die Region mit 200.000 monatlichen Nutzern
Kroatische Wetter-App gewinnt in drei Wochen über 1.000 Premium-Abonnenten, Gründer Alen Šterpin verrät, wie künstliche Intelligenz das Spiel verändert.
Kroatische Wetter-App gewinnt in drei Wochen über 1.000 Premium-Abonnenten, Gründer Alen Šterpin verrät, wie künstliche Intelligenz das Spiel verändert.
Vor fünf Jahren lernte die Öffentlichkeit einen Physikprofessor kennen, der in seiner Freizeit eine eigene Wetter-App entwickelte. Heute ist dieses Projekt namens Neverin zu einem respektablen Technologieunternehmen herangewachsen. Monatlich nutzen es über 200.000 Menschen, und mit der neu eingeführten Premium-Mitgliedschaft und dem klaren Ziel, eine regionale Autorität für detaillierte Wettervorhersagen zu werden, ist vom Hobby nur noch die ursprüngliche Idee geblieben.
Alen Šterpin, Gründer und wissenschaftlicher Direktor bei Climativ (einem Tool zur Bewertung von Klimarisiken), hat systematisch an der Entwicklung gearbeitet. "Die App musste stabilisiert werden, eine Follower-Basis in den sozialen Medien aufgebaut und das Vertrauen der Nutzer gewonnen werden", erklärt er. Der entscheidende technische Durchbruch war die vollständige Rekonstruktion des Prognose-Engines.
Neverin verlässt sich nicht mehr auf eine einzige Informationsquelle. In Echtzeit verarbeitet es globale Wettermodelle wie ECMWF, ICON, ARPEGE und GFS und kombiniert sie mit Daten zu Wellen, Luftqualität, Pollenkonzentration und Radarbildern von Niederschlägen.
"Es wurde ein System entwickelt, das 10 verschiedene Prognosemodelle zu einem 'intelligenten gewichteten Durchschnitt' zusammenführt. Die Vorhersage wird dabei sofort aktualisiert, sobald die neuesten Daten jedes Modells eintreffen, im Durchschnitt etwa stündlich", sagte Šterpin gegenüber Netokracija. "Wir übernehmen mehr als 100 einzelne Radarquellen von nationalen Wetterdiensten und erstellen alle fünf Minuten ein Kompositbild und eine Radarvorhersage, also eine Darstellung der Niederschlagsbewegung in der Zukunft."
Die Einführung der Bezahlung hat sich als hervorragender Schritt erwiesen. "In nur drei Wochen nach dem Start der Premium-Version haben über 1.000 Nutzer ein Konto eröffnet, das ist die beste Bestätigung für das große Interesse", betont Šterpin. Unter den Abonnenten sind vor allem Segler, Landwirte, Fischer und Bergsteiger, also alle, deren Entscheidungen direkt vom Wetter abhängen.
Auch kommunale Unternehmen haben Interesse an der App gezeigt. "Das sind Situationen, in denen ein verpasster Tag viel mehr kostet als ein Jahresabonnement, daher zahlt sich Premium schnell aus", erklärt der Neverin-Gründer.
Obwohl die meisten Abonnenten aus Kroatien kommen, verzeichnet die App auch in den Nachbarländern ein Wachstum, insbesondere in Slowenien, Österreich und der Schweiz. Sie ist auf Slowenisch, Italienisch, Deutsch, Englisch und Tschechisch verfügbar. "Nutzer werden genau von dem Detailgrad angezogen, der uns von großen globalen Apps unterscheidet. Die ersten Bewertungen aus dem Ausland loben besonders, dass in einer App mehrere verschiedene Datenschichten integriert sind", sagt Šterpin.
Ein bedeutender Teil der ausländischen Nutzer sind Segler und Immobilienbesitzer an der Adria, die Neverin für die Planung ihres Aufenthalts in Kroatien nutzen. "Wir kombinieren das europäische Radar zu einem Gesamtbild, erstellen hochwertiges Nowcasting und zeigen, was entscheidend ist, echte Messungen von Stationen an, nicht modellierte Werte, die oft als aktueller Zustand verkauft werden. Für jemanden, der auf der Adria segelt oder das Wetter einfach ernsthaft verfolgt, ist dieser Unterschied erheblich."
Im Hintergrund steht eine Cloud-Infrastruktur, die Millionen von Datensätzen verarbeitet. Die zukünftige Entwicklung wird stark auf künstlicher Intelligenz basieren. "Wir entwickeln ein eigenes fortschrittliches System, das in Echtzeit alle Modelle, ihre Fehler und Abweichungen überwacht, sie mit dem tatsächlichen Zustand vergleicht und automatisch Korrekturen und Verbesserungen vornimmt. Genau die künstliche Intelligenz wird die größte Rolle bei der weiteren Steigerung der Prognosegenauigkeit spielen", verrät der Gründer.
Šterpins Ambition ist klar: Er möchte nicht, dass Neverin für immer ein Projekt bleibt, das eine Person allein trägt. Er plant die Entwicklung spezialisierter Vorhersagen für Landwirtschaft, Schifffahrt und Gesundheit sowie den schrittweisen Aufbau eines eigenen Entwicklungsteams. "Ich möchte, dass Neverin zu einem ernsthaften regionalen Produkt für alle wird, für die das Wetter nicht nebensächlich ist. Angesichts immer häufigerer Wetterextreme und des Klimawandels ist die Vorhersage nicht nur ein Gesprächsthema, sondern etwas, von dem Pläne, Arbeit und Sicherheit abhängen", schließt er.