Montenegros Premierminister Milojko Spajić hat am Dienstag die Möglichkeit entschieden zurückgewiesen, dass auf dem Territorium seines Landes Zentren zur Aufnahme illegaler Migranten gebaut werden. Er reagierte, nachdem Medien in Podgorica über den Bericht der italienischen Agentur ANSA über eine vorläufige Liste von Ländern berichtet hatten, in denen die Europäische Union solche Einrichtungen gründen könnte.
Spajić erklärte auf der Social-Media-Plattform X, dass Montenegro keine Verhandlungen zu diesem Thema geführt habe. "Montenegro hat keine Verhandlungen über die Einrichtung solcher Zentren auf seinem Territorium geführt, und die Regierung hat auch keine offizielle Initiative zu deren Eröffnung erhalten. Wenn eine solche Initiative auf den Tisch kommt, wird unsere Antwort negativ sein", schrieb der Premierminister.
"Albanisches Modell" wird auf rund zehn Länder ausgeweitet
Laut ANSA, die sich auf diplomatische Quellen beruft, soll der italienische Innenminister Matteo Piantedosi den Plan seinen Kollegen aus den EU-Mitgliedstaaten bei einem außerordentlichen Treffen vorstellen. Die wichtigste Neuigkeit ist, dass die neuen Zentren, anders als das bestehende Abkommen zwischen Rom und Tirana, direkt aus europäischen Fonds und dem gemeinsamen Haushalt der Union finanziert werden sollen.
Neben Montenegro standen auch Tunesien, Libyen, Ägypten, Ruanda, Ghana, Senegal, Mauretanien, Uganda, Usbekistan, Armenien und Äthiopien auf der Liste potenzieller Standorte für die Unterbringung und Bearbeitung von Migrantendokumenten.
Auslöser in Ceuta
Anlass für die außerordentliche Reaktion und die beschleunigte Planung war die dramatische Lage in der spanischen nordafrikanischen Enklave Ceuta, wo etwa 50.000 Migranten einreisten. Bei dieser Welle kamen mehrere Dutzend Menschen ums Leben.
Spajić betonte trotz der Ablehnung, dass sein Land ein verlässlicher Partner der Europäischen Union bleibe. "Allerdings wird jede Entscheidung, die unseren Staat betrifft, verantwortungsvoll, transparent und ausschließlich im Interesse der Bürger Montenegros getroffen", sagte der Premierminister.