Die französischen Behörden haben bestätigt, dass Ende Juli in Algerien Mehdi Laribi festgenommen wurde, ein 36-Jähriger, der als einer der Gründer und Schlüsselfiguren der berüchtigten kriminellen Organisation "DZ-Mafia" gilt. Die Nachricht wurde zuerst von der französischen Zeitung Le Figaro veröffentlicht und von Jutarnji list unter Berufung auf französische Justizkreise übernommen. Laribi, der sowohl die französische als auch die algerische Staatsbürgerschaft besitzt, war jahrelang auf der Flucht, bevor er aufgrund eines französischen Haftbefehls festgenommen und unter justizielle Aufsicht gestellt wurde.
Der französische Justizminister Gérald Darmanin begrüßte die Festnahme auf der Plattform X und dankte den algerischen Behörden für die Zusammenarbeit mit der Nationalen Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (PNACO) und der Staatsanwaltschaft in Marseille. Da Algerien jedoch traditionell keine eigenen Staatsbürger ausliefert, hängt das weitere Vorgehen gegen Laribi von der diplomatischen und justiziellen Zusammenarbeit der beiden Länder ab, deren Beziehungen derzeit angespannt sind.
Ermittlungen "Octopus" und große Polizeiaktion
Der Haftbefehl gegen Laribi wurde im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen mit dem Codenamen "Octopus" erlassen, die von der Spezialisierten interregionalen Justizbehörde (JIRS) in Marseille geführt werden. Diese Stadt ist seit Jahren die wichtigste Hochburg der DZ-Mafia. Im Rahmen derselben Ermittlungen wurde im März 2026 eine große Polizeiaktion im Süden Frankreichs durchgeführt, an der rund 900 Gendarmen beteiligt waren. Dabei wurden etwa vierzig Personen festgenommen, und unter den 26 Angeklagten befinden sich auch andere mutmaßliche Anführer der Gruppe, Amine Oualane und Gabriel Ory. Beide waren bereits vor ihrer Festnahme inhaftiert, von wo aus sie laut Ermittlern ungehindert die kriminellen Geschäfte führten.
Blutiger Aufstieg in 18 Monaten
Obwohl sie der Polizei bis 2023 völlig unbekannt war, vollzog die DZ-Mafia in nur 18 Monaten einen erschreckenden Aufstieg und übernahm die Vorherrschaft im Untergrund von Marseille in einem brutalen Krieg gegen die rivalisierende Bande namens Yoda. Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass diese Gruppe für bis zu 80 Prozent der insgesamt 49 drogenbedingten Morde verantwortlich ist, die in diesem Jahr in Marseille verübt wurden.
Der Rückgang der Mordzahlen im Jahr 2024 ist nicht auf eine Beruhigung der Lage zurückzuführen, sondern darauf, dass die DZ-Mafia eine fast vollständige Dominanz etabliert hat. Danach erweiterte sie ihr Geschäft laut Jutarnji list vom Drogenhandel auf Erpressung und Schutzgelderpressung von Nachtclubs, Geschäften und sogar Rappern. Polizeigewerkschaften betonen, dass die Brutalität dieser Bande die historischen Marseille-Banden, einschließlich der aus dem Film "French Connection" bekannten, bei weitem übertroffen hat.
Rekrutierung von Teenagern und Angriff des Jahrhunderts
Die Organisation stützt sich auf die Rekrutierung in den armen, marginalisierten Vierteln im Norden von Marseille. Über soziale Netzwerke werden Teenager mit Tagesgeldern von 100 Euro gelockt, und diejenigen, die sich als am brutalsten erweisen, steigen schnell zu bezahlten Killern auf, die für einzelne Aufträge Tausende von Euro verdienen.
Die Weltöffentlichkeit erfuhr im Mai 2024 von der Brutalität des Untergrunds von Marseille, als bewaffnete Angreifer einen Gefangenentransporter überfielen, zwei Wärter töteten und den gefährlichen Verbrecher Mohamed Amra, bekannt unter dem Spitznamen Die Fliege, befreiten. Die DZ-Mafia agiert auch aus dem Gefängnis heraus, indem sie Beamte und deren Familien bedroht, um das Einschmuggeln von Handys zu erzwingen, was es inhaftierten Anführern ermöglicht, ihren Leuten auf der Straße ungehindert Befehle zu erteilen.
Diplomatisches Spiel im Hintergrund
Die Festnahme von Laribi ist nicht nur ein polizeilicher, sondern auch ein diplomatischer Erfolg. Minister Darmanin hatte Algerien bereits im Mai 2026 besucht, um eine gemeinsame Bekämpfung der DZ-Mafia zu vereinbaren. Die französische Justiz hat bisher etwa zehn Rechtshilfeersuchen an nordafrikanische Staaten gerichtet, die sich auf die Anführer dieser Gruppe beziehen. Nun wird das Schicksal des mutmaßlichen Chefs davon abhängen, ob Algerien bereit ist, die Zusammenarbeit mit Paris fortzusetzen.