Ukrainisches Flugzeug in Leipzig war mit Munition beladen
Deutsche Ermittler enthüllen neue Details zum Sicherheitsvorfall am Flughafen Leipzig/Halle, der den Flugverkehr vorübergehend zum Erliegen brachte.
Deutsche Ermittler enthüllen neue Details zum Sicherheitsvorfall am Flughafen Leipzig/Halle, der den Flugverkehr vorübergehend zum Erliegen brachte.
Ein ukrainisches Frachtflugzeug vom Typ Antonow, in dessen Nähe am Dienstag am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder entdeckt wurde, war mit Munition beladen. Diese Information veröffentlichten die deutschen Medien WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf einen vertraulichen Polizeibericht.
Laut diesem Bericht transportierte eine der Antonow-Maschinen, neben der die Drohne gefunden wurde, Munition. Diese wurde, wie es scheint, kurz vor dem Vorfall aus Frankreich nach Leipzig gebracht und war wahrscheinlich für den Weitertransport bestimmt. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als wichtiger Logistikknotenpunkt für militärische Operationen, und die Ukraine nutzt ihn seit Beginn der russischen Invasion als alternativen Standort für den Transport von Militärgütern.
Die Rekonstruktion der Ereignisse zeigt ein besorgniserregendes Sicherheitsversagen. Flughafenmitarbeiter bemerkten die Drohne erst um 23:42 Uhr, als sie "über dem Boden zwischen zwei Antonow-Frachtflugzeugen schwebte". Danach kam es zu einem "Kontakt zwischen der Drohne und einem Mitarbeiter", woraufhin das Fluggerät zu Boden fiel. Die Auswertung der Überwachungskameraaufnahmen ergab später, dass die Drohne bereits um 19:28 Uhr von der Südseite in den Flughafen eingeflogen war und auf einem Parkplatz gelandet war. Das am Flughafen vorhandene Drohnenabwehrsystem hatte das Gerät zuvor nicht erkannt.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte am Mittwochabend, dass die Täter die Drohne wahrscheinlich modifiziert hätten, um gezielt die Schutzsysteme zu umgehen. An der Drohne war ein Paket Sprengstoff in Faustgröße befestigt, und zahlreiche Substanzanalysen deuten darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um Semtex handelt, einen Sprengstoff, der für militärische und industrielle Zwecke verwendet wird. Beamte des Landeskriminalamts Sachsen (LKA Sachsen) konnten den Zünder entfernen, um die weitere Untersuchung des Fluggeräts zu ermöglichen.
Der Vorfall verursachte auch zusätzliche Komplikationen. Nach der Entdeckung der verdächtigen Drohne wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt. Ein Frachtflugzeug der Firma DHL, das aus Marseille kam, musste erneut starten. Nach internen Berichten kollidierte dieses Flugzeug in der Nähe des Flughafenzauns mit einem nicht identifizierten Objekt bei einer Geschwindigkeit von etwa 500 km/h. Es besteht der Verdacht, dass es sich um eine weitere Drohne handelte. Das Flugzeug, von dem die Ermittler glauben, dass es Gefahrgut transportierte, konnte den Flug fortsetzen und wurde zum Flughafen Hannover umgeleitet. Am vorderen Teil des Flugzeugs wurden Schäden festgestellt, und die Besatzungsmitglieder wurden bereits vernommen.
Das deutsche Verteidigungsministerium teilte mit, dass es zu dieser Zeit keine militärischen Transportoperationen der Bundeswehr am Flughafen gab. Die Ermittlungen konzentrieren sich weiterhin in erster Linie auf die Drohne mit dem Sprengstoff, und das DHL-Flugzeug soll einer zusätzlichen forensischen Analyse unterzogen werden, einschließlich der Auswertung der Flugschreiber. Die NATO bestätigte gegenüber den Medien, dass sie über den Vorfall informiert ist.