Anlässlich des 31. Jahrestags der Militäroperation 'Oluja' hat der serbische Präsident Aleksandar Vučić die Berichterstattung des Senders N1 scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, direkt gegen die Interessen des serbischen Volkes zu handeln. Vučić äußerte sich während seines Aufenthalts in der Republika Srpska, wo er in Mrkonjić Grad an der Gedenkfeier für die Opfer und Vertriebenen teilnehmen wird.
'Eine Fälschung ist immer schlimmer als das Original'
In einer Stellungnahme gegenüber TV Informer kommentierte Vučić einen N1-Artikel, in dem behauptet wird, die während der 'Oluja' begangenen Verbrechen seien die Verantwortung aller, und weder Belgrad noch Zagreb seien an deren Aufarbeitung interessiert. "Das ist von Anfang an ein direktes Handeln gegen die Interessen des serbischen Volkes. Eine Fälschung ist immer schlimmer als das Original", sagte Vučić.
Der serbische Präsident behauptete, dass diejenigen, die "in kroatischen Medien gedient haben, um deren Propaganda zu verbreiten", dies auf noch brutalere Weise getan hätten. "Das haben sie von uns verlangt, dass wir uns dafür entschuldigen, dass sie uns getötet haben. Sie haben Hunderttausende Menschen vertrieben und getötet", betonte er.
Vorwürfe gegen die USA und die 'falsche Elite'
In seiner Ansprache erwähnte Vučić auch die Rolle des damaligen US-Botschafters, von dem er sagte, er sei "auf einen Panzer gestiegen, um zu zeigen, wer der Vater der Operation war". Er sprach auch von "Kristallnächten" in den Städten und behauptete, die "Blüte des serbischen Volkes" sei vernichtet worden, während eine "falsche Elite, bereit, der kroatischen Elite zu dienen", zurückgelassen worden sei. Als Beispiel nannte er General Uzelac, den er als "schlimmeren Ustascha als die schlimmsten Kroaten" bezeichnete.
Er fügte hinzu, dass es für Serbien wichtig sei, Frieden und gute Beziehungen zu Kroatien zu haben, aber nicht auf die Weise, wie sie in Zagreb vorgestellt werde. "Dass sie die Bedingungen diktieren und wir tanzen und singen, wie sie es uns sagen. Und dass wir ihren Interessen zuhören und dienen müssen. Wir haben unsere eigenen Interessen", sagte er.
Konflikt der Narrative im Vorfeld der Wahlen
Der Journalist Đorđe Vlajić von N1 Serbien erklärte, dass auch 31 Jahre nach der Operation 'Oluja' die Kriegsgeschichte weitergehe, jedoch auf andere Weise, durch die Gegenüberstellung von Narrativen. Die kroatische Seite feiere das Ereignis als Sieg, während die serbische Seite von Opfern und Leid spreche. Vlajić ist der Ansicht, dass Präsident Vučić angesichts der bevorstehenden Wahlen in Serbien dieses Narrativ verstärke und versuche, es zu kapitalisieren, um seine Wählerbasis in der Frage des serbischen Leids in Kroatien zu homogenisieren.
Nach Angaben von N1 Serbien wurden während der Operation 'Oluja' vom 4. bis 7. August 1995 mehr als 200.000 Serben aus der Republik Serbische Krajina vertrieben.