Hajduk befindet sich zu Beginn der neuen Saison in einer misslichen Lage. Nach dem Ausscheiden gegen das zyprische Pafos mit insgesamt 2:4 in der Qualifikation zur Europa League folgte eine 1:2-Niederlage bei Varaždin im ersten Spiel der heimischen Meisterschaft. Über die Lage auf Poljud und die Probleme, die die Mannschaft von Trainer Gonzalo Garcia plagen, sprach Zoran Vulić, legendärer Spieler und ehemaliger Trainer von Hajduk, der den Klub aus Split fünfmal betreute, mit Tportal.
Billige Tore und eine schwache erste Halbzeit
Vulić war mit dem Gesehenen in Varaždin nicht zufrieden, besonders in den ersten 45 Minuten. "Das Ergebnis in Varaždin war nicht das, was wir erwartet hatten. Hajduk hatte seine Chancen, und ich denke, ein Unentschieden wäre das realistischste Ergebnis gewesen, aber am Ende blieb man ohne Punkte", sagte Vulić. Er fügte hinzu, dass die zweite Halbzeit deutlich interessanter war, aber auch, dass die Gegentore unnötig waren.
"Die erste Halbzeit war sehr schwach, und weder Varaždin noch Hajduk spielten gut. Die zweite Halbzeit war viel interessanter, es gab viele Chancen, aber Hajduk kassierte zu viele billige Tore. Damit möchte ich den Sieg von Varaždin, der ein gutes Spiel machte, nicht schmälern, sondern auf Hajduks Probleme hinweisen. Beide Gegentore hätten verhindert werden können", kritisierte Vulić.
Standardsituationen als Krebsgeschwür der kroatischen Klubs
Besonderen Nachdruck legte er auf die Probleme bei Standardsituationen, einem Spielbereich, der für kroatische Mannschaften zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Er erinnerte daran, dass Varaždin in seinen europäischen Auftritten alle vier Gegentore genau nach Standardsituationen kassierte, während Hajduk gegen Pafos durch den Ausgleichstreffer nach einer Ecke in der Nachspielzeit ausschied.
"Standardsituationen müssen wie jedes andere Spielelement trainiert werden. Im Ausland gibt es Spezialisten, die sich ausschließlich damit beschäftigen, während kroatische Klubs sie oft erst kurz vor dem Spiel üben. Das ist nicht genug. Bei uns ist die Konzentration ein großes Problem, und mir scheint auch, dass gegnerische Mannschaften viel mehr an offensiven Standardsituationen arbeiten", erklärte Vulić.
Debatten über Livaja haben Folgen hinterlassen
Eines der Hauptthemen zum Saisonstart ist auch der Status von Kapitän Marko Livaja, der gegen Varaždin zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an spielte. Vulić glaubt, dass die ständigen Diskussionen über seine Rolle und die medialen Nachfragen sowohl beim Spieler selbst als auch bei der gesamten Mannschaft Spuren hinterlassen haben.
"Alles, was um Livaja herum passiert ist, hat sich sicherlich auf ihn ausgewirkt, aber auch auf die Ergebnisse. Livaja kann in seiner besten Form ein Spiel allein entscheiden, denn er hat große Qualität, aber momentan ist er nicht auf diesem Niveau. Wahrscheinlich haben auch die ständigen medialen Nachfragen Folgen hinterlassen", sagte Vulić. Er betonte jedoch auch, dass Hajduk nicht nur aus einem Spieler besteht. "Ein Stürmer ist von den Mittelfeldspielern abhängig, und auch sie haben ihm nicht genug geholfen. Livaja wird in dieser Mannschaft immer gebraucht, und ich bin überzeugt, dass alle Diskussionen aufhören werden, wenn er wieder in Form kommt. Dann wird auch Hajduk sofort besser, qualitativ hochwertiger und konkurrenzfähiger aussehen."
Favorit gegen Žalgiris, aber mit großer Vorsicht
Vor Hajduk liegt nun das Duell gegen das litauische Žalgiris, in dem die Mannschaft aus Split die Favoritenrolle innehat. Vulić warnt jedoch davor, über die erste Hürde hinauszublicken. "Vor zwanzig Jahren hätten wir uns nur gefragt, ob Hajduk drei oder vier Tore schießen würde, aber heute ist die Situation nicht so. Es gibt ein Sprichwort: 'Wer von einer Schlange gebissen wurde, fürchtet sich vor einer Eidechse.' Hajduk ist nach zwei Niederlagen in Folge verunsichert, und es wird sicherlich nicht einfach", so Vulić.
Er hält die Reaktion der Mannschaft in den kommenden Spielen für entscheidend. "Das Wichtigste ist, dass sich die Spieler zusammenraufen, Zusammenhalt zeigen und bestätigen, dass sie in diesen 90 bzw. 180 Minuten die bessere Mannschaft sind. Die Qualität haben sie, aber alles liegt in ihren Füßen. Ein günstiges Los ist jetzt nicht wichtig. Zuerst muss Žalgiris überwunden werden, und erst dann kann man über den nächsten Gegner nachdenken. Hajduk ist in Europa noch im Rennen, die Form sollte sich steigern, und alles hängt von ihnen ab", schloss Vulić.