Es ist genau 30 Jahre her, seit Kroatien zum ersten Mal in seiner Geschichte olympisches Gold gewann. Die Handballnationalmannschaft unter der Leitung des verstorbenen Trainers Velimir Kljaić vollbrachte am 4. August 1996 in Atlanta eine Leistung, die weltweit für Aufsehen sorgte und für immer in die Legenden des kroatischen Sports einging.
Von der europäischen Enttäuschung an die Weltspitze in 35 Tagen
Der Weg zum Gold war alles andere als einfach. Nur einen Monat vor den Spielen wirkte Kroatien bei der Europameisterschaft in Spanien äußerst schwach. Ohne echtes Spiel, mit zerrütteten Beziehungen und dem Rücktritt des Trainers erreichte man nur den 5. Platz. Niemand konnte damals ahnen, was in den nächsten 35 Tagen geschehen würde.
Der neu ernannte Trainer Velimir Kljaić übernahm das Team und schaffte in unglaublich kurzer Zeit die Wende. Diejenigen, die die Nationalmannschaft begleiteten, erlebten eigenwillige Trainingseinheiten und Anekdoten, die diese Zeit prägten und eine Geschichte schufen, über die man noch heute spricht.
Steiniger Weg durch die Gruppe und historischer Sieg
Das Turnier begann dramatisch. Bereits im ersten Spiel gegen die Schweiz lag Kroatien fast die gesamte Partie zurück. Zwischenzeitlich betrug der Rückstand sogar sechs Tore (13:19), doch am Ende erkämpften sich die Handballer einen knappen 23:22-Sieg. Danach folgten sicherere Siege gegen Kuwait (31:22) und die USA (35:27).
Der Schlüsselmoment der Gruppe war das Spiel gegen eine der damals stärksten Mannschaften der Welt, Russland. Beim Stand von 24:24 in der letzten Minute schickte Trainer Kljaić Valter Matošević ins Tor, um einen Siebenmeter zu parieren. Um den Schützen Dmitri Torgovanov zusätzlich zu verunsichern, rief er ihn kurz zu sich und sagte:
"Er (der Kerl) denkt, ich wüsste, wie er schießen wird, ich habe keine Ahnung, geh ins Tor, lass dich fallen, wenn du hältst, gut, wenn nicht, gehen wir weiter"
Matošević parierte den Siebenmeter, und in einem schnellen Angriff erzielte Božidar Jović mit einem Treffer aus neun Metern das 25:24 und den Einzug ins Halbfinale.
Taktische Meisterleistung und der Weg ins Finale
Bekannt ist auch eine weitere List des verstorbenen Trainers. Das letzte Gruppenspiel gegen Schweden bestritt er ohne vier seiner besten Spieler, um sie für Frankreich zu schonen. Er spürte, dass gegen die Franzosen leichter zu spielen wäre als gegen Spanien, aber auch, dass man sich mit den Schweden im Finale wieder treffen könnte. Er ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, dem legendären schwedischen Trainer Bengt Johansson etwas zu verheimlichen.
Im Halbfinale besiegte Kroatien Frankreich mit 24:20, während Schweden Spanien mit 25:20 bezwang. Das große Finale war bereit.
Ein Finale für die Ewigkeit
Die Schweden gingen als absolute Favoriten in das Spiel, als Welt- und Europameister, denen nur noch olympisches Gold fehlte. Doch schon zur Halbzeit führten die kroatischen Handballer mit fünf Toren (16:11). Schweden kam im zweiten Durchgang gefährlich auf einen Treffer heran, aber die Wende gelang nicht mehr.
Den entscheidenden Treffer erzielte Nenad Kljaić 13 Sekunden vor dem Ende von der Linie. Kroatien wurde Olympiasieger, und die Goldmedaillen wurden ihnen im Georgia Dome von Antun Vrdoljak überreicht, der im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees für das Handballturnier zuständig war.
Die goldenen Helden
Die erste kroatische Flagge am höchsten Mast und die erste Hymne bei Olympischen Spielen erkämpften: Venio Losert, Valter Matošević, Patrik Ćavar, Vladimir Jelčić, Irfan Smajlagić, Vladimir Šujster, Slavko Goluža, Goran Perkovac, Valner Franković, Zlatko Saračević, Istok Puc, Zoran Mikulić, Bruno Gudelj, Alvaro Načinović, Božidar Jović und Nenad Kljaić.
Neben ihnen hinterließen auch die Mitglieder des Trainerstabs unauslöschliche Spuren: der verstorbene Velimir Kljaić, der verstorbene Vlado Nekić, Zdenko Zorko, Vladimir Rončević, Stanislav Peharec, Damir Suman und Josip Guberina.