Österreich führt vor Beginn des neuen Schuljahres ein Verbot der Kopfbedeckung für Mädchen unter 14 Jahren ein, und die Umsetzung dieser Regelung könnte zu neuen Spannungen in Bildungseinrichtungen führen. Unterstützung für das Gesetz kam von den Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS sowie von der oppositionellen FPÖ, während muslimische Verbände, einige Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen dagegen sind.
Geschichte wiederholt sich: Der Verfassungsgerichtshof hat bereits ein ähnliches Gesetz aufgehoben
Das Verbot ist nicht der erste Versuch Österreichs, das Tragen islamischer Kopftücher in Schulen einzuschränken. Eine ähnliche Regelung aus dem Jahr 2019, die unter der Regierung von ÖVP und FPÖ erlassen wurde, wurde vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben, da sie gegen das Prinzip der religiösen Neutralität des Staates verstieß.
Auch das derzeitige Verbot ist bereits Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen. Der Verfassungsgerichtshof lehnte im Juli 2026 Anträge auf Überprüfung ab, da das Gesetz zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Kraft getreten war. Daher konnte das Gericht seine Verfassungsmäßigkeit nicht beurteilen. Nach Beginn des Unterrichts und möglichen ersten Strafen könnte sich die Möglichkeit für eine Verfassungsbeschwerde erneut eröffnen.
Druck auf Lehrkräfte: Sie sind die erste Linie der Umsetzung
Besonderer Druck wird auf die Lehrkräfte erwartet. Die Lehrergewerkschaft betont, dass Lehrer die ersten sein werden, die mit den Konsequenzen konfrontiert werden und reagieren müssen, wenn eine Schülerin gegen das Verbot verstößt.
Das Bildungsministerium, das von Minister Christoph Wiederkehr von den NEOS geleitet wird, behauptet, dass die Vorbereitungen für die Umsetzung des Gesetzes bereits seit mehreren Monaten laufen. Wenn ein Lehrer eine Schülerin mit Kopftuch bemerkt, ist er verpflichtet, sie auf das Verbot hinzuweisen und sie aufzufordern, es abzunehmen. Im Falle einer Weigerung wird der Fall an die Schulleitung weitergeleitet.
Lehrer, die das vorgeschriebene Verfahren nicht einhalten, könnten wegen Verletzung ihrer Amtspflichten Konsequenzen tragen.
Verfahren und Strafen: Vom Gespräch bis zu 800 Euro
Nach der Meldung soll die Schulleitung ein Gespräch mit der Schülerin und ihren Eltern führen. Das Ministerium betont die Bedeutung eines ruhigen und sachlichen Gesprächs mit dem Ziel, die Situation zu beruhigen. Den Eltern sollen Informationsmaterialien über das Gesetz ausgehändigt werden, und laut österreichischen Medien werden diese Materialien ins Arabische, Türkische und Persische übersetzt.
Wenn der Verstoß gegen das Verbot andauert, wird die zuständige Bildungsbehörde eingeschaltet. Nach dem fünften Verstoß muss der Fall gemeldet werden, und es sind Geldstrafen zwischen 150 und 800 Euro vorgesehen.
Angst vor organisiertem Widerstand
Die österreichischen Behörden fürchten dabei auch organisierten Widerstand. Laut dem österreichischen Medium Heute rufen einige islamistische Influencer bereits seit Monaten über soziale Medien zum Widerstand gegen das Verbot auf, und ähnliche Aufrufe gab es auch schon früher.
Daher könnte der Beginn des Schuljahres die erste große Herausforderung für die Umsetzung des neuen Gesetzes sein. Neben Reaktionen von Schülerinnen und Eltern müssen die Behörden auch mit möglichen neuen rechtlichen Verfahren rechnen, die die Frage der Verfassungsmäßigkeit des Verbots erneut aufwerfen könnten.