Das Kreisgericht in Split hat am Dienstag, den 29. Juli 2026, den pensionierten JNA-General Borislav Đukić und sechs weitere ehemalige Kommandeure serbischer Streitkräfte sowie Beamte der SUP (Polizeiverwaltung) von Knin zu insgesamt 94 Jahren Haft verurteilt, wie Cronika.hr berichtet. Es handelt sich um Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung im weiteren Gebiet von Šibenik während des Kroatienkrieges.
Laut Urteil wurden Đukić, Jovan Grubić, Milan Radić und Petar Andrić jeweils zu 16 Jahren Haft verurteilt, während Vladimir Davidović, Ilija Prijić und Slobodan Vujko je zehn Jahre erhielten. Das Verfahren gegen den achten Angeklagten, Dragan Harambašić, wurde nach seinem Tod eingestellt.
Details der Anklage: 118 Zivilisten getötet, Kirchen zerstört
Die bereits 2016 erhobene Anklage umfasst den Zeitraum von August 1991 bis August 1995 in den Gebieten Šibenik, Drniš, Vodice, Skradin, Promina und Ružić sowie umliegender Ortschaften wie Otavice, Kljaci und Čavoglave. Wie Cronika.hr berichtet, wurden bei Beschuss und Angriffen 118 Zivilisten getötet, über 3.500 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt, darunter mindestens 20 katholische Kirchen, und fast 14.000 Bürger nichtserbischer Nationalität vertrieben.
Es gibt abweichende Angaben zu Vergewaltigungen: Während Cronika von mehreren vergewaltigten Frauen spricht, ohne eine konkrete Zahl zu nennen, präzisiert 24sata, dass fünf Frauen vergewaltigt und sieben Vergewaltigungsversuche registriert wurden.
Richter: "Đukić behauptete, Šibenik sei nie beschossen worden"
Der Vorsitzende der Strafkammer, Zoran Ivanišević, betonte in der Urteilsbegründung, dass er Đukićs Verteidigung nicht geglaubt habe. Er zitierte dessen Aussage gegenüber Cronika: "Seiner Verteidigung habe ich keinen Glauben geschenkt, weil er unter anderem behauptete, Šibenik sei nie beschossen worden, eine allgemein bekannte Tatsache. Es steht außer Frage, dass er der Kommandeur war und zusammen mit den drei weiteren Angeklagten direkte Befehle zum Beschuss ziviler Ziele erteilt hat."
Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die vier am strengsten Verurteilten aktiv an den Verbrechen teilnahmen, während die drei anderen wegen Unterlassung verurteilt wurden, ihre Untergebenen nicht gestoppt und strafrechtlich verfolgt zu haben.
Đukić als einziger verfügbar, weigert sich teilzunehmen
Borislav Đukić ist der einzige der Verurteilten, der der kroatischen Justiz zur Verfügung steht; die anderen wurden in Abwesenheit verurteilt. Er wurde 2015 in Tivat in Montenegro festgenommen und an Kroatien ausgeliefert. Obwohl er sich im Gefängnis von Split befindet, weigerte er sich, zur Urteilsverkündung zu kommen. Er wurde auch in einem separaten Verfahren wegen der Sprengung des Peruća-Staudamms verurteilt: Laut Cronika wurde ihm im letzten nicht rechtskräftigen Urteil von 2024 zehn Jahre Haft auferlegt, während 24sata angibt, dass dieses Urteil im letzten Jahr (2025) ergangen sei. Über die Rechtskraft dieser Strafe wird das Obergericht im September 2026 entscheiden.
Verteidigung kündigt Berufung an
Đukićs Anwalt Željko Ostoja kritisierte nach der Urteilsverkündung scharf das Verfahren. Gegenüber Cronika erklärte er, die Standards eines fairen Verfahrens seien nicht eingehalten worden, das Gericht habe sich auf Zeugenaussagen gestützt, die die Verteidigung nicht habe kreuzverhören können, und es sei keine Individualisierung der Verantwortlichkeit erfolgt. Er kündigte Berufung an, sobald er die schriftliche Urteilsausfertigung erhalten habe.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig; die Verteidigung hat das Recht, Berufung beim Obergericht einzulegen.