Der Autounfall der slowenischen Präsidentin Nataša Pirc Musar, der sich am 31. Juli 2026 im Tunnel Kastelec an der Küstenautobahn ereignete, hat sich zu einem regelrechten politischen Drama entwickelt. Während sie sich von einem Schlüsselbeinbruch erholt, sieht sich die Präsidentin scharfer Kritik des ehemaligen Chefs des Nachrichtendienstes, Forderungen nach einer Untersuchung und der Ankündigung einer Verfassungsbeschwerde ausgesetzt.
Der Hauptstreitpunkt ist die Weigerung des Präsidentenbüros, die Identität der beiden Begleiterinnen preiszugeben, die mit Pirc Musar in dem offiziellen Van unterwegs waren. Unter ihnen befand sich auch eine russische Staatsbürgerin, was Teile der slowenischen Öffentlichkeit besonders alarmiert hat.
Ehemaliger SOVA-Direktor: "Die Weigerung, die Identität preiszugeben, ist unsinnig"
Andreja Rupnik, ehemaliger Direktor des Slowenischen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes (SOVA), sparte in der Sendung 24UR Zvečer nicht mit Kritik. "In dem Moment, als diese beiden Damen in das Fahrzeug einer geschützten Person einstiegen, wurden sie zu öffentlichen Personen. Deshalb ist diese Vernachlässigung, beziehungsweise die Weigerung, die Identität dieser Personen preiszugeben, unsinnig", erklärte Rupnik und wies ausdrücklich auf die problematische Anwesenheit einer russischen Staatsbürgerin in unmittelbarer Nähe der Präsidentin hin.
Rupnik warnte vor mehrfachen Sicherheitsmängeln. Er betonte, dass Privatpersonen in unmittelbarer Nähe einer geschützten Person die Arbeit des Sicherheitsdienstes erschweren und obligatorischen Sicherheitsüberprüfungen durch die Polizei und in diesem Fall auch durch die SOVA unterliegen. Ein zusätzliches Risiko stellte seiner Meinung nach auch die unregelmäßige Sitzordnung im Konvoi dar, wo die Präsidentin statt in einer Limousine in einem Van mit einander zugewandten Passagieren saß.
Kontroverse um den Sicherheitsgurt und dreitägiges Schweigen
Zusätzlichen Verdacht auf einen Vertuschungsversuch erregten widersprüchliche Informationen über die Nutzung des Sicherheitsgurts. Das Präsidentenbüro meldete zunächst, dass Pirc Musar angeschnallt war, doch die Präsidentin selbst bestätigte am vierten Tag nach dem Unfall, dass sie den Gurt nicht benutzt hatte.
"Es muss festgestellt werden, welche Informationen im Präsidentenbüro eingegangen sind und ob jemand versucht hat, sie zu vertuschen, aber das Nichttragen des Sicherheitsgurts ist ein Vergehen, das bei einem Unfall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann", betonte Rupnik.
Die slowenische Öffentlichkeit wurde zusätzlich durch die dreitägige Verzögerung bei der Veröffentlichung offizieller Details zu dem Unfall beunruhigt. Die erste polizeiliche Meldung wurde in den regulären Bericht aufgenommen, ohne hervorzuheben, dass das Staatsoberhaupt bei dem Zusammenstoß verletzt worden war. Die Polizeigewerkschaft Sloweniens (PSS) forderte eine gründliche und unparteiische Untersuchung, einschließlich der Klärung, ob der Konvoi akustische und optische Signale verwendet hatte.
Ankündigung einer Verfassungsbeschwerde wegen der russischen Staatsbürgerin
Die Geschichte erhielt eine neue, ernstere Wendung, nachdem der Anwalt und ehemalige Präsident des slowenischen Verfassungsgerichts, Peter Jambrek, die Einreichung einer Verfassungsbeschwerde gegen die Präsidentin ankündigte. Als Hauptgrund nannte er die Information, die bereits seit Tagen in den Janša-nahen Medien kursiert, dass sich mit Pirc Musar eine russische Staatsbürgerin im Auto befunden habe.
Was geschah im Tunnel Kastelec
Der Unfall ereignete sich, als die Präsidentin von ihrem Urlaub in Kroatien zurückkehrte und zu einem offiziellen Termin in Komenda aufbrach. Im Tunnel Kastelec prallte der Van Mercedes-Benz V 300, gesteuert von einem 52-jährigen Polizisten, mit voller Wucht frontal auf das Heck des vorausfahrenden Audi an der Spitze des Konvois.
Die Polizei erstattete gegen den Fahrer des Vans Strafanzeige wegen des Verdachts, den Sicherheitsabstand nicht eingehalten zu haben. Während Pirc Musar leichte Verletzungen erlitt, wurde eine der Begleiterinnen auf dem Rücksitz schwer verletzt und im Allgemeinen Krankenhaus Izola behandelt.