Die Präsidentin der Nationalversammlung Serbiens, Ana Brnabić, hat am Mittwoch den Berichterstatter des Europäischen Parlaments für Serbien, Tonino Picula, beschuldigt, einen 'Kriegsverbrechen' und 'ethnische Säuberung' von Serben während der militärisch-polizeilichen Operation Oluja zu 'feiern'. Brnabić äußerte ihre Behauptungen auf der Social-Media-Plattform X und eröffnete damit erneut die Debatte über die Ereignisse vom August 1995.
Serbische Version: Vertreibung und Tötung von Zivilisten
Brnabić behauptet, das Ziel der Operation Oluja sei die Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus Kroatien gewesen. Ihrer Aussage zufolge wurden während der Operation 'etwa 250.000 Serben vertrieben, während etwa 2.000 ältere Menschen, Frauen und Kinder getötet wurden'. Sie zitierte auch den ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tuđman und führte seine Aussage an, dass man 'die Serben so schlagen müsse, dass sie praktisch verschwinden', und behauptete, diese Aussage bestätige das wahre Ziel der Operation. Daraus schließt sie, dass Picula heute 'dieses Verbrechen feiert'.
Mišetićs Antwort: Das Gericht hat bereits geurteilt
Auf ihre Behauptungen reagierte der amerikanisch-kroatische Anwalt Luka Mišetić, der General Ante Gotovina vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag vertreten hat. Mišetić erklärte, Brnabić 'lüge schon wieder'.
'Der UN-Tribunal hat Tuđmans Aussage, dass die Serben 'praktisch verschwinden' sollten, geprüft und einstimmig, alle acht internationalen Richter, festgestellt, dass sie sich auf die serbischen Streitkräfte bezog, nicht auf serbische Zivilisten (siehe Paragraph 1990 des Urteils im Fall Gotovina). Brnabić wird wahrscheinlich behaupten, das Gericht sei 'politisiert', aber die Fakten sprechen für sich und können nicht durch das serbische nationalistische Propagandanarrativ, das Frau Brnabić und ihr politischer Gönner systematisch fördern, aufgehoben werden', erklärte Mišetić.
Streit um die Auslegung von Tuđmans Aussage
Mišetićs Reaktion bezieht sich auf die Auslegung von Tuđmans Aussage, die im erstinstanzlichen Urteil im Fall Gotovina enthalten ist. Darin analysierte die Kammer den Kontext des umstrittenen Satzes und kam zu dem Schluss, dass er sich offensichtlich auf die Streitkräfte bezog. Seine Reaktion erfolgte, nachdem Brnabić erneut dieselbe Aussage als Bestätigung ihrer Behauptung verwendet hatte, dass die kroatische Staatsführung während der Operation Oluja die Vertreibung der serbischen Bevölkerung beabsichtigt habe.
Dieser Schlagabtausch ereignete sich am 6. August 2026, dem Jahrestag der Operation Oluja, der in Kroatien als Tag des Sieges und der Heimatdankbarkeit gefeiert wird und in Serbien als Tag des Gedenkens an die getöteten und vertriebenen Serben begangen wird.