Hunderte Migranten haben am Montag, dem 3. August 2026, ein Lager am Strand El Trampolin in der spanischen nordafrikanischen Enklave Ceuta aufgeschlagen, während die lokalen Behörden mit Tausenden von Menschen kämpfen, die sich nach dem Massenübertritt über die Grenze am vergangenen Donnerstag weiterhin in dem kleinen Territorium aufhalten. Laut der Nachrichtenagentur EFE haben mehr als 1.500 Migranten aus Marokko seit Beginn der Krise medizinische Hilfe erhalten. Viele Migranten gaben an, gegangen zu sein, weil Ladenschließungen sie ohne Nahrung zurückgelassen hätten, sie auf Feindseligkeit der lokalen Bevölkerung gestoßen seien und nicht weiter auf das spanische Festland reisen könnten.
Humanitäre Krise und Zahlen vor Ort
Nach Angaben des spanischen Nationalen Instituts für Gesundheitsmanagement haben Ärzte allein am Sonntag mehr als 460 Verletzte medizinisch versorgt, und 172 Migranten wurden in Notaufnahmen aufgenommen. Spanien schätzt, dass in den letzten vier Tagen etwa 69.500 Migranten nach Marokko zurückgekehrt sind, was die ursprünglichen Schätzungen von etwa 50.000 Ankünften am Donnerstag übersteigt.
Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesus Vivas, sagte dem Fernsehsender Telecinco, dass zwischen 3.000 und 5.000 Migranten in der Enklave geblieben seien, und fügte hinzu, dass zwei Aufnahmezentren, eines für Erwachsene und eines für Minderjährige, "kollabiert" seien. Der lokale Beamte Alberto Gaitan gab an, dass die Stadt 862 minderjährige Migranten bearbeitet, die besonderen rechtlichen Schutz vor Abschiebung genießen. Die offizielle Zahl der Toten auf der spanischen Seite der Grenze beträgt 72, während auf marokkanischer Seite 11 Todesfälle registriert wurden.
Diplomatische Spannungen und Vorwürfe
Die Krise hat diplomatische Spannungen ausgelöst. Ceuta und Melilla, spanische Enklaven an der marokkanischen Mittelmeerküste, sind regelmäßig mit Versuchen von Migranten konfrontiert, die nach Europa gelangen wollen. Vivas äußerte sich scharf kritisch gegenüber Rabat und sagte der Zeitung El Pais, dass in Ceuta weit verbreitet die Wahrnehmung bestehe, dass Marokko die Krise zugelassen, wenn nicht sogar orchestriert habe. "Marokko hat uns gezeigt, dass es nicht zuverlässig ist. Es gibt keine Alternative, als alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass sich dies nicht wiederholt", so Vivas.
Andererseits macht das marokkanische Innenministerium in einer Erklärung vom Sonntag Desinformation in sozialen Medien, Schleppernetzwerke und eine falsche Auslegung einer Gerichtsentscheidung für den Anstieg der Migration verantwortlich. Sie betonten, dass Marokko "entschlossen ist, die internationale Zusammenarbeit und Koordination im Kampf gegen irreguläre Migration und Menschenhandel zu stärken". Laut Berichten von El Pais und dem Radiosender Cadena SER, die sich auf eingeweihte Beamte berufen, haben die spanischen Geheimdienste den Schluss gezogen, dass Marokko den Massenübertritt nicht geplant, aber zugelassen hat.
Reaktionen in Spanien und der EU
Der spanische Außenminister Jose Manuel Albares kritisierte am Montag scharf die italienische Regierung und beschuldigte sie, zur Verbreitung von Desinformation beizutragen. Gleichzeitig sagte er, dass Marokko sofort Polizeiunterstützung ohne Bedingungen angeboten habe, was die schnelle Rückkehr der meisten Grenzübertreter ermöglicht habe. Die Europäische Union hat für Dienstag eine dringende Videokonferenz der Innenminister einberufen, um über die Krise zu beraten.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte am Sonntag, dass der spanische Geheimdienst CNI, der dem Verteidigungsministerium untersteht, ihn nicht vor der bevorstehenden Migrantenwelle gewarnt habe. El Pais berichtete am Montag, dass dies zu Spannungen zwischen den beiden Ministerien geführt habe, obwohl ein Sprecher des Innenministeriums die Bedeutung dieser Berichte herunterspielte. Verteidigungsministerin Margarita Robles lehnte es ab, zu sagen, ob der CNI vorab Informationen über den Massenübertritt hatte, und verwies auf die Geheimhaltung ihrer Arbeit, lobte jedoch die "herausragende" Arbeit der spanischen Sicherheitskräfte.