Mit Skepsis empfangen, zeigen sie in der ersten Runde, warum sie die Zukunft der SHNL sind
Javi Cabello und Federico Bessone bringen modernen, mutigen Fußball zu Istra 1961 und Osijek, trotz aller Herausforderungen und Zweifel.
Javi Cabello und Federico Bessone bringen modernen, mutigen Fußball zu Istra 1961 und Osijek, trotz aller Herausforderungen und Zweifel.
Ausländische Trainer in der SuperSport HNL stoßen traditionell auf Zurückhaltung. Die Logik ist einfach: Die Liga ist nicht attraktiv genug für etablierte europäische Namen, daher kommen meist diejenigen, die noch auf der Suche nach einer Chance zur Profilierung sind. Im Sommer wagten der Spanier Javi Cabello (52) und der Argentinier Federico Bessone (42) den Schritt in den kroatischen Fußball und übernahmen die Trainerposten bei Istra 1961 und Osijek. Während viele ihre ersten Schritte mit Skepsis erwarteten, ist bereits nach der ersten Runde klar, dass sie genau das gebracht haben, was die SHNL am dringendsten braucht, Frische und einen klaren Spielplan.
Bessone wurde in Osijek von einer völlig neuen Führung empfangen, die aus Ausländern ohne Erfahrung im kroatischen Fußball besteht. Die junge Präsidentin Alexandra Végh und der Sportdirektor Kenneth Zandvliet vertrauten ihm eine Mannschaft an, die in der letzten Saison nur knapp dem Abstieg entgangen war. Zusätzlichen Druck erzeugt die Ungewissheit über die Zukunft des Klubs, seit Viktor Orbán in Ungarn die Macht verloren hat. Trotz eines Spielerkaders, der nicht wesentlich verstärkt wurde, suchte Bessone keine Ausreden.
Auf der anderen Seite fand Cabello in Pula eine stabile Vereinsstruktur vor, aber auch eine Kabine, der Schlüsselspieler fehlten. Der beste Torschütze Prevljak sowie die Mittelfeldspieler Lončar und Radošević verließen den Klub, und die einzige Verstärkung war Ivan Šaranić (23), der vom Zweitligisten Sesvete kam, nachdem er sich bei Dinamo, Varaždin, Bravo und in Dubai nicht durchsetzen konnte. Auch er krempelte, wie sein argentinischer Kollege, sofort die Ärmel hoch.
Bereits in der ersten Runde zeigten beide Trainer eine klare fußballerische Identität. Bessenones Osijek feierte einen 2:0-Sieg in Gorica und spielte von der ersten Minute an mutig und offensiv. Die Statistik ist beeindruckend: 27 Torschüsse und fünf herausgespielte Großchancen. Der Argentinier, der als junger Spieler Barcelonas La Masia durchlief, besteht auf Ballbesitz und Spielkontrolle, ist aber nicht eindimensional, in der letzten Saison bei Olimpija gegen Celje scheute er sich nicht, defensiv zu spielen und auf Konter zu setzen, wenn er den Gegner als stärker einschätzte.
Cabellos Istra 1961 war ergebnistechnisch nicht erfolgreich und verlor 3:2 gegen Lokomotiva, doch die gezeigte Spielweise war die Überraschung der Runde. Die Pulaner gaben 23 Schüsse auf das Tor ab und erspielten sich drei Großchancen. Besonders begeisterte der 17-jährige Nik Škafar Žužić. Der junge Mann, der vor diesem Spiel nur 57 Erstligaminuten auf dem Konto hatte, erhielt von seinem Trainer völlige Freiheit und antwortete mit mutigen Dribblings und ständiger Gefahr für die Abwehr von Lokomotiva.
Was Bessone und Cabello verbindet, ist ein Ansatz, den man auf heimischen Plätzen oft nicht sieht. Sie forderten keine Eingewöhnungszeit, übten nicht öffentlich Druck auf die Vereinsführungen mit Forderungen nach Verstärkungen aus und versteckten sich nicht hinter Ausreden. Sie übernahmen den Kader, den sie vorfanden, und versuchten sofort, das Maximum herauszuholen, indem sie auf offenen und offensiven Fußball bestanden, das genaue Gegenteil von defensivem Fußball, bei dem das primäre Ziel darin besteht, kein Tor zu kassieren.
Natürlich ist erst eine Runde gespielt, und es bleiben noch 35 bis zum Saisonende. Die wahren Tests kommen mit den unvermeidlichen Krisenzeiten. Dennoch verdient die Art und Weise, wie diese beiden Ausländer in den kroatischen Fußball eingestiegen sind, Respekt. Wenn sie ihrer Philosophie treu bleiben, wird die SHNL eine bessere Liga, unabhängig von der endgültigen Platzierung von Osijek und Istra 1961.