Extreme Trockenheit und ein rekordniedriger Wasserstand der Donau in Budapest haben einen grausigen Anblick enthüllt, der mehr als acht Jahrzehnte verborgen war. Am Ufer beim Batthyány-Platz, direkt gegenüber dem ungarischen Parlamentsgebäude, wurden die sterblichen Überreste von zwei deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, wie die deutsche Bild am Donnerstag, dem 7. August 2026, berichtete.
Ein zufälliger Passant bemerkte einen Teil der Motorradgabel zwischen den Steinen am Ufer, was ihn zu den Überresten führte. Am Fundort trafen bald Experten des ungarischen Instituts für Militärgeschichte ein, um mit der Untersuchung zu beginnen.
Fast intaktes Motorrad und gefährliche Fracht
Die Untersuchung ergab ein deutsches Militärmotorrad, bei dem es sich vermutlich um ein Modell DKW NZ 350-1 handelt. Dieses Modell wurde ab 1944 für militärische Zwecke produziert und blieb dank des Flussschlamms erstaunlich gut erhalten. Beim Bergen stieß man jedoch auf ein ernstes Hindernis. In der Nähe des Motorrads befanden sich viele nicht explodierte Kampfmittel, wie deutsche Panzerminen TMi-35, sowie Reste von Hand- und Artilleriegranaten.
Wegen der Gefahr mussten die Sprengstoffexperten mehrfach eingreifen, und ein Teil der Uferstraße war vorübergehend gesperrt. Erst nachdem die Sprengstoffe entfernt worden waren, konnten die Experten die Ausgrabung fortsetzen und entdeckten unter dem Motorrad menschliche Überreste.
Intakte Erkennungsmarken sind der Schlüssel zum Rätsel
Die Analyse bestätigte, dass die Überreste zwei deutschen Soldaten gehören. Obwohl ihre Identität noch nicht festgestellt wurde, haben die Ermittler eine wichtige Spur. Zwei Erkennungsmarken, die noch lesbar mit Zahlen und Buchstaben sind, wurden neben den Überresten gefunden. Laut Bild trug die Mischung aus Flussschlamm und Gasöl zur Erhaltung der Metallmarken bei.
Arne Schrader vom deutschen Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sagte, dass die Daten mit Kriegsdokumenten und Tagebüchern von Militäreinheiten abgeglichen werden, um die Gefallenen zu identifizieren. Besonders interessant ist das Detail, dass beide Erkennungsmarken vollständig gefunden wurden. Nach dem damaligen Verfahren wurde die Marke in zwei Teile gebrochen: Ein Teil verblieb am Körper, der andere wurde an die zuständige Stelle zur Registrierung des Todes und zur Benachrichtigung der Familie geschickt. Die Tatsache, dass die Marken vollständig blieben, deutet darauf hin, dass die beiden Soldaten nie offiziell als gefallen registriert wurden und ihre Familien nie eine Benachrichtigung über ihr Schicksal erhielten.
Es wurde auch eine militärische Auszeichnung gefunden, die an Wehrmachtssoldaten verliehen wurde, die gegen die Sowjets im Kaukasus kämpften, was einen zusätzlichen Einblick in ihre militärische Vergangenheit gibt. Anfang 1945 war Budapest Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und ungarischen Truppen gegen die Rote Armee. Nach Abschluss des Identifizierungsverfahrens sollen die sterblichen Überreste der beiden Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Budaörs beigesetzt werden, wo bereits Tausende deutsche und ungarische Kriegsopfer ruhen, die im Stadtgebiet und Umgebung gefunden wurden.