Mehr als 370 Seiten Dokumentation der Geotechnischen Fakultät der Universität Zagreb zeichnen erstmals ein detailliertes Bild des Ausmaßes der Umweltbombe am Standort des ehemaligen Industriekomplexes in der Bilajska-Straße in Gospić. Das Gutachten, das auf Anordnung von Generalstaatsanwalt Ivan Turudić der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, bestätigt das Vorhandensein enormer Mengen illegal entsorgten Abfalls, einschließlich gefährlicher Stoffe, die das Grundwasser der Lika bedrohen.
Turudić machte aus seiner Besorgnis keinen Hehl. "Das Gutachten ist nicht berauschend", erklärte er und fügte hinzu, dass "die Lika in diesem Gebiet verseucht" sei. Die Dokumentation wird eines der Schlüsselbeweise in der Ermittlung sein, die USKOK gegen Josip Šincek und Monika Šincek sowie ihre Mitarbeiter führt, die verdächtigt werden, organisiert illegal Kunststoff- und anderen Abfall mit schädlichen Stoffen entsorgt zu haben.
Bedrohliche 'schwarze Haufen' voller Plastik und Schwermetallen
Experten dokumentierten auf dem unbefestigten Gelände hinter den Gebäuden zwei große Ansammlungen, sogenannte 'schwarze Haufen'. Der größere erstreckt sich über 1855 Quadratmeter, sein geschätztes Volumen beträgt sogar 9101,78 Kubikmeter. Der zweite, kleinere Haufen enthält etwa 313 Kubikmeter Abfall auf einer Fläche von 166 Quadratmetern. Die Analyse ergab, dass sekundär aufbereiteter technogener Abfall mit polymerer Fraktion, also verschiedene Arten von Kunststoff und Mikroplastik, dominiert, begleitet von Schwermetallen. Aufgrund der gefährlichen Eigenschaften bestehen die Gutachter darauf, dass dieses Material ausschließlich auf einer Deponie für gefährlichen Abfall entsorgt werden darf.
Vergrabene Gefahr: 37.000 Tonnen ökotoxischen Materials
Ein noch alarmierenderer Befund betrifft das Plateau, wo der Abfall nicht nur abgelagert, sondern auch im Boden vergraben wurde. Das betroffene Gebiet wird auf 12.800 Quadratmeter geschätzt. Geophysikalische Untersuchungen zeigten, dass die durchschnittliche Tiefe des vergrabenen Abfalls zwischen vier und fünf Metern liegt, mit einer Spanne von den flachsten Zonen bei einem Meter bis zu den tiefsten bei acht Metern. Schätzungen zufolge könnten sich am Standort bis zu 64.000 Kubikmeter, also mehr als 37.000 Tonnen inhomogenen Materials, befinden. Es handelt sich um eine geschichtete Masse aus Kunststoff-Organik-Fraktionen und Baukomponenten, für die in Proben die gefährliche Eigenschaft HP14, also Ökotoxizität, festgestellt wurde.
Die Bodenanalyse bestätigte eine erhebliche chemische Belastung. Es wurden extreme Konzentrationen von Schwermetallen gemessen: bis zu 9946 Milligramm Kupfer pro Kilogramm Boden, bis zu 1051 Milligramm Blei und bis zu 317 Milligramm Antimon. Die Gutachter geben an, dass diese Werte die üblichen natürlichen Werte um ein Vielfaches übersteigen und auf das Vorhandensein von Elektronik- und Metallabfällen hindeuten. Während der Untersuchung wurden 94 Abfallproben und 99 physikalisch-chemische und mikrobiologische Proben entnommen, und durch die Entfernung der Vegetationsdecke auf fast 18.000 Quadratmetern kam es zur irreversiblen Zerstörung von Lebensräumen.
'Ewige Chemikalien' im Grundwasser
Der entscheidende Datenpunkt der Ergänzung des Gutachtens betrifft das Grundwasser. Im stromabwärts gelegenen Pegel B-1 wurde eine Gesamtkonzentration von PFAS-Verbindungen, den sogenannten 'ewigen Chemikalien', von 200,5 Nanogramm pro Liter gemessen. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie der Referenzgrenzwert von 100 Nanogramm, der für Wasser für den menschlichen Verzehr gilt. In einem zweiten stromabwärts gelegenen Pegel wurden 7,1 Nanogramm pro Liter gemessen, während die stromaufwärts gelegene Referenzstelle keine Verschmutzung aufwies. Die räumliche Verteilung bestätigt den lokalen Einfluss unsachgemäß entsorgten Abfalls auf die Qualität des Grundwassers.
Obwohl die nächsten öffentlichen Trinkwasserquellen, Mrđenovac und Divoselo, hydrogeologisch nicht mit dem Standort verbunden sind, warnen Experten vor einer hohen Wahrscheinlichkeit weiterer Schäden. Ein besonderes Risiko stellt der Karstuntergrund dar, dessen Kluftstruktur eine schnelle Ausbreitung der Verschmutzung ermöglicht. Die Einschätzung lautet, dass die aktuelle Gefahr für das Grundwasser "mäßig bis erhöht" ist, aber nur eine vollständige Beseitigung des Abfalls und eine fachgerechte Sanierung verhindern können, dass PFAS-Verbindungen, die jahrzehntelang in der Umwelt verbleiben, zu einer dauerhaften Risikoquelle für die Lika werden.