Kroatien führt ab dem 1. Januar 2027 das Kroatische Investitionskonto (HIR) ein, ein neues staatliches Instrument, das Bürgern erstmals steuerbegünstigte Investitionen in den Kapitalmarkt ermöglicht, ohne Kapitalertragsteuer zahlen zu müssen. Vorgestellt wurde das Instrument auf einer Pressekonferenz im Finanzministerium von Staatssekretär Matej Bule sowie den Mitgliedern des Verwaltungsrats der Kroatischen Finanzaufsichtsbehörde (Hanfa), Anamarija Staničić und Martina Verić.
Was ist das HIR und wer kann es eröffnen?
Das HIR ist ein spezielles individuelles Konto, das für Investitionen natürlicher Personen in bestimmte Finanzinstrumente mit einem günstigeren Steuerstatus und geringerem Verwaltungsaufwand vorgesehen ist. Das Konto wird bei einem Wertpapierdienstleistungsunternehmen, einer Bank oder einer Verwaltungsgesellschaft eröffnet, die die Voraussetzungen erfüllen und in der von der Hanfa geführten Liste der zugelassenen Vermittler eingetragen sind. Eröffnet werden kann es von jedem kroatischen Staatsbürger oder Einwohner, einschließlich Minderjähriger über ihre gesetzlichen Vertreter. Jede Person kann nur ein HIR haben, das an die persönliche Steueridentifikationsnummer (OIB) gebunden ist.
Einlagenlimits und Steuervorteile
Das lebenslange Einlagenlimit für das HIR beträgt 200.000 Euro, wobei dieser Betrag ausschließlich die Einlagen der Bürger umfasst; erzielte Erträge zählen nicht zu dieser Grenze. Zahlt ein Bürger fünf Jahre in Folge kontinuierlich Mittel auf das Konto ein, ohne sie abzuheben, erhöht sich das Limit um 50.000 Euro auf insgesamt 250.000 Euro. Der wesentliche Steuervorteil ist die Befreiung von der Kapitalertragsteuer, die normalerweise auf Einkünfte aus Kapitalanlagen im kroatischen Kapitalmarkt erhoben wird. Staatssekretär Bule betonte:
"Wir wissen, dass der Kapitalmarkt üblicherweise denjenigen vorbehalten ist, die den Finanzmarkt etwas besser kennen. Mit diesem Instrument wird er aber wirklich jedem zugänglich sein, der die Möglichkeit hat, zu sparen und zu investieren."
Verpflichtung zur Investition in heimische Unternehmen
Eine der zentralen Bedingungen des HIR ist, dass mindestens 20 % aller Investitionen in Unternehmen fließen müssen, deren Aktien an der Zagreber Börse notiert sind. Bule beschrieb dies als einen Schritt hin zu einer breiteren Beteiligung der Bürger am heimischen Wirtschaftswachstum:
"Dies ist auch ein weiterer Schritt, damit die Bürger vom Wachstum der kroatischen Wirtschaft profitieren, indem sie über dieses Konto in Aktien heimischer Unternehmen investieren."
Die Bürger entscheiden selbst, ob sie ihr Portfolio verwalten oder dies der Institution überlassen möchten, bei der das Konto eröffnet wurde. Es ist auch möglich, bereits bestehende Aktien oder andere Finanzinstrumente auf das HIR zu übertragen.
Rechtlicher Rahmen und nächste Schritte
Der Gesetzesentwurf zum HIR befindet sich derzeit in der öffentlichen Konsultation, die bis zum 23. August 2026 läuft. Kroatien hatte bisher keinen rechtlichen Rahmen für die Einführung eines solchen Instruments. Nach Angaben von Bule haben von den 27 EU-Mitgliedstaaten zwölf bereits ein ähnliches Modell eingeführt oder befinden sich im Einführungsprozess. Als positives Beispiel wurde das schwedische Modell genannt, bei dem die Bürger Hunderte solcher Konten eröffnet haben.
Einnahmenschätzungen und Vergleich mit Staatsanleihen
Nach Schätzungen des Finanzministeriums werden in den ersten beiden Jahren der Nutzung des HIR in Kroatien Einzahlungen zwischen 200 und 600 Millionen Euro erwartet. Bule betonte, dass das HIR gleichberechtigt neben den Staatsanleihen für Bürger stehe, die in den bisherigen Emissionen ein großes öffentliches Interesse geweckt hätten. Im Gegensatz zu Anleihen, die eine feste Rendite bei minimalem Risiko bieten, ermöglicht das HIR ein breiteres Spektrum an Instrumenten mit potenziell höheren, aber auch riskanteren Renditen, alles bei gleicher steuerlicher Begünstigung durch die Befreiung von der Kapitalertragsteuer.