Italien hat am Freitag, dem 31. Juli 2026, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr mit Spanien einseitig ausgesetzt. Die Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf die eskalierende Migrantenkrise in der spanischen Exklave Ceuta im Norden Afrikas, wie die Agenturen ANSA und Reuters berichten.
Das italienische Innenministerium hat die Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien angeordnet. Obwohl die beiden Länder keine Landgrenze teilen, wird die Maßnahme Reisende direkt betreffen, die zwischen ihnen per Flugzeug oder Schiff unterwegs sind. Die Entscheidung wurde bei einem morgendlichen Treffen unter dem Vorsitz von Innenminister Matteo Piantedosi auf der Grundlage von Analysen des Ausschusses für Einwanderung und Grenzsicherheit getroffen.
Verstärkte Kontrollen auch mit Frankreich
Zusätzlich zur Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien hat Italien auch eine Verstärkung der Kontrollen an seiner Landgrenze zu Frankreich vereinbart. Laut der ukrainischen Prawda hat Minister Piantedosi eine Vereinbarung mit seinem französischen Kollegen Laurent Nunez über eine strengere Überwachung entlang der französisch-italienischen Grenze getroffen.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte zuvor mit einem solchen Schritt gedroht. "Zur Verteidigung unserer Grenzen und der Sicherheit unserer Bürger", erklärte Meloni, wie Reuters unter Berufung auf den norwegischen Sender NRK berichtet. Bereits am Vortag, Donnerstag, dem 30. Juli, hatte der italienische Außenminister vorgeschlagen, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen.
Krise in Ceuta: Zehntausende Migranten und Todesfälle
Die Migrantenkrise in Ceuta, dem spanischen Territorium an der marokkanischen Küste nahe der Straße von Gibraltar, hat sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt. Die Zahlen zum Migrantenzustrom variieren je nach Quelle. Das spanische Innenministerium teilte mit, dass seit Beginn der Krise mehr als 50.000 Menschen in die Enklave gelangt seien, während der Präsident von Ceuta gegenüber der Daily Sabah erklärte, dass in den letzten 24 Stunden etwa 60.000 Migranten aus Marokko übergesetzt seien. Diese Zahl entspricht sogar 70 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt.
Nach Angaben der türkischen Zeitung Daily Sabah ist etwa die Hälfte der Migranten freiwillig zurückgekehrt. Spanien hat Militär und zusätzliche Polizei eingesetzt, um die Ordnung wiederherzustellen. Auf marokkanischer Seite der Grenze kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Migranten. Bei einem Ansturm und bei Versuchen, die Barriere zu überwinden, kamen mindestens 57 Migranten ums Leben, darunter auch Ertrunkene.
Rechtliche Bedenken und Reaktionen
Der Schritt Italiens hat sofort Fragen zu seiner Rechtmäßigkeit innerhalb der Europäischen Union aufgeworfen. Der ehemalige EU-Außenbeauftragte Josep Borrell reagierte scharf und erklärte, dass kein EU-Mitglied das Recht habe, ein anderes Land einseitig aus dem Schengen-Abkommen auszuschließen oder dessen Teilnahme auszusetzen, wie die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS berichtet.
Das Schengen-Abkommen von 1985 ermöglicht den freien Personenverkehr innerhalb Europas, aber die Mitgliedstaaten können unter bestimmten Umständen vorübergehend Grenzkontrollen wieder einführen. Neben Italien hat auch die tschechische Regierung dazu aufgerufen, die Schengen-Zone für Spanien zu schließen. Gleichzeitig warnte der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha vor einer russischen Propagandakampagne, die die Migrantenkrise in Ceuta zur Destabilisierung Europas nutzt.
Ceuta ist seit 1580 ein spanischer Besitz und eine von zwei spanischen Exklaven auf dem afrikanischen Kontinent, gelegen am Eingang zum Mittelmeer.