Kroatien feiert heute den Tag des Sieges und der Heimatdankbarkeit, den Tag der kroatischen Verteidiger und den 31. Jahrestag der militärisch-polizeilichen Operation Oluja. In der am 4. August 1995 gestarteten Aktion befreiten die kroatischen Streitkräfte die besetzten Gebiete unter der Kontrolle aufständischer Serben und ebneten den Weg für das Ende des Heimatkrieges. Drei Jahrzehnte später rufen die Teilnehmer dieser Ereignisse weiterhin mit besonderer Emotion Erinnerungen an die Tage wach, die Kroatien von Grund auf verändert haben.
Tuđmans Proklamation und der Abstieg vom Velebit
Der Vorsitzende des Vereins der Spezialpolizei aus dem Heimatkrieg "Ajkule", Perica Prpić, erzählte RTL Danas, wie er den Beginn der Aktion an den Stellungen am Velebit erlebte. "Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich mich an den Anruf des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tuđman erinnere. Das Verlesen der Proklamation... Und in der Ferne hörten wir die Artillerievorbereitung. Es ging los... Man bekreuzigt sich, umarmt seinen Kameraden und wir gehen den Velebit hinunter. Es ist ein besonderes Erlebnis, wenn man weiß, dass es kein Zurück gibt. Es hat sich alles gelohnt und wir bereuen nichts", erinnerte sich Prpić.
Das entscheidende Hindernis hieß 'Igla'
Das Mitglied der 4. Gardebrigade, Josip Bebek, beschrieb RTL Danas-Reporterin Nikolina Radić den Vormarsch auf Knin aus Richtung Bosansko Grahovo. Der Weg war nicht einfach. "Wir kamen etwa auf halber Strecke und dann stoppten wir. Wir hatten ziemlich starken Widerstand. Die Tschetniks hielten eine Kuppe namens 'Igla'. Wir nahmen sie nur schwer ein. Als wir diese 'Igla' eingenommen hatten, lief alles glatt", erzählte Bebek im letzten Jahr. Nachdem diese dominante Anhöhe gefallen war, war der Widerstand gebrochen und der Weg nach Knin offen.
"Wir sind buchstäblich in Knin hineinspaziert"
Bereits am nächsten Morgen, nach der Artillerievorbereitung, erfolgte der Einmarsch in die Stadt. Bebek beschreibt diesen Moment als fast unwirklich: "Wir sind buchstäblich in Knin hineinspaziert." Die Stadt empfing sie gespenstisch still. "Sie war leerer, als dass Menschen in ihr waren. Die Siebte und Vierte Gardebrigade hatten keinen Widerstand, es war nicht nötig, dass irgendetwas passierte", erinnerte sich Bebek. Dennoch blieb ihm eine menschliche Begegnung im Gedächtnis. "Einen älteren Herrn habe ich persönlich gebracht und in der Kaserne übergeben. Später konnte er entscheiden, ob er in Knin bleibt oder nach Serbien geht. Ich weiß nicht, was er letztendlich gewählt hat, aber später lernte ich seinen Bruder kennen, der mir ihre Lebensgeschichte erzählte."
Leben in Knin nach allem
Bebek blieb nach dem Krieg Berufssoldat und zog 2003 von Split nach Knin, wo er auch heute noch lebt. "Ich führe ein normales Leben, wie überall sonst auch. Sowohl in Split als auch in Knin hat man seine Freunde und Arbeit. Es gibt keinen großen Unterschied. Ob man in Paris oder in Knin ist, es ist dasselbe", schloss er. Mit Blick auf die Bedeutung des Sieges fasste Bebek das Gefühl einer ganzen Generation zusammen: "Der Traum des kroatischen Soldaten war es, nach Knin zu kommen. Nach jeder Befreiungsaktion waren wir glücklich, aber wir wussten, dass der Einmarsch in Knin das Ende bedeuten würde. Das war das Finale. Wenn ich heute daran denke, fühle ich Glück und Stolz. Wir haben unseren eigenen Staat, wir haben diesen Traum geträumt. Gott sei Dank, dass sich das nie wieder jemandem wiederholt."