Die deutsche Regierung hat am Freitag, den 7. August 2026, eine Reihe von Notfallmaßnahmen angekündigt, um die zunehmend schwerwiegenden Störungen in den Lieferketten zu mildern, die durch den extrem niedrigen Wasserstand der wichtigsten Binnenwasserstraßen verursacht werden. Die Maßnahmen signalisieren eine dringende Verlagerung von Fracht von den Flüssen auf Straße und Schiene, während gleichzeitig langfristige Anpassungen der Verkehrsinfrastruktur geplant werden.
Nach einer Reihe von Hitzewellen ist der Wasserstand auf wichtigen Verkehrswegen wie Rhein, Donau und Elbe erheblich gesunken, was den Schiffsverkehr ernsthaft beeinträchtigt hat. Bundesverkehrsminister Bilger erklärte nach einem Krisentreffen, die Regierung könne das Wetter nicht beeinflussen, aber handeln, um die Wirtschaft zu schützen.
"Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber wir können Maßnahmen ergreifen, damit unsere Wirtschaft diese schwierigen Wochen so gut wie möglich übersteht", sagte Minister Bilger.
Verluste in Milliardenhöhe
Deutsche Chemieunternehmen hatten bereits früher gewarnt, dass sie aufgrund des niedrigen Wasserstands möglicherweise die Produktion drosseln müssten. Die geringere Frachtkapazität der Schiffe erhöhe direkt die Transportkosten und belaste die Lieferketten, warnte Wolfgang Grosse Entrup, Präsident des Chemieverbands VCI.
Schätzungen von Experten des Instituts für Weltwirtschaft Kiel zeigen das Ausmaß des potenziellen Schadens. Ihren Berechnungen zufolge könnte der niedrige Wasserstand der Flüsse die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal zwischen einer und zwei Milliarden Euro an verlorener Wirtschaftsleistung kosten. Dies würde sich auch im Bruttoinlandsprodukt niederschlagen, das einen Rückgang von 0,1 bis 0,2 Prozent verzeichnen könnte.
Vorübergehende Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw
Als zentrale kurzfristige Maßnahme kündigte Minister Bilger die Möglichkeit an, das Sonntags- und Feiertagsfahrverbot für Lkw vorübergehend aufzuheben. Diese Aussetzung würde für bestimmte Güterarten gelten, die besonders von den Behinderungen im Schiffsverkehr betroffen sind.
Der Minister hat bereits Gespräche mit seinen Kollegen aus den Bundesländern aufgenommen, um schnellstmöglich eine Einigung zu erzielen. "Ich habe bereits mit einigen Verkehrsministern der Länder gesprochen, und alle haben eine hohe Bereitschaft signalisiert, das Sonntags- und Feiertagsfahrverbot auszusetzen", sagte Bilger und fügte hinzu, dass die Maßnahme "so lange wie nötig" in Kraft bleiben solle.
Gleichzeitig wurde die Autobahn GmbH des Bundes angewiesen, alles zu unternehmen, um unnötige Verkehrsbehinderungen durch Baustellen zu vermeiden. An einem großen Kanal wurde sogar die geplante Sanierung einer Schleuse verschoben, um einen reibungslosen Verkehr zu gewährleisten.
Die Bahn übernimmt Fracht von den Flüssen
Eine bedeutendere Rolle im neuen Transportplan wird auch der Schiene zukommen. Der Güterverkehrsbetreiber DB Cargo wird der Industrie helfen und einen Teil der bisher über die Flüsse transportierten Fracht übernehmen. Nach Angaben von Minister Bilger wird DB Cargo mit anderen Verkehrsunternehmen zusätzliche Transportrouten in ganz Europa organisieren und mit Energieunternehmen Pläne für den Fall weiterer Versorgungsstörungen abstimmen.
Reaktionen: Unterstützung und Skepsis
Das angekündigte "Maßnahmenpaket" wurde vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßt, der erklärte, es werde die unmittelbaren Folgen für die Wirtschaft abmildern. Allerdings warnt Dirk Binding vom DIHK, dass auch eine langfristige Lösung erforderlich sei. "Größere Kapazitäten im Straßen- und Schienengüterverkehr können den Unternehmen kurzfristig Entlastung bringen, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Wasserstraßen gegen Niedrigwasser und andere extreme Wetterlagen widerstandsfähig sind", sagte Binding.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) hingegen äußerte Skepsis. Er warnte, dass die Vorschriften über Arbeitszeiten und vorgeschriebene Ruhezeiten der Fahrer weiterhin strikt eingehalten werden müssten, und betonte, dass die Aufhebung des Fahrverbots allein die verfügbare Fahrzeit nicht erhöhen werde.
Bei dem Treffen wurde auch über langfristige Lösungen gesprochen, wie den Ausbau der Wasserstraßen und die Anpassung von Schiffen für Fahrten bei Niedrigwasser. Minister Bilger kündigte an, dass solche Koordinierungstreffen künftig regelmäßig stattfinden werden.