Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland eine deutlich strengere Regelung, die darauf abzielt, die Praxis der falschen Schuldzuweisung bei Verkehrsverstößen zu unterbinden. Wer versucht, das System zu betrügen, indem er eine andere Person als Täter angibt, dem droht nun ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro, das betrifft auch Fahrer aus Kroatien.
Ende der Ära der 'Sündenböcke'
Deutschland kämpfte jahrelang mit der weit verbreiteten Praxis, bei der die eigentlichen Täter schwerwiegender Verstöße wie zu schnelles Fahren oder Rotlichtverstöße Mittelsmänner engagierten. Diese fanden Personen, die bereit waren, gegen eine finanzielle Entschädigung fälschlicherweise die Schuld zu übernehmen, Punkte in Flensburg und ein mögliches Fahrverbot zu akzeptieren, während der wahre Schuldige ein sauberes Fahreignungsregister behielt.
Mit der neuen Regelung wird dies zu einem eigenständigen und sehr teuren Verstoß. Es ist ausdrücklich verboten, die zuständigen Behörden über die Identität der Person, die das Fahrzeug geführt hat, zu täuschen, Dienstleistungen zur falschen Schuldanerkennung anzubieten oder bei solchen Vereinbarungen zu vermitteln. Die Verantwortung tragen alle Beteiligten: der tatsächliche Fahrer, die Person, die fälschlich angegeben wurde, und der Vermittler, wie Autostart berichtet.
Wie die neuen Regeln kroatische Fahrer betreffen
Kroatische Staatsbürger sind von diesen Bestimmungen nicht ausgenommen. Die deutschen Behörden können über das europäische Datenaustauschsystem leicht den Halter eines Fahrzeugs mit kroatischem Kennzeichen identifizieren und von Kroatien Auskunft über die Person verlangen, die zum Zeitpunkt des Verstoßes das Fahrzeug geführt hat.
Die falsche Angabe von Freunden, Verwandten oder bezahlten 'Sündenböcken' ist nicht mehr nur ein riskanter Schritt, sondern ein eigenständiger Verstoß, der deutlich teurer sein kann als die ursprüngliche Strafe für den Verkehrsverstoß. Obwohl die deutschen Punkte in Flensburg derzeit nicht automatisch in das kroatische System übertragen werden, bleibt der Verstoß in Deutschland dauerhaft registriert. Die Folge kann ein Fahrverbot auf deutschem Territorium für diesen Fahrer sein.
Breiterer europäischer Kontext
Die Situation wird durch neue EU-Regeln zusätzlich verschärft. Es wurden Regelungen erlassen, nach denen schwerwiegende Fahrverbote, etwa wegen erheblicher Geschwindigkeitsüberschreitung, Alkohol am Steuer oder Verursachung eines schweren Verkehrsunfalls, künftig in der gesamten Union anerkannt werden, sobald sie in nationales Recht der Mitgliedstaaten umgesetzt sind.
In einem solchen Umfeld wird der Versuch, einer deutschen Verkehrsstrafe durch die Abwälzung der Verantwortung auf eine andere Person zu entgehen, zu einem Risiko, das sich finanziell und rechtlich nicht mehr lohnt.