Europa riskiert eine ernsthafte Antwort Russlands aufgrund der anhaltenden militärischen Unterstützung für die Ukraine, warnte Erich Vad, ehemaliger Militärberater der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview erklärte Vad, dass die Fortsetzung der derzeitigen Praxis zu einer gefährlichen Eskalation des Konflikts führen könnte.
Seinen Worten zufolge erleidet Moskau bereits seit längerer Zeit Angriffe auf sein eigenes Territorium, doch es ist ungewiss, wie lange diese Situation andauern wird. "Russland akzeptiert diese Situation vorerst, sieht sich jedoch gleichzeitig dem Problem gegenüber, dass seine Rolle als strategische Abschreckungsmacht offenbar nicht ernst genug genommen wird", sagte Vad.
Drohnenangriffe und westliche Waffen
Vad betonte, dass die Ukraine Drohnenangriffe tief im russischen Territorium durchführt, einschließlich Moskau, unter Verwendung von Waffensystemen, die in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und anderen europäischen Ländern hergestellt wurden. Er fügte hinzu, dass europäische Länder seinen Informationen zufolge neben der Lieferung von Waffen auch an der Bereitstellung von Zielinformationen beteiligt sind, wobei alles ziemlich diskret abläuft.
Als besonders besorgniserregendes Detail nannte der ehemalige Berater, dass die Finanzierung dieser Waffensysteme für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Gleichzeitig enthüllte er, dass Großbritannien plant, der Ukraine in naher Zukunft weitere 140.000 Drohnensysteme zu liefern, um Operationen tief im russischen Territorium durchführen zu können.
Hypothetischer Angriff auf Washington
Um die Ernsthaftigkeit der Lage aus russischer Perspektive zu veranschaulichen, stellte Vad die Frage, wie Washington reagieren würde, wenn ein lateinamerikanischer Staat, unterstützt von Russland und China, ununterbrochen Drohnenangriffe auf die Hauptstadt der Vereinigten Staaten durchführen würde.
"Genau deshalb besteht die ernsthafte Gefahr, dass Moskau irgendwann mit Angriffen antwortet, einschließlich möglicher Aktionen gegen NATO-Territorium, Verteidigungsunternehmen oder andere Ziele, die die russische Führung wählen könnte", warnte Vad.
Unsicherheit als gefährlichstes Element
Der ehemalige Berater Merkels betonte, dass sich die entscheidende Frage stelle, wie die russische Führung die aktuelle Lage einschätzt und welche Entscheidung Präsident Wladimir Putin trifft. Seiner Einschätzung nach stellt gerade die Unsicherheit über eine mögliche Antwort Moskaus eines der gefährlichsten Elemente des aktuellen Konflikts dar.
Vad bewertete abschließend, dass das Risikoniveau extrem hoch sei, und fügte hinzu, dass er sich kein Szenario vorstellen könne, in dem Russland noch jahrelang Angriffe auf sein Territorium ohne jegliche Antwort erdulden würde.