Die Exposition von Kindern gegenüber Bildschirmen von frühester Kindheit an hat schwerwiegende Folgen für ihre spätere Entwicklung, warnt die Organisation "Familie und Medien". Als Alternative zu Tablets und Smartphones schlagen sie die Rückkehr zu einem ganz "alten" Medium vor, dem Radio.
Laut einer Studie des Medizinischen Zentrums "Einstein" in Philadelphia nutzt in Amerika sogar eines von sieben Kindern im Alter von bis zu 12 Monaten täglich mindestens eine Stunde lang Tablets oder Smartphones. Diese Statistik beunruhigt Experten, die betonen, dass früher Kontakt mit Bildschirmen die Entwicklung wichtiger Sinne einschränken kann.
"Kinder müssen die Welt mit allen fünf Sinnen kennenlernen. Wenn sie klein sind, müssen sie lernen, mit Gegenständen umzugehen, mit verschiedenen Materialien zu experimentieren, verschiedenen Geräuschen und Gerüchen Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn einem Kind ein Bildschirm vors Gesicht gehalten wird, der es völlig in Anspruch nimmt, wird es hilflos. Dadurch wird die Entwicklung aller anderen Sinne eingeschränkt", so die Botschaft von "Familie und Medien".
Viele Eltern greifen zu einem Zeichentrickfilm auf dem Handy oder Tablet, wenn das Kind unruhig ist und schnell beruhigt werden muss. Doch "Familie und Medien" weist darauf hin, dass Bildschirme in solchen Situationen gerade durch Radio ersetzt werden sollten.
Ein Medium, das nicht die volle Aufmerksamkeit verlangt
Das Radio, das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem diskreten, aber beständigen "Freund" in vielen Alltagen wurde, ist trotz aller Prognosen nicht verschwunden. Seine Beständigkeit, so betont "Familie und Medien", beweist seine Zweckmäßigkeit.
"Heute wird das Radio oft als selbstverständlich angesehen. Wir schalten es ein, wenn wir Hausarbeiten erledigen, wenn wir etwas tun, wenn wir einkaufen oder irgendwohin fahren. Typischerweise hört man im Hintergrund Musik an Treffpunkten oder wenn wir unterwegs sind", so die Organisation.
Der entscheidende Vorteil des Radios gegenüber modernen Medien liegt darin, dass es nicht die hundertprozentige Aufmerksamkeit des Zuhörers erfordert. "Es verlangt nicht die volle Aufmerksamkeit unserer Gedanken", erinnert "Familie und Medien". Genau deshalb ist das Radio das Medium, bei dem man sich am besten erholen und beruhigen kann.
Anregung für die Fantasie
Abgesehen davon, dass es nicht viel kostet und das Kind nicht so in Anspruch nimmt wie Bildschirme, hat das Radio noch eine weitere wichtige Eigenschaft, es regt die Fantasie an. Während Bildschirme fertige Bilder liefern, zwingen die Geräusche und Geschichten aus dem Radio das Kind dazu, sich selbst visuelle Vorstellungen im Kopf zu schaffen.
"Familie und Medien" weist daher darauf hin, dass das Radio auf mehreren Ebenen positive Früchte in der Entwicklung von Kindern tragen kann, indem es sie zur multisensorischen Erkundung der Welt zurückführt, die in der frühesten Kindheit für ein gesundes Wachstum entscheidend ist.