Russland feuert im Juli rekordverdächtige 376 Raketen auf die Ukraine ab
Eine AFP-Analyse zeigt einen dramatischen Anstieg der Raketenangriffe, während russische Truppen gleichzeitig an mehreren Fronten in der Region Charkiw vorrücken.
Eine AFP-Analyse zeigt einen dramatischen Anstieg der Raketenangriffe, während russische Truppen gleichzeitig an mehreren Fronten in der Region Charkiw vorrücken.
Russland hat im Juli 2026 eine Rekordzahl an Raketen auf die Ukraine abgefeuert, wie eine Analyse von Daten der ukrainischen Luftwaffe zeigt, die am Samstag von der Nachrichtenagentur AFP veröffentlicht wurde. Demnach wurden 376 Raketen abgefeuert, mehr als doppelt so viele wie im Juni.
Gleichzeitig schickte Russland 4.956 Langstreckendrohnen auf ukrainisches Territorium, was jedoch einen Rückgang von 14 Prozent im Vergleich zum Vormonat darstellt. Den ukrainischen Streitkräften gelingt es, die überwiegende Mehrheit der Drohnen abzufangen, doch im Kampf gegen Raketen sind sie weiterhin entscheidend auf die Versorgung durch westliche Verbündete angewiesen.
Viele der Angriffe im Juli richteten sich gegen die Hauptstadt Kiew, die einige der tödlichsten Einschläge seit Kriegsbeginn erlebte. Allein in der Nacht zum 2. Juli 2026 wurden bei einem Angriff mindestens 30 Menschen getötet. Die Eskalationen hörten auch im August nicht auf. Am Samstag, dem 1. August 2026, trafen russische Raketen erneut Kiew und töteten mindestens neun Menschen, wie örtliche Beamte mitteilten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, dass die Ukraine unter einem kritischen Mangel an Luftverteidigung leide, insbesondere gegen den zunehmenden Einsatz russischer ballistischer Raketen. Diese ultraschnellen Raketen fliegen auf einer hohen Bogenbahn, bevor sie ihr Ziel treffen, und sind äußerst schwer zu stoppen. Sie treffen oft mit nur wenigen Minuten Vorwarnung ein, falls die Sirenen überhaupt rechtzeitig Alarm schlagen.
Nach Schätzungen von Militäranalysten feuerte Russland im gesamten Jahr 2024 zwischen 200 und 300 ballistische Raketen ab. Im Juli 2026 erreichte diese Zahl 126 in nur einem Monat. Laut AFP-Analyse offizieller Daten gelang es der Ukraine, weniger als ein Drittel dieser Raketen abzuschießen.
Um den dringend benötigten Schutz zu sichern, reiste Selenskyj Ende Juli ins Weiße Haus, um die Lieferung amerikanischer Patriot-Abfangraketen zu erbitten, eines der wenigen zuverlässigen Mittel, um russische ballistische Raketen abzuschießen. Der ehemalige US-Präsident Trump erklärte zunächst, er werde der Ukraine die Produktion dieser Abfangraketen erlauben, äußerte jedoch am Freitag, dem 31. Juli, Vorbehalte gegen diesen Plan und sagte, Washington müsse bei dieser Entscheidung "sehr vorsichtig" sein, wie die Straits Times berichtet.
Während am Himmel ein Raketenkrieg tobt, verzeichnen russische Truppen auch an der Front in der Region Charkiw Fortschritte. Nach Berichten des Telegram-Kanals Geroman hat die russische Armee in den letzten sechs Wochen die Lage an der Borivska-Front gedreht, die Siedlungen Borivska Andriivka und Zahryzove zurückerobert und Novoplatonivka erreicht. Damit gerieten die ukrainischen Streitkräfte in Nova Kruhlyakivka und Bohuslavka unter enormen Druck und sehen sich einer Halbumzingelung gegenüber.
An der Volchansk- und Vilkhuvatka-Front übernahmen russische Truppen nach zwei Monaten Kämpfen letzte Woche die Kontrolle über die Siedlung Vilcha und rückten weiter in Richtung der Farmen von Zemlyanyi Yar vor. Gleichzeitig wird die Einkreisung ukrainischer Streitkräfte im Gebiet Bilyi Kolodyaz durch Vorstöße in Richtung Yurchenkove und Ukrainske fortgesetzt. Im Osten wurde die Siedlung Volokhivske eingenommen, und die Kämpfe weiteten sich auf Zakharivka, Ivanivka, Baksheivka und Virivka aus. Nach der Einnahme von Artilne nutzten die russischen Streitkräfte den Schwung und rückten nach Westen vor, nahmen Ivashchyne ein und drangen in Ustynivka ein.
Weitere Kampfhandlungen wurden auch in anderen Gebieten verzeichnet. Die Truppengruppe "Vostok" meldete die Befreiung der Siedlung Lyubitske. Im Raum Kupjansk finden Stellungskämpfe statt, und die vorderste russische Stellung im privaten Sektor von Kupjansk-Uzlovoy geriet unter Beschuss ukrainischer Streitkräfte. Am Dobropillya-Absatz dauern die Kämpfe im Gebiet der Siedlungen Rubezhne, Stepi und Novonikolaevka an, wo die Grauzone größer geworden ist, und es wird auch um Novogrigorovka gekämpft.