Seit 2011 zieren auch Fahrzeuge mit auffälligen rosa Kennzeichen die Straßen der Republika Srpska. Es handelt sich um Kennzeichen, die an diplomatische und konsularische Vertretungen sowie internationale Organisationen ausgegeben werden. Doch was als protokollarische Vergünstigung gedacht war, wird in der Praxis zunehmend zu einem Mittel, um Verantwortung zu umgehen, was den Unmut der Bürger hervorruft und ernste Fragen zur Gleichheit vor dem Gesetz aufwirft.
Das Format dieser Kennzeichen ist spezifisch und umfasst Kennzeichnungen wie 'CD' für das diplomatische Korps, 'CM' für konsularische Vertretungen und 'CMD' für Missionsleiter. Sie werden vom Innenministerium der Republika Srpska ausgegeben und auch von ausländischen Botschaften verwendet, die in Bosnien und Herzegowina akkreditiert sind. Das Problem entsteht, weil Fahrer dieser Fahrzeuge gemäß der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen von 1961 und der über konsularische Beziehungen von 1963 Immunität vor Verkehrsstrafen genießen.
Vorfälle, die die Öffentlichkeit entzündet haben
Genau diese Immunität ist zum Stein des Anstoßes geworden. In den Medien wurden zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Autos mit rosa RS-Kennzeichen in Verkehrsverstöße, sogar Unfälle verwickelt waren, und dann einfach den Unfallort verließen. Diese Vorfälle, darunter auch Fahrzeuge der Oberklasse, haben die Wahrnehmung eines privilegierten Status ihrer Besitzer weiter verstärkt und eine Welle der Empörung in der Öffentlichkeit ausgelöst.
Verkehrssicherheitsverbände warnen, dass diese Praxis andere Verkehrsteilnehmer direkt gefährdet und ein Klima der Straflosigkeit schafft. Die Bürgerrechtsbeauftragten von BiH und die zuständigen Institutionen befinden sich oft in einem rechtlichen Vakuum, da die Zuständigkeit für die Ausstellung und Kontrolle dieser Kennzeichen zwischen den Entitäten, der Republika Srpska und der Föderation BiH, sowie der staatlichen Ebene geteilt ist, was zu einer Reihe von rechtlichen Unklarheiten führt.
Rechtliches Durcheinander und blockierte Reformen
Genau diese geteilte Zuständigkeit ist der Hauptgrund, warum Missbrauch schwer zu verfolgen ist. Obwohl es Initiativen zur Einführung eines einheitlichen, zentralisierten Systems für diplomatische Kennzeichen auf der Ebene ganz Bosnien und Herzegowinas gibt, blockieren politische Differenzen zwischen den Entitäten seit Jahren jeden Fortschritt. Während sich die Behörden in der RS auf ihre Entitätsautonomie berufen, fehlt auf staatlicher Ebene der politische Wille, eine einheitliche Lösung durchzusetzen.
Solange kein klarer und einheitlicher rechtlicher Rahmen geschaffen wird, werden die rosa RS-Kennzeichen ein Symbol für eine rechtliche Grauzone bleiben, in der sich privilegierte Personen über das Gesetz stellen können, und die Bürger werden weiterhin zu Recht die Frage stellen: Gelten die Gesetze für alle gleichermaßen?