Sildenafil aus Viagra stoppt Metastasen
Eine Studie mit fünf Millionen Patienten zeigt, dass der Wirkstoff des beliebten Medikaments die Versorgung von Tumorzellen mit Cholesterin blockieren kann, das für die Ausbreitung von Krebs entscheidend ist.
Eine Studie mit fünf Millionen Patienten zeigt, dass der Wirkstoff des beliebten Medikaments die Versorgung von Tumorzellen mit Cholesterin blockieren kann, das für die Ausbreitung von Krebs entscheidend ist.
Israelische Wissenschaftler haben eine außergewöhnliche Entdeckung veröffentlicht, die den Ansatz zur Behandlung von Krebs verändern könnte: Der Wirkstoff von Viagra, Sildenafil, zeigt Potenzial, Metastasen zu verlangsamen oder sogar zu verhindern. Der Schlüsselmechanismus liegt laut den Forschern in der Blockierung der Versorgung von Tumorzellen mit Cholesterin, einem Molekül, das eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Metastasen spielt.
Professorin Ayelet Erez vom Weizmann-Institut hat zusammen mit dem US-amerikanischen National Cancer Institute und dem israelischen Gesundheitssystem Clalit die Studie durchgeführt. Die Wissenschaftler kombinierten mehrere Methoden: Experimente an Mäusen, die Analyse von Kulturen menschlicher Tumorzellen und die Verarbeitung eines riesigen Datensatzes, der über 20 Jahre gesammelt wurde und etwa fünf Millionen Patienten umfasst.
Nach ihren Erkenntnissen blockiert Sildenafil den Transport von Cholesterin in Krebszellen, was deren Ausbreitung auf andere Körperteile erschwert. Zusätzlich testeten sie die Kombination mit Statinen, Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels, und beobachteten eine noch stärkere Wirkung. Statine verhindern, dass Krebszellen ihr eigenes Cholesterin produzieren, was in Kombination mit Sildenafil eine doppelte Blockade erzeugt.
Die Datenanalyse zeigte ein klares Muster: Patienten, die sechs Monate vor der Krebsdiagnose sowohl Sildenafil als auch Statine einnahmen, hatten die beste Überlebensrate. Die Studie untersuchte hauptsächlich Brustkrebs, Melanom und Lungenkrebs, und ähnliche Ergebnisse wurden auch bei Darm- und Prostatakrebs beobachtet.
Die Studienleiterin, Professorin Erez, kündigte an, dass der nächste Schritt die Durchführung klinischer Studien ist, mit besonderem Schwerpunkt auf Patientinnen mit Brustkrebs. Unabhängige Experten halten diese Ergebnisse für eine Möglichkeit, bestehende und leicht verfügbare Medikamente zur Behandlung von Krebs einzusetzen, betonen jedoch, dass weitere Forschung und klinische Studien erforderlich sind, bevor sie in der Praxis angewendet werden können, so der Bericht von The Times of Israel.