Der Fanvorfall in Varaždin, bei dem Mitglieder der Torcida nach dem Spiel Sitzschalen auf dem Gästesektor anzündeten, hat erneut die Frage nach der Toleranz gegenüber Gewalt bei Sportveranstaltungen in Kroatien aufgeworfen. Während die Polizei Ermittlungen durchführt und der Bürgermeister von Varaždin, Neven Bosilj, den Vandalismus aufs Schärfste verurteilt, fehlt eine klare Reaktion von der Spitze des Staates, was die entscheidende Frage aufwirft: Werden sich ähnliche Vorfälle auch an neuen Objekten wie dem zukünftigen Stadion in der Kranjčevićeva-Straße wiederholen?
Das Spiel der SuperSport HNL zwischen Varaždin und Hajduk, das mit 1:2 endete, wurde von etwas mehr als fünftausend Zuschauern verfolgt, darunter 400 Gästefans. Doch das Fußballspektakel wurde von einem Vorfall unmittelbar nach dem Schlusspfiff überschattet, als auf der Tribüne ein Feuer ausbrach. Dichter Rauch stieg über dem Stadion auf, und die Rettungskräfte griffen ein. Laut HRT-Bericht bestätigte die Polizei, dass sie Ermittlungen durchführt, um alle Umstände und die Verantwortlichkeit der Täter zu klären, während der Sachschaden erst nach der Spurensicherung feststehen wird.
Transparent, Beleidigungen und reduzierte Ticketpreise
Die Spannungen eskalierten bereits vor dem Brand. Während des Spiels entrollte die Torcida über den gesamten Gästesektor ein Transparent mit der Aufschrift: "Repression unter dem Deckmantel der Sicherheit, der Käfig auf der Tribüne ist ein Verstoß gegen die Menschlichkeit." Gleichzeitig skandierten sie von den Rängen "Je*o vas Dalić" (frei übersetzt: "Dalić, fick dich"), in Anspielung auf den ehemaligen kroatischen Nationaltrainer Zlatko Dalić, der eng mit dem Verein aus Varaždin verbunden ist.
Zusätzliche Spannung erzeugte die mehrtägige Diskussion über die Ticketpreise. NK Varaždin verlangte zunächst 18 Euro, beziehungsweise 19,50 Euro mit Gebühr für den Gästesektor, woraufhin die Torcida einen Boykott ankündigte. Nach Reaktionen senkte der Verein den Preis auf 10 Euro plus 1,50 Euro Gebühr, was die Fans akzeptierten und ihre Mitglieder aufriefen, die Tribünen zu betreten. Der Verein erklärte kurz, man sei gegenüber den Gästen fair gewesen, und so sei man ihnen gedankt worden.
Schärfste Verurteilung, aber auch Schweigen der politischen Führung
Der Bürgermeister von Varaždin, Neven Bosilj, verurteilte den Vandalismus aufs Schärfste und erklärte, dass Gewalt und die Zerstörung von Stadteigentum bei Sportveranstaltungen keinen Platz hätten und die Täter für den entstandenen Schaden zur Verantwortung gezogen werden müssten. Auf der anderen Seite fehlte eine Reaktion von Premierminister Andrej Plenković und Minister Davor Božinović, die sich in den letzten Tagen mit anderen Themen befasst hatten.
Premierminister Plenković hatte nämlich am Vortag auf Twitter veröffentlicht, dass er einen Brief mit 21 EU-Staats- und Regierungschefs an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, mitunterzeichnet habe, in dem die Besorgnis über den massiven Grenzübertritt in Ceuta zum Ausdruck gebracht wird. Dieses Engagement auf europäischer Ebene steht in scharfem Kontrast zum Fehlen eines Kommentars zum inländischen Problem der Eskalation von Fan-Gewalt.
Das Portal Teleskop.hr stellt in seiner Analyse den Verantwortlichen die direkte Frage: Wird die Torcida auch das neue Stadion in der Kranjčevićeva-Straße so frei anzünden, wenn es fertiggestellt ist? In dem Text wird auch das Schweigen der intellektuellen Elite kritisiert, einschließlich des Soziologen Dražen Lalić sowie der Kolumnisten Boris Dežulović, Jurica Pavičić und Viktor Ivančić, die sich laut dem Portal "tot stellen", bis die Vorfälle vorbei sind.
Die Spieler von Hajduk, angeführt vom Torschützen des einzigen Tores, Rokas Pukštas, gingen nach dem Spiel nicht zum Gästesektor, sondern versammelten sich in der Mitte des Feldes und applaudierten den Fans. Für die Heimmannschaft trafen Mario Mladenovski und Luka Mamić. Trotz des Vorfalls betont die Polizei, dass die meisten Sicherheitsmaßnahmen während des Tages ohne größere Probleme verliefen.