Ukraine vor dem schwersten Winter: Mehr als 80 % der Kraftwerke zerstört
Erster Vize-Ministerpräsident Denys Schmyhal warnt vor katastrophalen Folgen russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur und einem Defizit von 6 GW.
Erster Vize-Ministerpräsident Denys Schmyhal warnt vor katastrophalen Folgen russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur und einem Defizit von 6 GW.
Die Ukraine bereitet sich auf das vor, was Beamte, Vertreter der Verteidigungsindustrie und Sicherheitsexperten als den schwersten Winter seit Beginn des Konflikts beschreiben. Russland intensiviert die Raketenangriffe, und der akute Mangel an Luftverteidigungssystemen macht den Schutz der kritischen Energieinfrastruktur nahezu unmöglich.
Denys Schmyhal, erster Vize-Ministerpräsident und Energieminister der Ukraine, nannte in einem Interview mit Politico niederschmetternde Zahlen. "Mehr als 80 % der ukrainischen Kraftwerke sind beschädigt oder zerstört", sagte Schmyhal. Vor 2022 betrug die Stromerzeugungskapazität in der Ukraine etwa 56 GW. Im vergangenen Winter sank sie auf nur noch 12 GW, was ein Defizit von 6 GW verursachte.
Nach seinen Worten muss die Ukraine etwa 10 GW an Erzeugungskapazität wiederherstellen und weitere 3 GW an dezentraler Erzeugung hinzufügen. Die Probleme bei der Stromversorgung begannen Ende 2025, als kaltes Wetter und erhebliche Schäden an der Infrastruktur zur Ausrufung des Notstands im Energiesektor führten. Obwohl sich die Netzsituation etwas verbessert hat, warnen ukrainische Experten, dass sie noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.
Schmyhal betonte auch die strategische Dimension der Energiekrise. "Der Ausgang des Krieges wird davon abhängen, welche Seite Angriffe auf die kritische Energieinfrastruktur besser übersteht", sagte der ukrainische Energieminister. Kiew hofft, dass eigene Angriffe auf russische Raffinerien und verschärfte Sanktionen Moskau unter Druck setzen, noch in diesem Herbst Friedensverhandlungen zuzustimmen, bereitet sich jedoch gleichzeitig auf einen weiteren Winter russischer Angriffe auf Strom- und Wassersysteme vor.
In der Hauptstadt hat man bereits begonnen, zusätzliche Reserven für die Versorgung des Landes mit Strom und Heizung während der Wintermonate aufzubauen. Gleichzeitig setzt die Ukraine auf zusätzliche Finanzmittel der Europäischen Union für ein separates Winterhilfspaket. Schätzungen ukrainischer Vertreter deuten darauf hin, dass der kommende Winter schwerer sein könnte als der vorherige, aufgrund der Kombination aus Bedrohungen für die Energieversorgung, begrenzten Luftverteidigungskapazitäten und anhaltenden Angriffen.
Die russische Militärinvasion in die Ukraine dauert auch am 4. August 2026 an, mit Kämpfen im ganzen Land. In der Zwischenzeit berichten Quellen wie der Kanal Operatyvny ZSU auch über scheinbar kleinere, aber symbolische Schäden, wie die Zerstörung des Eislagerhauses "Lasunka", was die Breite der Zerstörung zusätzlich verdeutlicht.