Der Absturz eines Notfallmedizin-Flugzeugs in New Mexico, bei dem am 14. Mai vier Menschen ums Leben kamen, könnte der erste bekannte Fall in den USA sein, bei dem militärische GPS-Störungen zu einer Tragödie eines zivilen Flugzeugs beigetragen haben, berichtet The Telegraph. Ein vorläufiger Bericht des US-amerikanischen National Transportation Safety Board (NTSB), veröffentlicht am 6. August 2026, deutet auf eine besorgniserregende zeitliche Übereinstimmung zwischen dem Unfall und einer militärischen Übung auf einem nahegelegenen Übungsgelände hin.
Das kleine zweimotorige Flugzeug, das für medizinische Evakuierungen vorgesehen war, stürzte in den Capitan Mountains nahe der Stadt Ruidoso ab. Bei dem Unfall kamen zwei Piloten und zwei Krankenschwestern ums Leben, und der Aufprall löste einen großen Waldbrand aus, der wochenlang schwelte.
GPS-Signal verschwand im entscheidenden Moment
Laut dem NTSB-Bericht verlor das Flugzeug unmittelbar vor dem Aufprall die Fähigkeit zur Navigation per GPS. Die Besatzung meldete der Flugkontrolle ernsthafte Probleme, und gleichzeitig hatten auch andere Flugzeuge in der Flugzone dieselben Schwierigkeiten. Die Fluglotsen schätzten die Situation als ernst genug ein, um das Militär zu bitten, die Störübung auf dem Raketentestgelände White Sands vorübergehend zu unterbrechen.
Aus dem NTSB-Bericht geht eine dramatische Kommunikation hervor: "Der Pilot antwortete, dass sie die Höhe korrigierten und dass das Flugzeug die Fähigkeit zur GPS-Navigation verloren hatte, und merkte an, dass sie eine Kursführung benötigen würden." Die Besatzung erhielt daraufhin die Freigabe für einen Sichtanflug, und das Militär wurde informiert, dass es mit der Störung fortfahren könne. Das desorientierte Flugzeug schlug kurz darauf in den Berg ein, etwa 22 Kilometer nordöstlich des Ziels.
Zunehmende Anzahl von GPS-Vorfällen
Obwohl der vorläufige Bericht keine endgültige Schlussfolgerung über einen direkten kausalen Zusammenhang zieht, bestätigt er, dass die militärische GPS-Störübung zum Zeitpunkt des Absturzes aktiv war. Der endgültige Bericht, der die genaue Unfallursache feststellen soll, wird für das nächste Jahr erwartet. Sollte der Zusammenhang bestätigt werden, wäre dies laut The Telegraph ein Präzedenzfall in der Geschichte der US-Luftfahrt.
Daten der Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA) zeigen einen alarmierenden Trend: Die Zahl der gemeldeten GPS-Störvorfälle im kontinentalen Teil der USA ist von vier im Jahr 2020 auf ganze 50 im Jahr 2024 gestiegen. Dieser drastische Anstieg unterstreicht zusätzlich das wachsende Risiko, das militärische Signalstörtechnologien für die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs darstellen.