Al Nassr, der saudische Meister der Saison 2025/26 und Verein von Cristiano Ronaldo, steht vor einer schweren Finanzkrise, die den Verein im Sommer-Transferfenster völlig lahmgelegt hat. Laut Berichten der saudischen Zeitung Arriyadiyah und des Portals Goal.com übersteigen die Schulden des Vereins 800 Millionen saudi-arabische Riyal, was zwei kroatische Quellen unterschiedlich umrechnen: 24sata gibt mehr als 187 Millionen Euro an, während Index.hr von rund 200 Millionen Euro schreibt. Beide Quellen sind sich einig, dass der Betrag in Riyal identisch ist, die Differenz ergibt sich bei der Umrechnung in Euro.
Blockierte Transfers und gescheiterte Vereinbarungen
Die finanzielle Blockade hat die Pläne des Vereins für die kommende Saison direkt getroffen. Obwohl eine Einigung mit Real Mallorca über den Transfer des portugiesischen Mittelfeldspielers Samu Costa erzielt wurde, kam das Geschäft letztlich nicht zustande, da keine neuen Spieler registriert werden konnten. Ebenso wurden die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Spieler Abdulrahman Ghareeb gestoppt. Der saudische Staatsfonds PIF, Eigentümer von Al Nassr, hat dem Verein verboten, neue Spieler zu verpflichten, bis sich die finanzielle Situation stabilisiert hat.
Dreistufiger Plan des PIF
Laut Arriyadiyah hat der PIF eine dreistufige Strategie vorbereitet, um den Wert des Vereins zu schützen und eine weitere Anhäufung von Schulden zu verhindern. Der erste Schritt ist bereits in Kraft: Einschränkung der finanziellen Befugnisse der derzeitigen Geschäftsführung, weshalb der Verein ohne Sicherung von Mitteln aus eigenen Einnahmen keine neuen Verstärkungen verpflichten kann. Der zweite Schritt umfasst die Beauftragung externer Finanz-, Handels- und Rechtsberater, deren Aufgabe es ist, Einnahmen zu steigern, Kosten zu senken und konkrete Lösungen mit klaren Fristen vorzuschlagen. Der dritte und letzte Schritt ist die Prüfung von Angeboten zum Verkauf des Vereins, und nach verfügbaren Informationen hat der PIF bereits zwei Angebote erhalten, obwohl er angeblich die Option eines Teilverkaufs der Eigentumsanteile bevorzugt.
Beispiel des Rivalen als Hoffnung auf Erholung
Die Fans von Al Nassr sehen eine Hoffnung auf Bewältigung der Krise im Beispiel des Stadtrivalen Al-Hilal. Dieser Verein wurde im April 2025 von der Kingdom Holding Company, im Besitz von Prinz Al-Waleed bin Talal, übernommen, was dem Verein finanzielle Stabilität brachte und die Fortsetzung der sportlichen Entwicklung ermöglichte. Ein ähnliches Szenario, in Form eines Verkaufs oder einer Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse, könnte auch für Al Nassr eine Lösung sein.
Ronaldo und die Stars in einer ungewissen Situation
Die Finanzkrise ist besonders interessant, da Al Nassr die Heimat von Cristiano Ronaldo ist, einem der größten Fußballstars in der Geschichte des Sports. Der Verein hat in den vergangenen Jahren auch eine Reihe anderer bekannter Namen angezogen: Sadio Mané, João Félix, Kingsley Coman, Marcelo Brozović, Íñigo Martínez und Mohamed Simakan. Ob die Finanzkrise die Zukunft Ronaldos im Verein beeinflussen wird, ist bisher nicht bekannt.
Ein Verein mit reicher Geschichte, aber auch neuen Herausforderungen
Al Nassr ist einer der ältesten und erfolgreichsten saudischen Vereine, gegründet 1955 in Riad. Auf internationaler Ebene hinterließ er 1998 die größten Spuren, als er den Asian Cup Winners' Cup und den Asian Super Cup gewann und sich damit einen Platz bei der ersten FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2000 sicherte, als erster asiatischer Verein, der an diesem Turnier teilnahm. Als größte Vereinslegende gilt der saudische Stürmer Majed Abdullah, der zwei Jahrzehnte für den Verein spielte und 260 Tore erzielte. Trotz der reichen Tradition steht der Verein nun vor einer der größten finanziellen Herausforderungen seiner Geschichte.