Die U16-Wasserball-Weltmeisterschaft in Zagreb wird als einer der größten Skandale in der Geschichte dieses Sports in Erinnerung bleiben. Statt eines Kampfes um Medaillen fanden sich 36 Nationalteams im Strudel eines radikalen Experiments des Weltverbands wieder, der das traditionelle Punktesystem durch den TPI-Index (Tournament Performance Index) ersetzte und damit Verbände, Trainer und Fans gleichermaßen erzürnte.
Mathematik, die den Sport überrollte
Das neue Format war von der Fußball-Champions-League und dem Schach-Elo-System inspiriert. Jedes der 36 Teams bestritt vier Spiele gegen verschiedene Gegner, und die acht besten nach TPI-Durchschnitt erreichten das Viertelfinale. Der Index wurde auf Basis von drei Faktoren berechnet: Spielausgang, Tordifferenz (begrenzt auf +8) und Stärke des Gegners gemäß Weltrangliste und Elo-Wertung vor dem Turnier.
Genau dieser dritte Faktor, die Gewichtung des Gegners, führte zu absurden Situationen, in denen die im Becken erzielten Ergebnisse völlig bedeutungslos wurden. Serbische Medien, darunter Kurir, nannten das Format einen "Sportverbrechen".
Montenegros Paradoxon: Drei Siege und trotzdem raus
Das drastischste Beispiel für die Unlogik ist Montenegro. Das Team holte in der ersten Runde drei Siege und nur eine Niederlage, sammelte fünf Punkte und verlor auf dem Papier nur 20% der möglichen Punkte. Trotzdem landete es wegen eines schlechten TPI-Indexes nur auf Platz 17 und verpasste den Medaillenkampf.
Noch bizarrer war die Situation Deutschlands. Obwohl es gegen die USA und Montenegro verlor, landete es in der Endtabelle auf Platz 14, vor den Montenegrinern, nur weil seine Gegner statistisch gesehen eine höhere historische Wertung hatten.
Russland auf dem letzten Platz, schlägt aber Favoriten
Das System bestrafte besonders Griechenland. Wegen der Unterbrechung internationaler Wettbewerbe wurde die starke russische Auswahl auf dem letzten Platz der offiziellen Liste geführt. Als Griechenland gegen Russland verlor, interpretierte die Formel dies als Niederlage gegen den schlechtesten Außenseiter und reduzierte die griechischen TPI-Punkte drastisch. So verpassten die Griechen den Einzug unter die besten Acht, obwohl sie beim Turnier Größen wie Spanien und Ungarn besiegt hatten.
Kroatiens Sieg weniger wert
Auch das Gastgeberteam blieb nicht vom Absurden verschont. Ungarns deutlicher Sieg gegen das schwache Malaysia (18:3) brachte mehr TPI-Punkte als Kroatiens dominanter Triumph gegen das starke Georgien (20:4). Obwohl das System für die jungen Wasserballer völlig verwirrend und demotivierend war, gelang es dem serbischen Team, alle Hindernisse zu überwinden und am Ende die Bronzemedaille zu gewinnen, indem es die USA nach einer spannenden Penalty-Serie besiegte.