Andrija Mikulić, der ehemalige oberste Staatsinspektor, steht im Zentrum eines Skandals, der Kroatien erschüttert. Seine politische Biografie, die von der Mitgliedschaft im Bund der Kommunisten bis zur Nähe zur HDZ-Spitze reicht, steht nun wegen Korruptionsvorwürfen und der Umweltkatastrophe in Lika, die sich unter seiner Aufsicht ereignete, unter der Lupe.
Von der kommunistischen Jugend zum HDZ-Kader
Geboren 1969 in Zagreb, zeigte Mikulić laut Teleskop.hr früh politischen Ehrgeiz. Bereits als junger Mann trat er dem Bund der Kommunisten Kroatiens bei und war in den Jugendstrukturen aktiv. Nach dem Zerfall Jugoslawiens setzte er seine Karriere in der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft fort, wo er über Jahre hinweg eine Position innerhalb der Zagreber Organisation aufbaute.
Sein Aufstieg war besonders in der Zeit von Tomislav Karamarko und Milijan Brkić ausgeprägt, bis er 2012 an die Spitze der Zagreber HDZ gelangte. Obwohl er nicht für Wahlsiege bekannt war, zeichnete er sich als Meister des politischen Überlebens aus. Er überlebte Karamarko, überdauerte Brkićs Strömung und erlebte die Ära von Andrej Plenković, und dank der Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Bürgermeister Milan Bandić wurde er auch Präsident der Zagreber Stadtversammlung.
Ernennung auf eine Schlüsselposition und Beginn des Skandals
Premierminister Andrej Plenković schickte ihn 2019 nicht in den Ruhestand, sondern ernannte ihn auf eine der mächtigsten Verwaltungspositionen im Staat, die des obersten Staatsinspektors. An der Spitze der Staatsinspektion, einer Institution mit enormen Befugnissen, sollte Mikulić der entscheidende Damm gegen Rechtswidrigkeiten sein.
Doch der Skandal um illegal entsorgten Abfall in Lika zeigte, dass das System tief versagt hat. Während Zehntausende Tonnen Abfall importiert und an Standorten in Gospić und anderswo entsorgt wurden, verhinderte die Staatsinspektion die Umweltkatastrophe nicht. Die Geschichte wurde noch ernster, als aufgedeckt wurde, dass ausgerechnet Paško Dodić Josip Šincek, eine Schlüsselfigur im Skandal, mit Andrija Mikulić bekannt gemacht hatte.
Treffen unter der Lupe und Bestechungsvorwurf
Mikulić selbst bestätigte gegenüber 24sata, dass er Šincek kennt und dass Dodić sie bekannt gemacht hat. Laut derselben Quelle waren ihre Treffen keine isolierten Ereignisse. Zeugen sahen sie gemeinsam in Gospić, und Teleskop.hr berichtet auch über Treffen in Mikulićs Haus im Zagreber Stadtteil Dubrava, bei Šinceks in Varaždin sowie bei einem geselligen Beisammensein, an dem auch Dodić teilnahm.
Die schwerste Anschuldigung kam vor der USKOK. Josip Šincek behauptete, Mikulić habe von ihm 500.000 Euro Bestechungsgeld verlangt, damit die Inspektion ihn "in Ruhe lässt". Mikulić wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, er habe stets ausschließlich nach dem Gesetz gehandelt. Dennoch wirft dieser Vorwurf die Frage auf, ob der oberste Staatsinspektor nur unfähig war, das System zu stoppen, oder ob er selbst Teil davon geworden ist.
Plenković: Verantwortliche werden zur Rechenschaft gezogen, Kraftstoff wird billiger
Während die Ermittlungen laufen, äußerte sich Premierminister Plenković zu beiden Themen. "Alle, die für die Abfallentsorgung in Gospić und Lika verantwortlich sind, müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und damit befassen sich die zuständigen Behörden", schrieb er auf Twitter. Er fügte hinzu, dass das Ministerium für Umweltschutz und grüne Transition sowie der Umweltfonds die Aufgabe hätten, den Abfall durch ein rechtmäßiges und transparentes Verfahren zu sanieren, und versprach, dass das Problem wie der Ballenabfall in Varaždin gelöst werde.
Gleichzeitig kündigte Plenković auch gute Nachrichten für die Bürger an. "Wir haben beschlossen, die Methodik zu ändern, und die kroatische Regierung wird nun wöchentlich statt zweiwöchentlich reagieren", erklärte er und kündigte eine dringende Regierungssitzung an. Nach seinen Worten werden die Preise für alle fünf Energieträger sinken: Eurosuper um 6 Cent pro Liter, Eurodiesel um 4, blauer Diesel um 3 und Gas in Tanks und Flaschen um 8 Cent.