Verteidigungsminister Ivan Anušić war am Dienstag, dem 5. August 2026, in der Hauptausgabe der HRT-Nachrichten anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges und der Heimatdankbarkeit sowie zum Tag der kroatischen Verteidiger in Knin zu Gast. Im ausführlichen Gespräch ging er auf den Verlauf der diesjährigen Feierlichkeiten, die historischen Lehren des Heimatkrieges, den Umgang mit Gefangenen und den Modernisierungsprozess der Streitkräfte der Republik Kroatien ein.
Veteranen hielten zweieinhalb Stunden in der Hitze durch
Anušić zeigte sich äußerst zufrieden mit der Organisation der Feierlichkeiten und betonte, dass das gesamte Programm einwandfrei verlaufen sei. "In organisatorischer Hinsicht ist alles gut verlaufen. Wir haben gemeinsam an der Organisation gearbeitet. Es gab Hubschrauber, die Kunstflugstaffel Krila Oluje trat auf, wir sahen auch Rafales, Drohnen und Spezialkräfte", sagte der Minister gegenüber HRT.
Besonders dankte er den Kriegsveteranen, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters und angeschlagener Gesundheit die gesamte Zeremonie durchhielten. "Das sind Menschen, die schon viele Jahre auf dem Buckel haben und krank sind. Ich bin froh, dass auch sie zweieinhalb Stunden in dieser Hitze durchgehalten haben", fügte er hinzu.
Vom unbewaffneten Staat zur siegreichen Armee
Mit Blick auf die Anfänge des Heimatkrieges beschrieb Anušić bildhaft die schwierige Lage Kroatiens im Jahr 1990. "Wir waren völlig unbewaffnet und ungeschützt, völlig ungeschützt vor der europäischen Politik oder der UNO. Wir wurden zurückgelassen wie jemand, den die aufständische serbische Armee ‚erledigen' sollte, so wie sie leider tausende unserer Zivilisten, Verteidiger, Frauen und Kinder ermordet haben", sagte er.
Trotz des Embargos und des Waffenmangels gelang es Kroatien, sich zu organisieren. "Wir haben es geschafft, uns mit unglaublichem Mut, Geschick und Improvisation zu organisieren, das muss man offen sagen. Wir haben uns widersetzt, wir haben sie 1991 gestoppt und ihnen in Vukovar das Rückgrat gebrochen. Danach haben wir uns auf das Jahr 1995 vorbereitet. In der Zwischenzeit wurden wir von Europa und der Welt anerkannt, und alles war in zwei Tagen erledigt", betonte der Minister. Er fügte hinzu, dass der Heimatkrieg die lang ersehnte Unabhängigkeit gebracht habe: "Wir haben einen unabhängigen und souveränen Staat geschaffen, auf den wir Jahrhunderte gewartet haben. Nur der Himmel ist unsere Grenze."
Humaner Umgang mit Gefangenen als bleibender Unterschied
Der Verteidigungsminister hob besonders die ethische Dimension der militärisch-polizeilichen Operationen hervor und zog eine scharfe Trennlinie zwischen dem Vorgehen der kroatischen Streitkräfte und den feindlichen Einheiten. "Im Heimatkrieg wurden 402 Kinder getötet. Sie haben auf Spielplätze geschossen, während Kinder spielten. Das passiert nicht zufällig, das ist eine solche Geisteshaltung", sagte Anušić.
Im Gegensatz dazu behandelten die kroatischen Verteidiger die Gefangenen menschlich. "Die Kroaten haben ihnen vier Jahre später, als sie alles befreit hatten, Wasser und Brot gebracht, ihre Soldaten wurden eingekleidet, gefüttert und gebadet und zu ihren Familien zurückgebracht", betonte er. Er erinnerte sich auch an seine eigenen Erfahrungen in der Operation Bljesak: "Ich erinnere mich an Bljesak, als wir Dörfer befreiten und sich uns zehn, fünfzehn Soldaten ergaben. Niemand hat sie buchstäblich auch nur angeschaut, geschweige denn ihnen etwas angetan. Sie bekamen alles, was sie brauchten, wurden zu ihren Familien gebracht, erhielten Zivilkleidung und gingen, wohin sie wollten."
Anušić rief zu einem Vergleich der Schicksale auf: "Schauen Sie sich unsere Gefangenen an, die zurückgekehrt sind, schauen Sie sich die an, die nicht zurückgekehrt sind, wie sie massakriert wurden und was man ihnen angetan hat. Das ist der Unterschied zwischen uns und einigen anderen."
Technologie ohne Mensch bedeutet nichts
Mit Blick auf die Modernisierung der kroatischen Armee und die Beschaffung hochentwickelter Ausrüstung fasste Anušić seine klare Haltung in einem Satz zusammen: "Ich werde ehrlich sein, nein, aber sie kann sehr viel helfen. Ich erinnere an das Jahr 1990, als wir nichts hatten, unter Embargo standen und es trotzdem geschafft haben zu siegen. Der Mensch ist entscheidend, ohne ihn gibt es nichts. Ein Rafale ist ohne Piloten nichts, das ist ein ‚Stück Stahl'."
Der Minister schloss mit den Worten, dass das Verteidigungsministerium nicht nur für die Ausrüstung der Streitkräfte der Republik Kroatien sorge, sondern auch für deren Angehörige. "Wir rüsten nicht nur die Streitkräfte der Republik Kroatien aus, sondern kümmern uns um ihre Angehörigen, ihre materiellen Rechte und Arbeitsbedingungen. Hier heben wir den Standard ernsthaft an. Das Entscheidende für das kroatische Volk ist, dass wir, wenn wir zusammenstehen, unbesiegbar sind, und wann immer es nötig ist, kommt diese Einheit zum Vorschein", so Anušić.