Die politische Bühne in Baška Voda erlebte am Samstag, dem 9. August 2026, ein Erdbeben, als sechs Mitglieder des Gemeinderats öffentlich erklärten, Bürgermeister Vjekoslav Radić nicht länger zu unterstützen. Dieser Schritt markiert das faktische Ende der regierenden Koalition aus Unabhängiger Liste (NL) und SDP, die Radić im dritten Wahlgang der Kommunalwahlen zum Sieg verholfen und die HDZ nach 32 Jahren von der Macht verdrängt hatte.
Die gemeinsame Erklärung wurde von den SDP-Räten Melinda Borković und Dino Beroš sowie den unabhängigen Räten Nikolina Divić, Luka Granić, Matejas Josipović und Josip Topalović unterzeichnet. Sie stellen sechs der insgesamt sieben Ratsmitglieder der Regierungsmehrheit dar, wodurch Radićs Mehrheit im Rat ernsthaft in Frage gestellt wird.
'Wir wollten nicht stürzen, wir wollten verbessern'
In ihrer Stellungnahme betonten die Räte, dass sie die Entscheidung nicht über Nacht getroffen haben. Sie erklärten, dass sie im vergangenen Jahr wiederholt auf Probleme hingewiesen und versucht hätten, Veränderungen anzustoßen, doch ihre Vorschläge seien auf taube Ohren gestoßen.
"Der Bürgermeister, für den wir gekämpft und dem wir unser Vertrauen geschenkt haben, hat unsere Unterstützung nicht mehr", so die Räte.
Sie fügten hinzu, dass sie nicht wegen Ämtern oder persönlicher Interessen in die Politik gegangen seien, sondern weil sie glaubten, dass die Interessen der Gemeinde und ihrer Bürger über politischen und individuellen Interessen stehen müssten. "Wir wollten nicht stürzen. Wir wollten verbessern. Wir haben Chancen gegeben und geglaubt, dass sich Dinge durch Gespräche und gegenseitigen Respekt ändern lassen. Leider wurden unsere Warnungen und Vorschläge nicht ausreichend gehört", so ihre Worte.
Vorwürfe an die Opposition und Ankündigung einer 'Interessenkoalition'
In der Erklärung blieben sie nicht nur bei der Kritik am Bürgermeister stehen. Sie äußerten sich auch zu den Beziehungen innerhalb der Gemeinde und erklärten, sie wollten nicht länger Teil eines "politischen Zirkus, geheimer Absprachen, Kalkulationen und des Handels mit Unterstützung" sein. Dabei warfen sie auch der bisherigen Opposition vor, hinter den Kulissen eine Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister zu vereinbaren. Konkrete Namen und Details der angeblichen Absprache wurden nicht genannt, aber die Räte kündigten an, dass die Dinge sehr bald ans Licht kommen würden.
"Bald werden Sie selbst sehen, dass in der Politik alles möglich ist, auch eine Interessenkoalition derer, die bis gestern die größten politischen Feinde waren", heißt es in der Erklärung.
Keine Opposition 'automatisch'
Obwohl sie dem Bürgermeister das Vertrauen entzogen haben, betonten die Räte, dass dies nicht bedeute, dass sie automatisch jeden Vorschlag der Gemeindeverwaltung ablehnen würden. "Wir werden jede Entscheidung unterstützen, die gut für unsere Gemeinde ist, egal wer sie vorschlägt. Gegen jede schlechte Entscheidung werden wir weiterhin kämpfen, egal wer dahintersteht", so ihre Botschaft.
Als Prioritäten ihrer weiteren Arbeit nannten sie Themen rund um Baško Polje, den Hafen, Revisionen, öffentliche Ausschreibungen, die Verwendung von Gemeindegeldern und den Bebauungsplan. "Wir wurden nicht gewählt, um zu schweigen. Wir wurden gewählt, um Sie zu vertreten. Und genau das werden wir weiterhin tun", schlossen Borković, Divić, Beroš, Granić, Josipović und Topalović.
Wie Josip Topalović im Namen der Koalition für Slobodna Dalmacija erklärte, wenden sie sich ausschließlich als Räte an die Öffentlichkeit, denen die Bürger ihr Vertrauen geschenkt haben. "Als wir diese ehrenvolle und verantwortungsvolle Aufgabe übernommen haben, wussten wir, warum wir uns darauf einlassen. Wir sind nicht wegen Ämtern hier...", sagte Topalović.