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Wiener Firma lieferte russischem Rostec Technologie im Wert von 3,3 Millionen Euro

Der österreichische Geheimdienst deckte ein ausgeklügeltes Netzwerk auf, das mit gefälschten Dokumenten präzise europäische Ausrüstung an die russische Rüstungsindustrie umleitete. Ein 28-jähriger Belarusse als Kopf der Operation wurde festgenommen.

Foto: Telegram
Kurz gesagt
  • Der österreichische Geheimdienst deckte ein Netzwerk auf, das EU-Sanktionen umging und Ausrüstung an den russischen Rostec lieferte.
  • Der Wert der seit 2022 gelieferten Ausrüstung beträgt 3,3 Millionen Euro; die Ware lief über acht Zwischenländer.
  • Der 28-jährige Geschäftsführer der Scheinfirma aus Belarus wurde festgenommen; Kanada verhängte synchron neue Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie.

Die österreichischen Behörden gaben am Montag bekannt, dass der dortige Geheimdienst ein internationales Netzwerk aufgedeckt hat, das entgegen den Sanktionen der Europäischen Union russische Waffenhersteller mit wichtigen Komponenten versorgte. Es handelt sich um Teile für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge; Details der Operation wurden vom österreichischen Innenministerium mitgeteilt.

Als zentraler Punkt des Schemas diente eine fiktive Firma mit Sitz in Wien. Laut Ministerium hat diese seit 2022 Ausrüstung im Gesamtwert von 3,3 Millionen Euro nach Russland weitergeleitet; die Beschaffung von Industriegütern für die russische Armee dauerte eigentlich schon seit 2019 an.

Täuschten Hersteller mit falschen Zertifikaten

Das Ministerium gab bekannt, dass über eine Kette von Zwischenhändlern computergesteuerte Schneidemaschinen für die Serienproduktion sowie spezialisierte Werkzeuge zur Metallbearbeitung exportiert wurden. Die Routen führten durch acht Länder: Belarus, Hongkong, Kirgisistan, Litauen, Polen, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Um das tatsächliche Ziel der Ware zu verschleiern, verwendeten die Organisatoren gefälschte Endverbleibsdokumente. "Europäische Hersteller wurden in dem Glauben gelassen, dass die Ware in Drittländern bleibt. In Wirklichkeit war sie für Unternehmen bestimmt, die mit dem russischen Staatskonzern Rostec verbunden sind", teilte das österreichische Innenministerium mit. Rostec steht unter internationalen Sanktionen und deckt eigenen Angaben zufolge die Hälfte der gesamten russischen Rüstungsproduktion ab.

Von Panzir-Raketen bis Iskander-Marschflugkörper

Zum Arsenal, das Rostec herstellt, gehören das Flugabwehrsystem Panzir, der Marschflugkörper Ch-101 und die ballistische Rakete Iskander. Diese Waffen werden regelmäßig bei tödlichen Angriffen auf ukrainische Zivilisten eingesetzt. Nur wenige Tage vor dieser Ankündigung, am 8. August, kamen bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew und die Region Kiew vier Menschen ums Leben, darunter ein dreijähriges Kind. Bei einem früheren Angriff mit ballistischen Raketen am 5. August wurden 17 Personen getötet.

Schwere Kritik äußerte auch der österreichische Staatssekretär Jörg Leichtfried. "Es ist inakzeptabel, dass hochpräzise europäische Technologie in die Produktion von Marschflugkörpern und Flugabwehrsystemen fließt. Wir werden weiterhin entschlossen handeln, in voller internationaler Zusammenarbeit, gegen alle, die versuchen, gesetzliche Verbote zu umgehen, um die russische Rüstungsindustrie zu unterstützen", so Leichtfried.

Festnahme des Geschäftsführers und Beschlagnahme von Daten

Die Schlüsselfigur hinter dieser Operation, ein belarussischer Staatsbürger, der als Geschäftsführer und Miteigentümer der fraglichen österreichischen Firma fungierte, wurde am 13. Mai festgenommen. Dabei wurden Vermögenswerte im Wert von 140.000 Euro beschlagnahmt. Die Ermittlungen umfassten zudem eine frühere Durchsuchungsaktion im August 2025, bei der die Behörden 40 Datenspeichergeräte sicherstellten.

Kanada verhängt synchron Sanktionen

Gleichzeitig mit der österreichischen Entdeckung gab das kanadische Außenministerium am 10. August bekannt, dass es sich der Ukraine und Europa anschließt, indem es Sanktionen gegen den russischen Verteidigungsausrüstungshersteller Streit Group verhängt. "Die heute angekündigten Sanktionen werden die russischen militärischen Fähigkeiten im Krieg gegen die Ukraine verringern, da sie die Kapazitäten der Streit Group zur Versorgung Russlands mit Militärtechnologie und -ausrüstung stören und erschweren", heißt es in der Erklärung des kanadischen Ministeriums.

Häufige Fragen
Wie gelang es dem Netzwerk, die EU-Sanktionen zu umgehen? +
Sie verwendeten gefälschte Endverbleibszertifikate, um europäische Hersteller zu überzeugen, dass die Ware in Drittländern bleibt, während sie tatsächlich nach Russland ging.
Wer wurde bei dieser Aktion festgenommen? +
Festgenommen wurde ein 28-jähriger belarussischer Staatsbürger, der Geschäftsführer und Miteigentümer der fiktiven österreichischen Firma war, die in dem Schema verwendet wurde.
Welche russischen Raketen wurden mit der geschmuggelten Ausrüstung hergestellt? +
Die Ausrüstung ging an den Konzern Rostec, der das Panzir-System, den Marschflugkörper Ch-101 und die ballistische Rakete Iskander herstellt.
Wie reagierte die internationale Gemeinschaft? +
Kanada kündigte am selben Tag eigene Sanktionen gegen den russischen Hersteller Streit Group an und schloss sich damit der Ukraine und Europa an.

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