Die österreichischen Behörden gaben am Montag bekannt, dass der dortige Geheimdienst ein internationales Netzwerk aufgedeckt hat, das entgegen den Sanktionen der Europäischen Union russische Waffenhersteller mit wichtigen Komponenten versorgte. Es handelt sich um Teile für Marschflugkörper und Kampfflugzeuge; Details der Operation wurden vom österreichischen Innenministerium mitgeteilt.
Als zentraler Punkt des Schemas diente eine fiktive Firma mit Sitz in Wien. Laut Ministerium hat diese seit 2022 Ausrüstung im Gesamtwert von 3,3 Millionen Euro nach Russland weitergeleitet; die Beschaffung von Industriegütern für die russische Armee dauerte eigentlich schon seit 2019 an.
Täuschten Hersteller mit falschen Zertifikaten
Das Ministerium gab bekannt, dass über eine Kette von Zwischenhändlern computergesteuerte Schneidemaschinen für die Serienproduktion sowie spezialisierte Werkzeuge zur Metallbearbeitung exportiert wurden. Die Routen führten durch acht Länder: Belarus, Hongkong, Kirgisistan, Litauen, Polen, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Um das tatsächliche Ziel der Ware zu verschleiern, verwendeten die Organisatoren gefälschte Endverbleibsdokumente. "Europäische Hersteller wurden in dem Glauben gelassen, dass die Ware in Drittländern bleibt. In Wirklichkeit war sie für Unternehmen bestimmt, die mit dem russischen Staatskonzern Rostec verbunden sind", teilte das österreichische Innenministerium mit. Rostec steht unter internationalen Sanktionen und deckt eigenen Angaben zufolge die Hälfte der gesamten russischen Rüstungsproduktion ab.
Von Panzir-Raketen bis Iskander-Marschflugkörper
Zum Arsenal, das Rostec herstellt, gehören das Flugabwehrsystem Panzir, der Marschflugkörper Ch-101 und die ballistische Rakete Iskander. Diese Waffen werden regelmäßig bei tödlichen Angriffen auf ukrainische Zivilisten eingesetzt. Nur wenige Tage vor dieser Ankündigung, am 8. August, kamen bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew und die Region Kiew vier Menschen ums Leben, darunter ein dreijähriges Kind. Bei einem früheren Angriff mit ballistischen Raketen am 5. August wurden 17 Personen getötet.
Schwere Kritik äußerte auch der österreichische Staatssekretär Jörg Leichtfried. "Es ist inakzeptabel, dass hochpräzise europäische Technologie in die Produktion von Marschflugkörpern und Flugabwehrsystemen fließt. Wir werden weiterhin entschlossen handeln, in voller internationaler Zusammenarbeit, gegen alle, die versuchen, gesetzliche Verbote zu umgehen, um die russische Rüstungsindustrie zu unterstützen", so Leichtfried.
Festnahme des Geschäftsführers und Beschlagnahme von Daten
Die Schlüsselfigur hinter dieser Operation, ein belarussischer Staatsbürger, der als Geschäftsführer und Miteigentümer der fraglichen österreichischen Firma fungierte, wurde am 13. Mai festgenommen. Dabei wurden Vermögenswerte im Wert von 140.000 Euro beschlagnahmt. Die Ermittlungen umfassten zudem eine frühere Durchsuchungsaktion im August 2025, bei der die Behörden 40 Datenspeichergeräte sicherstellten.
Kanada verhängt synchron Sanktionen
Gleichzeitig mit der österreichischen Entdeckung gab das kanadische Außenministerium am 10. August bekannt, dass es sich der Ukraine und Europa anschließt, indem es Sanktionen gegen den russischen Verteidigungsausrüstungshersteller Streit Group verhängt. "Die heute angekündigten Sanktionen werden die russischen militärischen Fähigkeiten im Krieg gegen die Ukraine verringern, da sie die Kapazitäten der Streit Group zur Versorgung Russlands mit Militärtechnologie und -ausrüstung stören und erschweren", heißt es in der Erklärung des kanadischen Ministeriums.