Die kroatische Leichtathletik hat das Ende einer langen Wartezeit erlebt. Marino Bloudek (27) qualifizierte sich für das Finale über 800 Meter bei der Europameisterschaft in Birmingham und beendete damit eine 28-jährige Durststrecke ohne kroatischen Finalisten in Laufdisziplinen bei großen Wettbewerben. Zum letzten Mal gelang dies Branko Zorko über 1500 Meter im Jahr 1998 in Budapest.
Taktisch brillant zum zweiten Platz
Bloudek lief im Halbfinale eine Zeit von 1:44.96 Minuten, was ihm den zweiten Platz in seiner Gruppe und den direkten Einzug ins Finale einbrachte. Das Rennen war eine wahre taktische Meisterleistung: 200 Meter vor dem Ziel lag der kroatische Rekordhalter noch am Ende des Feldes, um dann im Finish zu explodieren, mehrere Konkurrenten zu überholen und um eine Tausendstelsekunde besser zu sein als der drittplatzierte Spanier David Barros, der dieselbe Zeit erzielte. Dabei musste er im Schlussspurt mehrfach potenzielle Kollisionen mit Konkurrenten vermeiden, was die Kontrolle und Präzision seines Auftritts zusätzlich unterstreicht.
Sieger der Gruppe war der einheimische Favorit Max Burgin, einer der Favoriten des Wettbewerbs. Über seine Zeit gehen die Quellen jedoch auseinander: Sportske novosti geben an, dass er 1:44.73 Minuten lief, während der HRT von 1:33.73 Minuten berichtet. Den mit Abstand besten Eindruck im Halbfinale hinterließ der Ire Mark English, der in der zweiten Gruppe mit 1:43.49 Minuten den Rekord der Europameisterschaften brach. Eine große Überraschung bereitete der Titelverteidiger von Rom 2024, der Franzose Gabriel Tual, der unerwartet nur Sechster in der ersten Gruppe wurde und insgesamt den 14. Platz belegte, womit er das Finale verpasste. Aus der zweiten, deutlich schnelleren Gruppe zogen zudem der Spanier Mohamed Attaoui (1:43.82) und der Italiener Francesco Pernici (1:43.84) über die Zeit ins Finale ein.
Neue Lokomotive der kroatischen Leichtathletik
Mit diesem Einzug wiederholte Bloudek den Erfolg von der Hallenweltmeisterschaft im vergangenen Winter in Toruń, wo er ebenfalls ins Finale einzog. Er bestätigt sich damit als neue "Lokomotive" der kroatischen Leichtathletik und setzt seinen Aufstieg an die Weltspitze fort. In der Gesamtwertung der Halbfinals hatte er die zehnte Zeit, beziehungsweise die siebte der acht Finalisten.
Für den Sprung in die absolute Elite muss Bloudek seinen eigenen kroatischen Rekord von 1:44.01 Minuten brechen, den er im vergangenen Jahr aufgestellt hat. Die Gelegenheit dazu hat er im Finale, das am Donnerstag um 22:28 Uhr mitteleuropäischer Zeit angesetzt ist. Auch wenn Mittelstreckler bei großen Wettbewerben selten auf Zeit laufen, der Fokus liegt ausschließlich auf der Platzierung, ist es angesichts der außergewöhnlich starken Konkurrenz durchaus möglich, dass genau diese ihn unter die 1:44-Minuten-Grenze zieht.
Die sechzehnköpfige kroatische Mannschaft, die ohne Sandra Elkasević und mit gedämpften Erwartungen nach Birmingham gereist war, hat nach drei Wettkampftagen allen Grund zur Zufriedenheit. Ein zusätzlicher Anlass zum Feiern kam aus dem Wurfsektor: Marija Tolj qualifizierte sich mit der neuntbesten Weite in der Qualifikation (59,85 m) für das Diskusfinale. Im dritten Versuch festigte sie ihre Position, nachdem ihr erster Wurf von 58,91 m bereits an der Finalgrenze gelegen hatte und der zweite im Schutznetz gelandet war.