Sinjs Bürgermeister Miro Bulj, der seit fünf Jahren an der Spitze der Stadt steht und ins sechste Jahr geht, sorgte am Sonntag bei der 311. Sinjski Alka für einen beispiellosen Schritt. Zum ersten Mal in der Geschichte saß der Bürgermeister der Alka-Stadt nicht auf dem Ehrenplatz in der Alka-Loge, der dem Gastgeber zusteht, sondern platzierte sich abseits auf den Tribünen, inmitten einer Gruppe treuer Zuschauer, und bemühte sich, die Aufmerksamkeit der Kameras auf sich zu ziehen.
T-Shirt mit Botschaft und Fotografier-Boykott
Bulj verbrachte den gesamten Sonntag in einem T-Shirt mit der Aufschrift "Alka dem Volke", und wie die Autoren der Artikel in der Jutarnji list und der Slobodna Dalmacija sarkastisch anmerken, hätte er noch hinzufügen sollen: "Das Volk bin ich". Sein ungewöhnliches Verhalten gipfelte im traditionellen Empfang des Vojvoda in den Alkarskim dvorima, wo er sich weigerte, sich mit den Alka-Reitern, den Alka-Burschen und ihren Gästen aus der Zivil-, Militär- und Kirchenführung fotografieren zu lassen.
Forderung nach 330 Eintrittskarten
Der Hintergrund von Buljs Protest liegt in seinem gescheiterten Versuch, vom Viteško alkarsko društvo, das die Alka organisiert, 330 zusätzliche Eintrittskarten zu erhalten. Zusätzlich zu den etwa 40 Karten, über die er persönlich verfügte, abgesehen von den Stadträten, von denen jeder zwei erhielt, verlangte Bulj weitere 330 Plätze auf den Tribünen. Die Gesellschaft gab sie ihm nicht, weil es sie einfach nicht gab. Doch selbst wenn es sie gegeben hätte, so deutet eine Quelle an, hätte ihm die Alka-Führung wohl kaum entsprochen, da Bulj in den Vorjahren die Karten genutzt hatte, um unter den Zuschauern "Miro!, Miro!"-Sprechchöre zu organisieren.
Politischer Hintergrund des Konflikts
Die Jutarnji list und die Slobodna Dalmacija betonen, dass Miro Bulj in den letzten fünf Jahren zum absoluten Herrscher über alles in Sinj geworden ist, außer über das Viteško alkarsko društvo. Dieser Verein, dessen Mitglied er selbst ist, konnte er nicht seinen politischen Interessen unterordnen. Sein Verhalten am Sonntag wird als Akt des Boykotts und als Versuch gedeutet, an einem Tag, an dem Sinj voller TV-Kameras war, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bulj setzte dabei seine übliche Rhetorik fort, beschuldigte die Behörden aller Ebenen des Niedergangs von Sinj und bezeichnete seine Kritik an den Amtsträgern als "Zungensuppe".
Was kommt als Nächstes?
Es bleibt die Frage, wen Miro Bulj am Sonntag tatsächlich boykottiert hat und ob er erkennen wird, dass er mit seinem Verhalten sich selbst boykottiert hat. Seine Tat wird sicherlich in den Annalen des Viteško alkarsko društvo, aber auch in den Dokumenten der Stadt Sinj festgehalten. Welche Konsequenzen dieser beispiellose Bruch zwischen dem Bürgermeister und den Organisatoren des wichtigsten Ereignisses in Sinj haben wird, wird die kommende Zeit zeigen.