Der trilaterale militärisch-verteidigungspolitische Mechanismus, den Kroatien, Albanien und Priština mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Verteidigungszusammenarbeit am 18. März 2025 etabliert haben, könnte in der nächsten Phase ein viertes Mitglied erhalten: Montenegro. Kontakte über eine mögliche Erweiterung bestehen bereits, und der gesamte Prozess wird als langfristiges Vorhaben betrachtet, für das zunächst politische, sicherheitspolitische und gesellschaftliche Voraussetzungen geschaffen werden müssen.
Obwohl es noch kein öffentlich veröffentlichtes Dokument oder eine offizielle Entscheidung der Regierung Montenegros über den Beitritt zu dieser Erklärung gibt, zeigt die bestehende regionale Militärarchitektur, dass Kontakte, gemeinsame Ausbildungen und institutionelle Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren bereits seit langem etabliert sind.
Von der Erklärung zur operativen Zusammenarbeit
Die am 18. März 2025 unterzeichnete Erklärung sah die Stärkung der militärischen Interoperabilität, gemeinsame Ausbildungen und Übungen, die Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrien, den Informationsaustausch sowie die Koordinierung bei der Bewältigung hybrider Bedrohungen vor. Im Laufe des Jahres 2026 ging die Zusammenarbeit von der ministeriellen Ebene auf die operative militärische Ebene über.
Im Januar 2026 fand in Zagreb ein Treffen der Direktoren für Verteidigungspolitik und Rüstung statt, und im Februar trafen sich in Skadar die Generalstabschefs Albaniens und Kroatiens mit dem Kommandeur der Kosovo-Sicherheitskräfte. Bei dieser Gelegenheit wurde die Vorbereitung konkreter trilateraler Militärübungen vereinbart. Das kroatische Verteidigungsministerium gab im April 2026 öffentlich bekannt, dass Zagreb und Tirana die trilaterale Zusammenarbeit weiter ausbauen wollen.
Montenegro bereits durch A5 am selben Tisch
Obwohl Montenegro formell nicht Teil dieses trilateralen Mechanismus ist, ist es bereits in einer Reihe paralleler Strukturen vertreten, an denen dieselben Akteure beteiligt sind. Besonders bedeutsam ist die Amerikanisch-Adriatische Charta (A5), deren Mitglieder die Vereinigten Staaten, Kroatien, Albanien, Montenegro, Nordmazedonien und Bosnien und Herzegowina sind, während Priština als Beobachter teilnimmt.
Kroatien hat im Jahr 2026 den Vorsitz dieser Initiative inne und hat als eine seiner Prioritäten gemeinsame Ausbildung, regionale Resilienz und zivil-militärische Zusammenarbeit festgelegt. Im März 2026 nahm eine Vertreterin des Verteidigungsministeriums Montenegros in Kroatien am Treffen der politischen Direktoren der A5 teil, bei dem über regionale Resilienz, hybride Bedrohungen und zivil-militärische Zusammenarbeit gesprochen wurde.
Bereits im April 2026 hielten sich unter kroatischem Vorsitz Vertreter der Streitkräfte Kroatiens, Albaniens und Montenegros sowie Vertreter aus Priština als Beobachter in Zagreb und Udbina auf. Im Juni 2026 nahmen Angehörige derselben Strukturen auch an der internationalen Cyber-Militärübung "Combined Adriatic Cyber Endeavour 2026" teil.
Politisches Hindernis in Montenegro selbst
Das größte Hindernis für eine mögliche Erweiterung ist nicht militärisch-technischer, sondern politischer Natur. Montenegro ist ein Land, in dem sich ein großer Teil der Bevölkerung als serbisch identifiziert, die Serbisch-Orthodoxe Kirche (SPC) großes Vertrauen in der Bevölkerung genießt und Serbien für die meisten Bürger der engste Staat in der Region ist.
Eine offene Begründung der neuen militärischen Verbindung mit Zagreb, Tirana und Priština als Mechanismus, der auf die sogenannte Bedrohung aus Belgrad reagieren soll, würde auf ernsthaften Widerstand stoßen. Daher müsste die politische Vorbereitung jedem formellen Schritt vorausgehen. Nach Quellen, die den regionalen Sicherheitsprozessen nahestehen, wird in Teilen des politischen, medialen und nichtstaatlichen Sektors in Montenegro seit Jahren ein Narrativ über angebliche bösartige Einmischung Serbiens und die Notwendigkeit des Schutzes montenegrinischer Institutionen vor Belgrad aufgebaut, was eine politische Grundlage schafft, auf der ein künftiges Arrangement als Stärkung der regionalen Sicherheit und guter nachbarschaftlicher Beziehungen dargestellt werden könnte, nicht als Abkehr von Serbien.
Rolle der serbischen politischen Vertreter und der SPC
Ein besonders sensibles Thema wird das Verhalten der Parteien und Politiker sein, die dank einer beträchtlichen Anzahl serbischer Stimmen in die montenegrinische Regierung gelangt sind. Gerade ihre Unterstützung, stillschweigende Zustimmung oder das Ausbleiben von Widerstand hätte eine weitaus größere politische Bedeutung als die Unterstützung von Parteien, die seit Jahren offen die NATO und eine antiserbische politische Erzählung vertreten.
Was dem serbischen Wählerpublikum schwerlich als offene Annäherung an eine Militärachse, in der sich Priština befindet, verkauft werden könnte, könnte mit einem akzeptableren Vokabular präsentiert werden: als Verbesserung guter nachbarschaftlicher Beziehungen, Erfüllung von NATO-Verpflichtungen oder Beitrag zu Frieden und Stabilität.
Eine noch sensiblere Dimension betrifft die Serbisch-Orthodoxe Kirche. Quellen, die mit den Gegebenheiten vertraut sind, weisen auf die Existenz von Kreisen innerhalb der kirchlichen Strukturen in Montenegro hin, die eine möglichst große Distanz zu Belgrad und der Spitze der SPC befürworten. Eine politische Entfernung Montenegros von Serbien wäre weitaus schwieriger umzusetzen, wenn gleichzeitig eine vollständige kirchliche Einheit und eine starke Verbindung der Gläubigen mit dem Patriarchat in Belgrad bestünde. Daher müssten für eine dauerhafte Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung verschiedene Autoritäten eingebunden werden, einschließlich derer, die Einfluss auf das religiöse Leben haben.
Westliches Interesse und regionale Dynamik
Nach Einschätzungen von Gesprächspartnern, die mit den regionalen Sicherheitsprozessen vertraut sind, ist die Initiative für eine tiefere Verbindung Podgoricas mit dem Dreieck Zagreb-Tirana-Priština nicht ausschließlich ein regionales Projekt. An der Schaffung eines möglichst kompakten Sicherheitsraums an der Adria und im Westbalkan sind auch einzelne westliche politische und sicherheitspolitische Strukturen interessiert.
Montenegro schließt geografisch den adriatischen Raum zwischen Albanien und Kroatien, ist NATO-Mitglied, bereits Teil der A5 und anderer regionaler Verteidigungsstrukturen, und seine Armee entwickelt seit Jahren Interoperabilität mit den Streitkräften der Alliierten. Der ehemalige albanische Verteidigungsminister Piro Vengu erklärte öffentlich bereits im Dezember 2025, dass er die Mitgliedschaft Prištinas in der A5 als strategische Notwendigkeit betrachtet.
Die Schlüsselfrage bleibt, ob der trilaterale Mechanismus auf drei Unterzeichner beschränkt bleibt oder erweitert wird. Solange ein großer Teil der Bürger Montenegros Serbien als engsten Staat und nicht als Sicherheitsbedrohung betrachtet, würde jede offene Positionierung Podgoricas an der Seite des militärisch-politischen Dreiecks Zagreb-Tirana-Priština ein hohes innenpolitisches Risiko bergen.