Dinamo dreht Thun um, aber für Europa braucht es eine 'echte Sechs'
Schweizer Medien schockiert nach Roter Karte des Kapitäns, Kovačevićs Wechsel retten die Modren; Experten warnen dennoch vor defensiven Schwächen
Schweizer Medien schockiert nach Roter Karte des Kapitäns, Kovačevićs Wechsel retten die Modren; Experten warnen dennoch vor defensiven Schwächen
Das gestrige Spiel der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation im Maksimir-Stadion brachte eine Dramatik, die den größten europäischen Bühnen würdig ist. Dinamo lag nach einer Stunde 0:2 gegen den Schweizer Club Thun, drehte das Spiel in der Schlussphase und siegte mit 3:2. Held des Sieges war Moris Valinčić, dessen Solo-Durchbruch die Gäste brach. Die Wende eingeleitet hatte die Rote Karte des Thuner Kapitäns Marc Bürki.
Wie Tportal berichtet, heben fast alle Schweizer Berichte den Platzverweis von Bürki als Schlüsselmoment hervor. Thun hielt bis dahin alle Fäden in der Hand und schien auf dem Weg zum Sieg, doch in der 67. Minute verlor ihr Kapitän den Ball vor dem eigenen Strafraum, legte den Gegner und erhielt nach VAR-Überprüfung die direkte Rote Karte statt Gelb.
Die meistgelesene Schweizer Tageszeitung Blick beschrieb das Drama so: 'Thun führte bis zur 67. Minute völlig verdient 2:0, dann kam die totale Wende. Bürki wurde wegen eines Fouls als letzter Verteidiger vom Platz gestellt, woraufhin Zagreb den Druck erhöhte. Beljo verkürzte, und nur vier Minuten später glich Kačavenda aus.'
Der öffentlich-rechtliche Sender SRF ging noch einen Schritt weiter: 'Alles war bereit für einen großen Auswärtssieg bis zur 67. Minute und dem Platzverweis von Bürki. Der Thuner Kapitän verlor den Ball vor dem eigenen Strafraum, legte den Gegenspieler und erhielt nach VAR-Überprüfung statt Gelb die direkte Rote Karte. Dieser Moment erwies sich als der Beginn des Endes.'
Das Portal Sport.ch betonte die Rolle des zusätzlichen Spielers: 'Nach dem Platzverweis von Marc Bürki setzte Dinamo Zagreb Thun vor dessen Strafraum völlig unter Druck. Der kroatische Meister rettete sich aus einer sehr schwierigen Lage, und der entscheidende Treffer von Moris Valinčić nach einem langen Sololauf war der Todesstoß für die Schweizer Mannschaft.'
Wie Jutarnji list schreibt, könnte sich Trainer Mario Kovačević in der heißen Zagreber Nacht feiern lassen. Sein Team spielte blass und wurde zur Halbzeit sogar mit Pfiffen von den Rängen bedacht, doch der Stratege gab sich nicht dem Schicksal hin. Bereits zur Halbzeit nahm er einen Wechsel vor, und in der 58. Minute entschied er sich für einen Dreifachwechsel: Kačavenda, Topić und Hoxha kamen ins Spiel. Sie waren es, die zusammen mit dem Platzverweis des Gegners die Dynamik völlig umkehrten.
Jutarnji list liefert auch eine interessante Bewertung von Kovačevićs Leistung: für die erste Halbzeit gab es kaum eine Fünf, für den Gesamteindruck eine Sechs, für die zweite Halbzeit verdiente er eine Acht. Besonders gelobt wurde der Mut, Oršić aus dem Spiel zu nehmen und auf Spieler zu vertrauen, die zu Saisonbeginn abgeschrieben waren, wie Kačavenda, den LASK nicht kaufen wollte, und Topić, der jetzt besser spielt als Lisica.
Neben ihnen lieferten auch Perez-Vinlöf und Galešić gute Partien ab, und das Siegtor erzielte Valinčić nach einem weiten Solo-Lauf. Zudem kehrt bald Luka Stojković zurück, sodass der Konkurrenzkampf noch größer wird.
Doch während der Einzug gefeiert wird, betont Jutarnji list, dass Dinamo eine Stunde lang an traurige Nächte gegen Celta, Lille oder Betis erinnerte: ohne Kompaktheit, mit einem leicht zu überwindenden Pressing und einer katastrophalen Defensive nach Ballverlusten. 'Dinamo braucht für Europa sicher einen Torwart, das ist allen klar, aber eine richtig gute defensive Sechs wäre Gold wert', schreibt der Journalist und fügt hinzu, dass Josip Mišić auf dieser Position nicht ausreicht, wenn die Gegner schnell und aggressiv sind.
Daher stellt sich die Frage: Wie soll man in der Allianz Arena oder im Prinzenpark spielen? Die aktuelle Formation mit einer Sechs und zwei kreativen Achtern funktioniert defensiv nicht, wie Thun mit seinen beiden Toren vor der Roten Karte deutlich zeigte. Aus diesem Grund betonen Analysten, dass Dinamo für einen ernsthaften europäischen Herbst einen defensiv starken Mittelfeldspieler finden muss, und Kovačević sollte auch über eine Formation mit zwei Sechsern nachdenken, bei der Mišić der zweite wäre.
Denn, so schließt Jutarnji list, 'die Warnung war die stärkste, die möglich war.' Der Einzug ist gesichert, aber der Weg zur Champions League erfordert eine schnelle Evolution, sowohl im Spiel als auch im Kader.