Die immer häufigeren und intensiveren Hitzewellen, die in den letzten Jahren Europa und auch Kroatien treffen, sind keine Ausnahme mehr, sondern werden zur neuen Sommerregel. Energieexperte Ivica Jakić erklärte gegenüber N1, wie diese Veränderung unsere Art zu wohnen grundlegend verändert, wobei Kühlung bald wichtiger sein wird als Heizung.
"Klimaanlagen werden keine Frage des Komforts mehr sein, sondern eine Notwendigkeit. Kühlung wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren wichtiger sein als Heizung", sagte Jakić gegenüber N1.
Gebäude sind für den Winter gebaut, nicht für solche Sommer
Jakić betont, dass der europäische Gebäudebestand jahrzehntelang mit dem Schwerpunkt auf Wärmedämmung im Winter geplant wurde, während in Kroatien generell weniger in die Energieeffizienz von Gebäuden investiert wurde. Westeuropa, das er gut kennt, hat in den letzten 40 Jahren die meisten Mittel genau in die Temperaturerhaltung, also die Beheizung von Gebäuden, gesteckt. "Jetzt ändert sich die Technologie und es wird immer mehr Schutz vor Überhitzung gefordert, also eine Möglichkeit, dass Wärme von außen gar nicht erst in den Raum eindringt. Der Trend geht immer mehr zu sogenannten Passivhäusern", erklärte er.
Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Ansatz liegt darin, dass das Heizen von Räumen einfacher ist als das Kühlen. "Deshalb wird die Frage der Kühlung extrem wichtig. Heizen kann man leichter, aber Kühlen ist viel schwieriger", fügte Jakić hinzu.
Eine Änderung senkte die Temperatur um acht Grad
Wie effektiv Sonnenschutz sein kann, demonstrierte Jakić anhand eines Projekts, an dem er arbeitete. Ein Gebäude mit sechs großen Glasfassaden nach Westen war kaum zu kühlen, wenn die Sonne am Nachmittag direkt auf das Glas schien. "Zuerst testeten wir Innenjalousien und Lamellenstores, aber die Temperatursenkung war gering. Die Sonne durfte einfach nicht direkt in den Raum eindringen", erzählte er.
Als Lösung dienten außenliegende drehbare Lamellenstores. Vor der Installation dieser Elemente musste eine Klimaanlage mit etwa 10 kW ununterbrochen laufen, um die Temperatur auf angenehme 26 Grad zu senken. Nach der Installation hochwertiger außenliegender Lamellenstores sank die Temperatur sofort um acht Grad. "Ein Passivhaus bedeutet, dass man das Eindringen von Wärme von außen verhindern muss. Man kann sich nicht von innen ständig gegen Wärme wehren, die bereits eingedrungen ist. Wenn Sonnenenergie durch das Glas dringt, erwärmt sich der Raum, und das ist im Nachhinein sehr schwer zu reduzieren", erklärte Jakić.
Bioklimatische Pergolen, helle Dächer und außenliegende Jalousien
Unter den Lösungen, die in Europa immer häufiger angewendet werden, hebt Jakić mehrere wichtige Trends hervor. "In letzter Zeit werden in Europa sogenannte bioklimatische Pergolen entwickelt. Das sind Pergolen, die an Häusern angebracht werden, damit die Menschen im Sommer draußen sein können, und sie bestehen aus hochwertigen Materialien wie Aluminium. Sie haben drehbare Lamellen, die die Regulierung von Schatten und Luftstrom ermöglichen", sagte er.
Großes Potenzial sieht er auch in reflektierenden hellen Dächern, die die Erwärmung von Gebäuden reduzieren, insbesondere in den oberen Stockwerken, wo die Temperatur immer höher ist. "Helle Dächer reflektieren die Sonnenstrahlen und reduzieren die Erwärmung des Gebäudes. Ein anderer Trend sind Gründächer, aber da bin ich etwas vorsichtig, weil sie viel Bewässerung benötigen", fügte er hinzu. Er betont auch den Vorteil von außenliegenden Jalousien gegenüber Rollläden, da sie die Luftzirkulation zwischen der Außentemperatur und der Glasfläche ermöglichen und so die Erwärmung des Glases verhindern.
Europa sucht neue Lösungen, und Kroatien hinkt nicht hinterher
Jakić, der seit 40 Jahren in Österreich lebt, bezeugt, dass auch Länder, die nie einen Bedarf an Klimaanlagen hatten, nun vor neuen Herausforderungen stehen. "Ich lebe seit 40 Jahren in Österreich, und dort gab es praktisch keine Klimaanlagen, weil es keinen Bedarf gab. Das Problem ist, dass die Vorschriften in Österreich die einfache Installation von Klimaanlagen an Wohngebäuden nicht erlauben. Man kann sie nicht einfach ans Fenster oder an die Fassade hängen", erklärte er. Als Lösung für große Wohngebäude sieht er Fernkältesysteme, ähnlich wie es heute Fernwärme gibt.
Der wachsende Kühlbedarf bringt auch Herausforderungen bei der Stromversorgung mit sich, insbesondere in warmen Nächten, wenn keine Produktion aus Solaranlagen erfolgt. "Deshalb wird es notwendig sein, die Kapazitäten von Batteriespeichern für elektrische Energie zu erhöhen. Sie erzeugen keine neue Energie, sondern ermöglichen ihre zeitliche Verschiebung", betonte Jakić.
Auf die Frage, ob Kroatien bei der Anpassung hinterherhinkt, antwortete Jakić: "Ich würde nicht sagen, dass Kroatien hinterherhinkt. Die Frage ist, wie schnell man Genehmigungen bekommt und wie lange die Beschaffung aller notwendigen Unterlagen dauert, um mit dem Bau beginnen zu können." Er fügte hinzu, dass kroatische Planer auf Weltniveau arbeiten, was an neuen Bürogebäuden und Produktionshallen sichtbar ist. Er betont jedoch, dass alles vom Investor abhängt. "Wenn hinter dem Projekt ein finanziell starkes Unternehmen steht, werden erstklassige technologische Lösungen angewendet. Wenn die Investoren Bürger sind, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, können sie sich an den Fonds für Umweltschutz und Energieeffizienz wenden", schloss er.