Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben einen Blog veröffentlicht, in dem sie warnen, dass eine Korrektur am US-amerikanischen Markt für Technologieaktien wahrscheinlich ist, wie Tportal unter Berufung auf Reuters berichtet. Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Marktwerte der größten Technologieunternehmen weit über dem historischen Durchschnitt liegen, angetrieben durch die Erwartung, dass künstliche Intelligenz die Weltwirtschaft grundlegend verändern wird.
Die Autoren des Blogs, fünf Ökonomen der EZB, betonen, dass der Text nicht unbedingt die offiziellen Ansichten der Institution widerspiegelt, aber ihre Analyse enthält eine ernste Warnung für die globalen Märkte.
Übertriebener Optimismus und psychologische Trends
Im Blog der EZB wird ausgeführt, dass wirtschaftliche Forschungen über vergangene technologische Revolutionen auf ein besorgniserregendes Fazit hindeuten. "Wirtschaftliche Forschungen über vergangene technologische Revolutionen deuten auf ein besorgniserregendes Fazit hin: Eine Korrektur der aktuellen Bewertungen am Aktienmarkt ist wahrscheinlich", heißt es in dem Text.
Nach Ansicht der Ökonomen können die Aktienwerte selbst dann fallen, wenn die Technologie die geplanten Ergebnisse erzielt und die Unternehmensgewinne steigen, da es schwierig ist, die zu positiven Erwartungen des Marktes an das Gewinnwachstum dieser Unternehmen zu erfüllen. Das Risiko wird zusätzlich durch psychologische Faktoren erhöht: Wenn Anleger übermäßig optimistisch sind, treiben sie die Preise über das reale Niveau, und wenn dieser Optimismus verschwindet, fallen die Preise oft stärker, als es in einem rationalen Fall der Fall wäre.
Europäisches Exposure gegenüber den "Großen Sieben"
Für Europa ist eine Marktkorrektur in den USA eine Frage der Finanzstabilität. Europäische Haushalte haben ein Exposure von 440 Milliarden Euro an Aktien der sogenannten "Großen Sieben", Alphabet, Amazon, Apple, Meta Platforms, Microsoft, Nvidia und Tesla. Auch Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften haben ein ähnliches Exposure an diesen Aktien.
Obwohl die Bewertung von Aktien an europäischen Börsen moderater erscheint, sind die Bewegungen an den europäischen Märkten eng mit denen an den US-Börsen verbunden. Daher werden auch die Preise inländischer Aktien fallen, wenn es zu einer Korrektur kommt, so die Ökonomen der EZB.
Weniger Spielraum für Interventionen als in der "Dot-Com"-Ära
Besonders besorgniserregend ist das Szenario, in dem eine Korrektur gleichzeitig mit einer breiteren Marktinstabilität auftritt. "Das schwierigere Szenario ist nicht die Marktkorrektur selbst, sondern eine Korrektur, die gleichzeitig mit einer breiteren Marktinstabilität auftritt, die von den politischen Entscheidungsträgern nicht leicht beruhigt werden kann: Im Gegensatz zur 'Dot-Com'-Episode lässt der heutige Ausgangspunkt deutlich weniger Spielraum für Zinssenkungen oder den Einsatz der Fiskalpolitik, um die Folgen abzumildern", heißt es im Blog der EZB.
Die Ökonomen räumen ein, dass der genaue Zeitpunkt der Korrektur "nicht im Voraus bekannt sein kann" und dass "solche Muster von Aufschwung und Kollaps erst im Nachhinein festgestellt werden können". Klar ist jedoch, dass die Risiken auf höchster Ebene der europäischen Geldpolitik erkannt wurden.