Am Strandbad Vargarola in Pula ereignete sich am 18. August 1946 eine der schwersten Tragödien in der Geschichte der Stadt. Nach den oft genannten offiziellen Angaben kamen bei der Explosion von Unterwasserminen 116 Menschen ums Leben, 216 wurden verletzt. Dennoch lässt sich die genaue Zahl der Opfer bis heute nicht zuverlässig bestimmen, da die Angaben je nach Quelle variieren und teilweise auch deshalb, weil einige Leichen nicht identifiziert werden konnten.
Ein gewöhnlicher Sommersonntag wurde zum Horror
An diesem Tag war der Strand voller Menschen, die dem traditionellen Ruderwettbewerb Coppa Scarioni beiwohnten. Die Detonation ereignete sich gegen 14 Uhr und ihre Folgen waren verheerend. Viele Menschen kamen direkt am Strand ums Leben, unter den Badenden und Zuschauern der Sportveranstaltung.
Nach Angaben aus historischen Dokumenten handelte es sich um 28 Unterwasserminen, die etwa neun Tonnen Sprengstoff enthielten. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die italienische Kriegsmarine Minen im Gewässer von Pula verlegt, und nach dem Krieg wurden sie von der britischen Marine aus dem Meer geholt. Danach wurden die Minen im Bereich von Vargarola gelagert, wo ihre Vernichtung organisiert werden sollte.
Der Arzt, der seine Söhne verlor und dennoch andere rettete
Eine besondere Rolle in der Geschichte von Vargarola spielt Dr. Geppino Micheletti, ein Arzt aus Pula, der nach der Explosion half, vielen Verletzten beizustehen. Er arbeitete weiter und operierte stundenlang, ohne zu wissen, dass sich unter den Toten auch seine beiden jungen Söhne befanden. Genau sein Mut und seine Menschlichkeit werden in einem besonderen Teil der neuen Ausstellung hervorgehoben, die anhand von Dokumenten, historischen Aufzeichnungen und Zeugenaussagen an die Opfer erinnert, aber auch an den Mann, der mitten in seiner persönlichen Tragödie weiterhin andere rettete.
Die Ursache ist auch nach acht Jahrzehnten nicht zweifelsfrei geklärt
Die britischen Militärbehörden leiteten unmittelbar nach der Tragödie eine Untersuchung ein, doch die Ursache und mögliche Verantwortliche für die Explosion wurden nicht zweifelsfrei identifiziert. Im damaligen Pula, das stark politisch und national gespalten war, tauchten verschiedene Theorien auf. Da Vargarola ein Ort war, an dem sich viele Italiener aus Pula versammelten, wurden bald Vorwürfe laut, die Explosion sei absichtlich herbeigeführt worden, nämlich von jugoslawischen Agenten als Sabotageakt. Diese Behauptungen wurden über Jahrzehnte wiederholt, doch ein endgültiger Beweis wurde nie gefunden.
In neueren Forschungen tauchten auch verschiedene Versionen der Ereignisse und Namen von Personen auf, die angeblich in die Explosion verwickelt gewesen sein könnten, doch die Frage der Verantwortung bleibt weiterhin Gegenstand historischer Debatten. Die Tragödie hatte auch weitreichendere Folgen. Die Explosion in Vargarola trug nämlich zusätzlich zur Angst und Unsicherheit unter der italienischen Bevölkerung von Pula bei und gilt als eines der Ereignisse, die dem Massenexodus der Italiener aus Pula und Istrien vorausgingen.
80 Jahre später: Ausstellung und Gedenkstätte
Am Dienstag, dem 18. August 2026, wird in Pula die Ausstellung "Vergessene Tragödie: Vargarola und ihr Held, Doktor Geppino Micheletti 1946-2026" eröffnet, die dem 80. Jahrestag der Tragödie gewidmet ist. Ein wichtiger Schritt wurde auch im März 2026 unternommen, als neben der Kathedrale von Pula ein neues Denkmal mit den Namen von 64 identifizierten Opfern von Vargarola aufgestellt wurde.
Der Autor des Artikels ist M. Č., das Foto stammt von Dusko Marusic (CROPIX).