Scharfschützen, Sprengstoffentschärfungskommandos, Anti-Terror-Einheiten und kugelsicheres Glas, das die VIP-Loge mit US-Präsident Donald Trump schützte, waren nur einige der Maßnahmen, die während des WM-Finales im MetLife-Stadion in New Jersey ergriffen wurden. Auch wenn solche Maßnahmen manchen übertrieben erschienen, zeigen die vom spanischen Portal Informacion veröffentlichten Polizeiberichte, dass die US-Behörden sehr wohl wussten, womit sie es zu tun hatten.
Während der gesamten WM koordinierte das FBI die Arbeit des Internationalen Polizeikooperationszentrums (IPCC), das US-Bundesbehörden und Polizeikräfte aus den Teilnehmerländern vereinte. Ihre Aufgabe war es, Terrorhinweise, Bedrohungen gegen Spieler und alle Vorfälle zu überwachen, die den Wettbewerb gefährden könnten.
Messis Kopf auf dem Spiel: Bomben und halbautomatische Waffe
Der argentinische Kapitän Lionel Messi erhielt vor und während des Turniers die meisten Drohungen. Der ernsteste Hinweis kam per Anruf am Flughafen von Dallas, wo eine unbekannte Person erklärte, dass sie mit zwei weiteren Personen zum Stadion unterwegs sei, in dem das Spiel Argentinien gegen Jordanien ausgetragen wurde. Laut Polizeibericht sagte der Anrufer, sie seien mit "selbstgebauten Bomben und AR-15" bewaffnet und planten, "Polizisten und Spieler beider Mannschaften" anzugreifen, wobei er "besonders Lionel Messi" erwähnte.
Eine noch grausigere Drohung folgte während des Achtelfinals gegen Ägypten, das Argentinien mit 3:2 gewann. Auf der Social-Media-Plattform X erschien ein Beitrag: "Ich werde gerade das Stadion in Atlanta betreten und Messi mit vier am Körper befestigten Bomben in die Luft sprengen." Gleichzeitig rief ein anderer Mann die Polizei an und behauptete, "drei Bomben" in Mülltonnen am Stadion hinterlassen zu haben, woraufhin Sprengstoffexperten mit Spürhunden das Gelände durchsuchten.
Ronaldo von Houston bis Miami verfolgt
Auch Cristiano Ronaldo blieb von beunruhigenden Situationen nicht verschont. Ein FIFA-Mitarbeiter meldete einen "verdächtigen Mann", der nach "Details" über die Unterkunft des portugiesischen Stars fragte. Die Polizei in Houston verhaftete am 16. Juni einen Mann im Hotel, in dem Ronaldo mit der Nationalmannschaft wohnte. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich in Toronto, wo ein Fan versuchte, mit dem Portugiesen in den Aufzug zu steigen, mit der Ausrede, er wolle nur ein Foto machen.
Für die kroatische Öffentlichkeit besonders interessant ist ein Vorfall in Miami, wo während des Spiels zwischen Portugal und Kroatien ein Mann im Ronaldo-Trikot auf das Spielfeld sprang und versuchte, sich dem portugiesischen Kapitän zu nähern.
Schiedsrichter unter Beschuss: Sechstausend Drohungen und gefährdete Familien
Der dramatischste Fall erlebte jedoch der französische Schiedsrichter François Letexier, der beim umstrittenen Spiel Argentinien gegen Ägypten die Leitung hatte. Laut IPCC-Berichten erhielt Letexier auf seinem privaten WhatsApp "sechstausend Drohungen", die meisten von "ägyptischen Staatsbürgern". Die Wut übertrug sich auch auf den VAR-Assistenten Willy Delajod, der ebenfalls Morddrohungen erhielt.
Die Situation eskalierte so sehr, dass die Häuser und Familien beider Schiedsrichter in Frankreich verstärkten Schutz und Polizeibegleitung benötigten, nachdem ihre Adressen in sozialen Medien veröffentlicht worden waren.